Wir verlieren die grünen Lungen unseres Planeten

Entwaldung
(Photo by gryffyn m on Unsplash)

Zürich – Die Vernichtung von Wäldern, besonders von tropischen Regenwäldern, schreitet in alarmierendem Tempo voran. Am meisten Wald geht in 24 «Entwaldungsfronten» verloren, welche der WWF analysiert hat. 43 Millionen Hektaren Wald wurden an diesen Fronten zwischen 2004 und 2017 vernichtet.

In nur etwas mehr als einem Jahrzehnt wurden allein in 24 von Entwaldung besonders stark betroffenen Gebieten in den Tropen und Subtropen eine Fläche von 43 Millionen Hektar Wald zerstört. Das entspricht ungefähr zehnmal der Grösse der Schweiz. Ein Grossteil der Waldvernichtung geht auf das Konto der kommerziellen Landwirtschaft, die zusätzliche Weide- und Ackerflächen für die Nahrungsmittelproduktion geschaffen hat. Zu diesem Ergebnis kommt die heute vom WWF veröffentlichte Studie «Entwaldungsfronten – Ursachen und Gegenmassnahmen in der sich verändernden Welt».

Der Bericht basiert auf Satellitendaten aus dem Zeitraum von 2004 bis 2017. Er identifiziert 24 Hotspots, an denen die Entwaldung extrem voranschreitet. Den grössten Verlust verzeichnet der Report im Amazonas (Brasilien, Kolumbien, Peru, Bolivien, Venezuela und Guyana) mit 18,3 Millionen Hektar zerstörtem Wald. Dahinter liegen die Wälder auf Borneo (Indonesien, Malaysia; 5,8 Millionen Hektar zerstörter Regenwald) und der Gran Chaco (Paraguay und Argentinien; 5,2 Millionen Hektar zerstörter Regenwald). Weitere Entwaldungsfronten liegen auf Madagaskar sowie Sumatra. Fast die Hälfte (46 Prozent) der noch bestehenden Wälder in Entwaldungshotspots sind zudem etwa durch Strassen oder Ackerflächen zerstückelt. Das macht den Wald anfälliger für Trockenheit und vertreibt Tier- und Pflanzenarten.

Dramatischer Rückgang der Wildtierbestände
Neun der 24 Entwaldungshotspots befinden sich in Lateinamerika. Dort verzeichnete der WWF Living Planet Report einen dramatischen Rückgang der überwachten Wildtierbestände um 94 Prozent. «Das ist kein Zufall, Wälder sind Schatzkammern der Artenvielfalt. Sie beherbergen bis zu vier Fünftel aller bekannten Tier- und Pflanzenarten ausserhalb der Ozeane», sagt Valerie Passardi vom WWF Schweiz. Nimmt die biologische Vielfalt in den Wäldern ab, sinkt aber auch die Fähigkeit der Wälder, Kohlenstoff zu speichern. Passardi erklärt: «Wenn wir die Klimakrise nicht noch weiter anheizen wollen, müssen wir die Wälder und die dort lebenden Arten schützen.» Im Amazonas sind ungefähr 10 Prozent des globalen Kohlenstoffs gespeichert.

Wir essen den Regenwald auf
Auch wenn die Wälder ausserhalb der Schweiz verschwinden, trägt die Schweiz substanziell zur Umwandlung von Wald zu Agrarland bei. Denn für den Anbau von Kakao, Palmöl und Kaffee, das in die Schweiz importiert wird, wird oft Wald vernichtet. Das zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie des WWF Schweiz. Um die hiesige Nachfrage nach land- und forstwirtschaftlichen Rohstoffen für Konsumgüter zu decken, benötigten wir zwischen 2015 und 2019 eine Fläche von fast dreimal der Grösse der Schweiz. „Statt nur mit dem Finger auf Regierungen und Landwirte in Entwaldungshotspots zu zeigen, müssen wir uns an der eigenen Nase nehmen», sagt Valerie Passardi. «Durch den Konsum von nicht nachhaltig produzierter Schokolade, Kaffee oder Palmöl treiben wir die globale Waldzerstörung weiter voran.»

Der WWF fordert Konsumentinnen und Konsumenten deshalb auf, sich für umweltverträglicheres Essen zu entscheiden und nur so viele Lebensmittel zu kaufen, wie wirklich benötigt werden. Die mächtigsten Hebel sehen die Umweltschützer allerdings bei der Politik. In den internationalen Handelsbeziehungen brauche es dringend bessere und verbindliche Sozial- und Umweltstandards, insbesondere zu entwaldungsfreien Lieferketten.

Werden keine tiefgreifenden Massnahmen zum Schutz der Wälder ergriffen, nimmt die Entwaldung in den Tropen und Subtropen weiter zu, so der Bericht «Entwaldungsfronten». Mehr Waldverlust hat schwerwiegende Folgen: Die Naturgüter in den Wäldern sind die Lebensgrundlage für 1,6 Milliarden Menschen auf der Erde. (WWF/mc/pg)

WWF-Bericht «Entwaldungsfronten» (engl.)

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