ZKB-CEO: Wir gehen von einer Lösung im US-Steuerstreit aus

Martin Scholl
ZKB-CEO Martin Scholl. (Foto: ZKB)

Martin Scholl, CEO Zürcher Kantonalbank (ZKB). (Foto: ZKB)

Zürich – Die ZKB steht wie auch andere Schweizer Banken im Blick der US-Justiz wegen des Steuerstreits. Martin Scholl, CEO der Kantonalbank seit 2007, hat sich laut einem Interview mit der «Handelszeitung» nie vorstellen können, dass ausgerechnet die Staatsbank ZKB einst derart stark im Fokus der US-Behörden stehen könnte. «Das USA-Geschäft stand nie im Fokus unserer Bank. Rückblickend hätte man sich früher anders verhalten», sagte er im Gespräch mit der Zeitung.

Scholl geht davon aus, dass irgendwann eine Lösung im US-Steuerstreit da sein werde. Wann genau das Thema allerdings vom Tisch sein werde, wisse er nicht. «Die Agenda wird vom US-Justizdepartement gesetzt. Wir haben das getan, was wir mit Blick auf die möglichen Gespräche mit den US-Behörden tun können», so der CEO.

Keine Spekulationen zu Kosten oder Busse
Wie hoch genau die bisher verursachten Kosten des Steuerstreits sind, wollte Scholl nicht beziffern. «Die Kosten sind überblickbar.» Auch zur Höhe einer möglichen Busse machte der Bankchef keine Angaben. «Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen», so die Aussage. Jedenfalls wolle im Falle eines Falles weder die Finanzmarktaufsicht noch der Bankrat weitere organisatorische oder personelle Massnahmen ergreifen.

Derzeit gebe es weiterhin US-Kunden, die aber alle regelkonform seien. «Von jenen Kunden, die nicht deklarierte Steuergelder auf unseren Konten hatten, haben wir uns schon lange getrennt», sagte Scholl. Seit Anfang 2015 verwalte die ZKB nur noch sogenanntes Weissgeld.

Mit Blick auf mögliche Steuerhinterziehung im Inland sagte Scholl: «Die Steuerpflicht zu erfüllen, ist eine Bürgerpflicht.» Aus Sicht der Banken sei klar, dass man für ein automatisches Meldeverfahren im Inland sei. Wann der Austausch mit den Behörden starte, sei letztlich eine politische Frage, «und das Volk dürfte bei dieser wichtigen Frage das letzte Wort haben.»

Sind wertvollstes Aktivum des Kantons
Die kritischen Stimmen mit Blick auf grosse, systemrelevante Banken reissen derweil nicht ab. Scholl sieht die ZKB allerdings nicht als «Klumpenrisiko», sondern als «wertvollstes Aktivum, das der Kanton Zürich hat.» So habe die Bank in den vergangenen fünf Jahren von ihrem Gewinn in Höhe von 3,7 Mrd CHF 1,8 Mrd an den Kanton und die Gemeinden abgeliefert. Der Kanton habe dagegen in den letzten 150 Jahren nur 1,9 Mrd CHF in die Bank investiert.

Zudem hält der CEO die Bilanzsumme der ZKB im Vergleich zum BIP des Kantons nicht für zu hoch. «Die ZKB hat 30 Mrd CHF Liquidität, was uns zu einer der weltweit sichersten Banken macht», so Scholl. Die risikogewichteten Aktiva hätten sich im Einklang mit dem BIP des Kantons Zürich entwickelt.

Auch dass die ZKB als systemrelevant eingestuft wird, sieht er nicht zwingend negativ. Zwar könne er die Sorgen durchaus verstehen, allerdings sei die Geschäftsleitung stark emotional mit der Bank verbunden, «und das letzte was wir wollen, ist, dass der ZKB etwas passiert.» Man verfüge über eine Top-Bonität, auch ohne Staatsgarantie.

Negativzinsen kosten 75 Mio – Integration von Swisscanto
Derweil spürt die ZKB die Negativzinsen der SNB. «Wenn es eine Universalbank gibt, die massiv davon betroffen ist, dann ist es die ZKB.» Derzeit habe die Bank rund 30 Mrd CHF bei der Nationalbank deponiert, somit müssen für die 10 Mrd über der Freigrenze derzeit 75 Mio CHF an Zinsen pro Jahr gezahlt werden. Diese Kosten würden teilweise über den Interbankengeldmarkt und an Grosskunden weitergegeben.

Die Integration der jüngst übernommenen Swisscanto sieht Scholl nicht kritisch. Dass sich die personelle Situation verändere, gehöre bei einem solchen Prozess dazu, kommentiert der CEO die Abgänge einiger Swisscanto-Manager. Klar sei, dass es im Integrationsprozess auch zu Stellenreduktionen kommen werde. Es gebe Doppelspurigkeiten, die über die Zeit bereinigt würden. Wie viele Stellen genau wegfallen werden sagte Scholl nicht. (awp/mc/ps)

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