Energielieferungen nach drei Kriegswochen massiv unter Druck

Energielieferungen nach drei Kriegswochen massiv unter Druck
Kaum mehr Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus: Festsitzende Öl- und Gastanker.

Doha/Tel Aviv/Teheran/Damaskus – Die Öl- und Gaslieferungen vom Golf werden wegen des Iran-Kriegs nach Einschätzung von Experten noch für Monate massiv gestört sein. Der Geschäftsführer der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, sagte der britischen «Financial Times», der Krieg sei «die grösste Bedrohung für die globale Energiesicherheit in der Geschichte». Politiker und Märkte unterschätzten das Ausmass der Ausfälle.

Es fehle jetzt doppelt so viel Gas, wie die Menge, die Europa durch die 2022 eingestellten Lieferungen aus Russland verloren habe, so der IEA-Chef. Es könne mehr als sechs Monate dauern, bis die Öl- und Gaslieferungen vom Golf wiederhergestellt seien.

Die Instandsetzung massiv beschädigter Förderanlagen im katarischen Industriegebiet Ras Laffan wird laut QatarEnergy bis zu fünf Jahre dauern. Das teilte der Staatskonzern auf X mit. Der Iran hatte die Anlagen als Reaktion auf israelische Angriffe auf das wichtige Gasfeld «South Pars» attackiert.

In Kuwait sind indes nach Drohnenangriffen Teile der Ölraffinerie Mina al-Ahmadi abgeschaltet worden. Dabei sei in einigen Anlagen der Raffinerie Feuer ausgebrochen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur unter Berufung auf die Kuwait Petroleum Corporation (KPC).

Berlin vereinfacht Rüstungsexporte in Golfregion
Die deutsche Regierung lockerte am Freitag die Regeln für den Export bestimmter Rüstungsgüter für eine Reihe von Golfstaaten und die Ukraine. Dazu trat eine neue, auf sechs Monate befristete Allgemeine Genehmigung in Kraft, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte.

Exporteure können so schnellere Ausfuhrgenehmigungen nutzen, ohne vorher beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle einen Ausfuhrantrag stellen zu müssen. Die Regelung soll eine schnelle Lieferung von Gütern der Luft- und maritimen Verteidigung ermöglichen.

Damit setze die Regierung ein «Zeichen der Solidarität», sagte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. «Die wahllosen Angriffe des Irans auf die Golfstaaten haben zur Folge, dass dort Rüstungsgüter vor allem zur Luftverteidigung dringend benötigt werden», betonte die Christdemokratin.

Persisches Neujahrsfest von Krieg überschattet
In der Region überschatten die gegenseitigen Angriffe hohe Feiertage. Mit dem Fastenbrechen Eid al-Fitr endet der heilige Fastenmonat Ramadan und im Iran beginnt am Freitagabend das persische Neujahrsfest. Noch am Morgen griffen Kampfflugzeuge Ziele in Teheran an, wie Augenzeugen und staatliche Medien berichteten. Israel bombardierte nach eigenen Angaben Stellungen der iranischen Führung in der Gegend der Stadt Nur im Norden des Landes. Die Iraner hofften, dass Israel und die USA ihre Luftangriffe über Neujahr aussetzen.

Die humanitäre Lage im Land könne sich dramatisch verschlechtern, warnte der Leiter des Norwegischen Flüchtlingsrates (NRC), Jan Egeland, im arabischen Fernsehsender Al Jazeera. Der Iran sei riesig und der Bedarf wachse rasant, so der NRC-Generalsekretär. Schiffs- und Flugverkehr seien unterbrochen, sodass lokale und internationale Gruppen Schwierigkeiten hätten, dringend benötigte Hilfsgüter ins Land zu bringen.

Pressesprecher der Revolutionsgarden getötet
Derweil meldeten die iranischen Revolutionsgarden den Tod ihres Sprechers, Ali Mohammed Naini. Israels Armee bestätigte, dass dieser in der Nacht zum Freitag bei einem Angriff der israelischen Luftwaffe getötet wurde.

Die Garden würdigten Naini als langjährigen Kommandeur, der mehr als vier Jahrzehnte im Dienst der islamischen Revolution gestanden habe. Israels Militär bezeichnete ihn als «wichtigsten Propagandisten» der Revolutionsgarden, der Terroranschläge gegen den Staat Israel gefördert habe. Die israelische Armee erneuerte ihre Drohung, sie werde weiterhin gegen Kommandeure und wichtige Vertreter der iranischen Führung vorgehen.

Israel greift auch wieder in Syrien an
Israels Armee griff eigenen Angaben zufolge in der Nacht zum Freitag nach neuer Gewalt im Nachbarland Syrien Ziele der dortigen Regierung an. Das israelische Militär sprach von Attacken auf drusische Zivilisten in Suwaida. Israel werde nicht zulassen, dass Syriens Führung im Schatten des Iran-Kriegs gegen die Drusen vorgehe. «Falls nötig, werden wir mit noch grösserer Härte zuschlagen», sagte Verteidigungsminister Israel Katz nach Angaben seines Büros.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Grossbritannien meldete am Freitag erneut Gewalt zwischen Angehörigen der drusischen Minderheit und sunnitischen Stammesgruppen. Letztere würden in der Region von der syrischen Führung unterstützt. Wie viele Opfer es bei den jüngsten Angriffen und Kämpfen seit Montag gegeben habe, sei noch unklar.

Bereits im Juli 2025 war es in Suwaida zu heftigen gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Drusen und sunnitischen Stammesgruppen gekommen. Israel bombardierte auch damals Ziele in Syrien, um laut eigenen Angaben die Drusen zu schützen. Seit dem 20. Juli gilt offiziell eine Waffenruhe. Die syrische Beobachtungsstelle sprach nun von Verstössen gegen das Abkommen. (awp/mc/pg)

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