Aberdeen erwartet anhaltendes Wachstum und unterstützendes Marktumfeld 2026
Zürich – Aberdeen, der schottische Vermögensverwalter mit internationaler Ausrichtung, hat seine aktuelle vierteljährliche ‹House View› zur Makroökonomie und zum Anlageausblick publiziert.
Der Ausblick geht von einer anhaltenden globalen wirtschaftlichen Expansion im Jahr 2026 aus, mit einer insbesondere in den USA anziehenden Wachstumsdynamik, einer nachlassenden Inflation und weiteren Zinssenkungen. Dieses Umfeld sollte für die Finanzmärkte unterstützend wirken. Künstliche Intelligenz bleibt dabei ein zentrales Anlagethema – ohne Anzeichen einer Blasenbildung.
Peter Branner, Chief Investment Officer bei Aberdeen Investments, sagt:
«Mit Blick auf das neue Jahr gehen wir davon aus, dass sich der globale Konjunkturzyklus vorerst fortsetzt. Wir erwarten für 2026 ein stärkeres Wachstum in den USA, eine weitere Abschwächung der Inflation sowie zusätzliche Zinssenkungen durch die US-Notenbank. Auch Europa dürfte zunehmend von fiskalischen Lockerungen profitieren. In China wird sich das Wachstum trotz der Entspannung im Handelskonflikt mit den USA verlangsamen, während die Inflation sehr tief bleibt – was weitere geldpolitische Lockerungen ermöglicht. Zudem rechnen wir in weiten Teilen der Schwellenländer mit weiteren Zinssenkungen.»
«All dies spricht für ein risikofreundliches, carry-starkes makroökonomisches Umfeld. Gleichzeitig bleiben die mikroökonomischen Treiber risikobehafteter Anlagen intakt: Die Unternehmensgewinne sind robust, und das KI-Thema bleibt trotz hoher Bewertungen in den USA und China relevant», so Branner.
Da KI-getriebene Aktien zunehmend teuer werden, sollten Anleger laut Aberdeen ihre Diversifikation weiter ausbauen. Der starke Kursanstieg bei US-Technologiewerten sei durch das erwartete Gewinnwachstum gerechtfertigt. Die Verschuldung grosser Tech-Unternehmen bleibe im Verhältnis zu ihrer Cash-Generierung tief. Trotz Bedenken hinsichtlich gegenseitiger Beteiligungen führender KI-Unternehmen sei das Umfeld weiterhin geprägt von hoher Auslastung der Hardware und einer zunehmenden Breite realwirtschaftlicher Anwendungsfälle.
Generell bevorzugt Aberdeen Schwellenländer gegenüber Industrieländern, da die Bewertungen dort attraktiver sind. Beim US-Dollar ist Aberdeen neutral positioniert: Die Zinsdifferenzen seien weitgehend fair eingepreist, und Sorgen um die institutionelle Glaubwürdigkeit der USA hätten zuletzt an Bedeutung verloren.
Paul Diggle, Chief Economist bei Aberdeen Investments, ergänzt:
«Zu den Risiken für die Dauer des Konjunkturzyklus zählen neue Zollschocks, eine Abschwächung des US-Arbeitsmarktes, Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Fed sowie geopolitische Eskalationen. Einige dieser Risiken könnten zu einer positiven Korrelation zwischen Aktien und Anleihen führen. Dennoch sehen wir bei globalen Staatsanleihen ein positives Signal, auch als Diversifikationsinstrument angesichts der prozyklischen Ausrichtung anderer House-View-Signale.»
Vor diesem Hintergrund hat Aberdeen Private Credit von neutral auf moderat positiv hochgestuft und das positive Signal für globale Direktimmobilien weiter verstärkt. Der Sektor liefert stabile Erträge und moderate Kapitalzuwächse. Das wirtschaftliche Umfeld stützt die Mietnachfrage, während weitere Zinssenkungen in den USA und im Vereinigten Königreich die Kapitalwerte unterstützen sollten. Gleichzeitig bleibt das Angebot begrenzt, die Transaktionsvolumen steigen, und die Marktstimmung erholt sich.
1. Schwellenländer (Emerging Markets) – aktivere Rolle der USA in Lateinamerika erwartet
Erwartet wird eine weitere Abschwächung des chinesischen Wachstums im kommenden Jahr, allerdings weniger stark als zuvor angenommen.
Die chinesische Politik dürfte weiter gelockert werden. Die sogenannte Anti-Involution-Kampagne deutet darauf hin, dass politische Entscheidungsträger stärker auf eine Verbesserung der Unternehmensprofitabilität setzen, unter anderem durch den Abbau von Überkapazitäten und die Stärkung der Preissetzungsmacht in Schlüsselindustrien. Der chinesische Markt profitiert zudem von der anhaltend positiven Stimmung rund um KI. Gleichzeitig weist Aberdeen darauf hin, dass EM-Anlagen mit zunehmender KI-Assoziation weniger Diversifikation gegenüber möglichen Korrekturen an den US-Märkten bieten.
In den übrigen Schwellenländern ist die Inflation deutlich in Richtung Zielwerte zurückgegangen, insbesondere in Asien. Das Wachstum hat sich zwar abgeschwächt, doch ein stabileres globales Handelsumfeld dürfte diesen Gegenwind reduzieren. 2026 wird das politische Kalenderjahr in den EM-Ländern intensiver. Die USA dürften nach der Intervention in Venezuela eine aktivere Rolle in Lateinamerika einnehmen. Ein tendenzieller Rechtsruck bei Wahlen könnte jedoch zu fiskalischer Konsolidierung beitragen und damit die Finanzierungskosten senken.
2. Schwellenländer-Aktien
Aberdeen sieht weiterhin ein attraktives Umfeld für EM-Aktien. Trotz jüngster relativer Outperformance sind die Bewertungen nach wie vor moderat. Der Gewinnausblick bleibt solide, insbesondere in Sektoren wie Halbleiter. Abnehmende Handelsunsicherheit und eine insgesamt robuste wirtschaftliche Entwicklung stützen die Anlageklasse zusätzlich. Auch die Markttechnik hat sich verbessert: Nach Jahren von Abflüssen verzeichnen EM-Aktien wieder Zuflüsse, was auf erneutes Anlegerinteresse hindeutet.
3. Schwellenländer-Anleihen
Auch für EM-Anleihen sieht Aberdeen unterstützende makroökonomische Fundamentaldaten. Zwar wird für 2026 nicht mit einer ähnlich starken USD-Schwäche gerechnet wie 2025, doch die Rückkehr der Kapitalzuflüsse und eine negative Nettoemission wirken positiv.
Aberdeen bevorzugt eine Rotation aus Märkten mit weitgehend abgeschlossenen Zinssenkungszyklen, etwa in Asien, hin zu Frontier Markets, wo weiteres Potenzial für Spread-Einengungen besteht.
4. Private Credit
Aberdeen hebt sein Signal für Private Credit von neutral auf moderat positiv an. Die Anlageklasse umfasst ein breites Spektrum, ist jedoch überwiegend durch Investment-Grade-Finanzierungen ausserhalb des Bankensektors geprägt. Die Ausfallraten sind in der Regel tief, die Rückgewinnungsquoten hoch. Riskanteres Direct Lending an hochverschuldete mittelgrosse Unternehmen macht nur einen kleinen Teil des Gesamtmarktes aus – und einen noch kleineren Teil der Aktivitäten von Aberdeen.
Einzelne prominente Ausfälle wertet Aberdeen als Einzelfälle und nicht als Zeichen systemischer Verschlechterung der Kreditqualität. Dennoch sei eine sorgfältige Überwachung notwendig, insbesondere mit Blick auf Gesamt-Ausfallraten inklusive „Amend-and-Extend“- und Payment-in-Kind-Strukturen. Kredite an unprofitable Tech-Unternehmen sieht Aberdeen kritisch und beteiligt sich daran nicht. Finanzierungen von Rechenzentren erfolgen hingegen in Form von Credit-Tenant-Lease-Strukturen, bei denen das Risiko primär an die Bonität des Mieters – häufig hochprofitable, investment-grade Tech-Konzerne – gekoppelt ist.
5. Immobilien
Aberdeen hat sein positives Signal für globale Direktimmobilien weiter verstärkt. Der Sektor liefert stabile Erträge und moderate Wertzuwächse. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unterstützen die Mietnachfrage, während weitere Zinssenkungen in den USA und im Vereinigten Königreich die Kapitalwerte stützen sollten. Gleichzeitig bleibt das Neubauangebot begrenzt.
Innerhalb globaler Direktimmobilien bevorzugt Aberdeen Wohnimmobilien, Industrieobjekte und Retail Parks. Nach früheren Marktschocks hat sich die Stimmung deutlich erholt, und die globalen Transaktionsvolumen steigen kontinuierlich. Dies bestärkt Aberdeen in der Einschätzung, dass Immobilien über den Anlagehorizont hinweg höhere Renditen als Cash erzielen können.
6. Infrastruktur
Aberdeen hält an seinem positiven Signal für Infrastruktur fest. Die makroökonomische Stabilisierung und fallende US-Zinsen wirken unterstützend. Zwar entfiel der Grossteil der jüngsten Kapitalzuflüsse auf Large-Cap-Deals, was zu erhöhten Bewertungen führen kann, doch bleibt die Qualität der Investitionen entscheidend – insbesondere angesichts hoher globaler „Dry Powder“-Bestände.
Die strukturellen Treiber für Infrastruktur bleiben intakt:
- Verschuldung: Angespannte öffentliche Haushalte erfordern vermehrt privates Kapital
- Digitalisierung: KI und steigender Datenaustausch erhöhen den Bedarf an Energie- und Netzinfrastruktur
- Dekarbonisierung: Netzausbauten, nachhaltige Mobilität und der Fokus auf Energiesicherheit stützen Investitionen in Infrastruktur langfristig
(Aberdeen/mc/ps)