World Engineers› Convention 2011 in Genf

Ruedi Noser

WEC-2011-Präsident Ruedi Noser.

Genf – Im September versammeln sich Ingenieure aus aller Welt in Genf. Die vierte World Engineers‘ Convention steht ganz im Zeichen einer nachhaltigen Energiezukunft. Höhepunkte im Programm sind die Special Session „Fukushima – Fakten und Konsequenzen“ und die Verabschiedung der Deklaration am letzten Kongresstag.

Wie können wir genügend Energie für die gesamte Menschheit erzeugen? Wie können wir den Zugang zur benötigten Energie sicherstellen? Welche Konsequenzen haben die tragischen Ereignisse in Fukushima? Solche Fragen stehen im Zentrum der World Engineers› Convention (WEC), die im September 2011 in Genf stattfinden wird. „Diese Herausforderungen kann die Schweiz nicht im Alleingang lösen. Dazu braucht es ein gemeinsames, weltweites Engagement“, begründet Nationalrat Ruedi Noser seine Motivation als Präsident des Vereins WEC 2011. Erwartet werden über 2000 Ingenieure und Forscher sowie Vertreter aus Wirtschaft und Politik aus allen Teilen der Welt. Der Anlass soll nicht nur technische Lösungen aufzeigen und einen weltweiten Austausch ermöglichen, sondern wird auch Antworten auf brennende Energiefragen liefern: Am letzten Tag wird eine Deklaration verabschiedet, die in einem breit abgestützten, internationalen Prozess unter Einbezug von nationalen Ingenieurverbänden, Universitäten und weiteren Organisationen erarbeitet wird. Im Vorfeld lancierten die Organisatoren der WEC 2011 dazu den Aufruf von Genf, dessen sieben Thesen in einem Blog auf der Webseite zur Diskussion gestellt werden.

Reichhaltiges Programm
Das Tagungsprogramm der WEC 2011 deckt das Thema Energie auf einer breiten Basis ab. Dazu wurden sieben Themenbereiche definiert. Neben Mobilität, Städtebau und der Aus- und Weiterbildung im Bereich Engineering umfassen die Themenbereiche der WEC 2011 die gesamte Kette von der Energieproduktion, über Umwandlung und Speicherung bis hin zur effizienten Energienutzung und erneuerbaren Energien. Der erste Kongresstag ist geprägt von einem gesellschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Dialog. Bundesrätin Doris Leuthard wird die Teilnehmenden begrüssen. Am Nachmittag werden Regierungsvertreter aus verschiedenen Ländern, darunter die Schweiz, China und die USA, am runden Tisch über die globale Energiezukunft diskutieren. Auch wegweisende Projekte und Visionen werden gezeigt. So wird zum Beispiel André Borschberg, Pilot und Mitbegründer von Solar Impulse, über sein Projekt sprechen. Gemeinsam mit Bertrand Piccard möchte er die Erde nur mit Sonnenenergie umrunden und damit zeigen, was mit den heute verfügbaren Technologien möglich ist.

Fukushima – Fakten und Konsequenzen
Auch die Ereignisse in Fukushima sind Thema an der WEC 2011. Denn sie haben die Welt verändert. Vor dem 11. März 2011 ging man davon aus, dass die Kernkraftwerke in der Schweiz sicher sind. Wissenschaftler berechneten die Wahrscheinlichkeit einer Kernschmelze auf 10-6 bis 10-5 pro Betriebsjahr. Das bedeutet, dass statistisch gesehen alle 500‘000 Jahre ein Unfall mit Kernschmelze auftreten dürfte. Rechnet man dies auf die 440 Atomkraftwerke weltweit, müssten nach der Theorie die Unfälle im Durchschnitt mindestens 1000 Jahre auseinander liegen. Doch die Geschehnisse zeigen ein ganz anderes Bild. Denn seit dem letzten vergleichbaren Unfall in Three Mile Island 1979 sind gerade mal 32 Jahre vergangen. 1986 war der Super-GAU in Tschernobyl und nun 2011 die Katastrophe in Fukushima. WEC 2011 nimmt das Thema auf in der Special Session „Fukushima – Fakten und Konsequenzen“. Dazu haben die Organisatoren Redner aus Japan, Frankreich und den USA eingeladen, unter anderen Dr. Okada Sohei, Direktor der JAEA (Japan Atomic Energy Agency), Professor Hideki Nariai, Präsident der JNES (Japan Nuclear Energy Safety Organization) und Klaus Töpfer, ehemaliger Exekutivdirektor des UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen).

Beitrag der jungen Generation
WEC 2011 wird verschiedene Sichtweisen zusammenbringen und Lösungen, Ideen und Visionen aus aller Welt von unterschiedlichen Berufsgruppen und von Fachleuten verschiedenen Alters diskutieren. Auch die Beiträge junger Ingenieure sind gefragt. WEC 2011 hat deshalb das Projekt „Young Engineers“ ins Leben gerufen. Dabei arbeiten junge Ingenieure von März bis August in internationalen Teams an verschiedenen Projekten, die von Schweizer Fachhochschulen ausgeschrieben wurden. Sie untersuchen zum Beispiel, wie eine Schule in Kenia mit erneuerbaren Energien versorgt werden kann oder wie sich das städtische Leben in der Schweiz gestalten lässt, ohne einen Tropfen Öl zu verbrauchen. Die Teams arbeiten auf einer virtuellen Plattform und treffen sich kurz vor dem Kongress, um die Arbeiten abzuschliessen. An der WEC 2011 werden die Projekte den Teilnehmern präsentiert.

Breit abgestützt
Die World Engineers’ Convention 2011 ist national und international breit abgestützt. Für die Organisation sind unter anderen die Schweizer Ingenieurorganisationen SIA und Swiss Engineering zuständig. Zu den Trägern gehören die internationalen Organisationen UNESCO und die World Federation of Engineering Organizations (WFEO), die 15 Millionen Ingenieurinnen und Ingenieure aus 90 Nationen vereinigt. Für die WFEO ist der Anlass eine Chance, die globalen Herausforderungen auf verschiedenen Ebenen anzugehen. Dazu Maria Laffargue, Präsidentin der WFEO: „Wir Ingenieure sind überzeugt, dass die Antworten auf die heutigen Fragen nur von Menschen kommen können, die neben fundiertem Fachwissen ein umfassendes ethisches Verständnis haben.“ (WEC/mc/ps)

Informationen
World Engineers› Convention 2011
Engineers Power the World – Facing the Global Energy Challenge
4.-9. September 2011
Internationales Konferenzzentrum Genf (CICG), Schweiz
[email protected]g, www.wec2011.org

4. WEC der World Federation of Engineering Organizations (WFEO).
Zu den Partnern der Konferenz gehören die Schweizerische Eidgenossenschaft und die internationalen Organisationen UNESCO und FEANI. Die Organisation erfolgt durch Swiss Engineering, SIA, Electrosuisse und FTAL.

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