Alles wird teurer, Aktien auch: Fünf Thesen der St.Galler Kantonalbank für das Anlagejahr 2022

Alles wird teurer, Aktien auch: Fünf Thesen der St.Galler Kantonalbank für das Anlagejahr 2022
Von Caroline Hilb Paraskevopoulos, Leiterin Anlagestrategie und Analyse der St.Galler Kantonalbank. (Foto: SGKB)

St. Gallen – Die St.Galler Kantonalbank publiziert ihren Anlageausblick 2022. Sie erwartet eine Stabilisierung der Energiepreise und eine anhaltend positive Wirtschaftsdynamik in der Schweiz. Die anziehende Inflation wird 2022 störrisch bleiben. Nicht zuletzt deshalb wird die Zinswende eingeläutet. Aktien bleiben 2022 für die Anlegerinnen und Anleger erste Wahl.

Das Jahr 2021 war geprägt vom Vor und Zurück der Corona-Pandemie. Mit den früher als erwartet verfügbaren Impfungen gegen Covid-19 setzte weltweit eine rasche Wiederbelebung der Wirtschaftsdynamik ein. Auch das Aufflammen neuer Infektionswellen konnte dem bisher nichts anhaben, doch folgten Störungen von Lieferketten sowie Engpässe bei Produktions- und Transportkapazitäten. Die Konsequenz war eine anziehende Inflation. Viele Unternehmen haben die Krise genutzt, um ihre Betriebsabläufe effizienter zu gestalten und damit ihre Betriebskosten zu senken. So konnten Sie mit der Wiederbelebung ihrer Märkte nicht nur die Umsätze steigern, sondern auch bei den Gewinnmargen zulegen. «Dank der Gewinndynamik der Unternehmen, der expansiven Geldpolitik der Zentralbanken und den weiterhin günstigen Konjunkturerwartungen werden die Aktienmärkte 2021 wohl mit einem Rekordergebnis abschliessen», fasst Thomas Stucki, Chief Investment Officer St.Galler Kantonalbank, das ungewöhnliche Aktienjahr 2021 zusammen.

Wie erwartet blieben die Leitzinsen in den USA, der Eurozone und in der Schweiz 2021 unverändert, genauso wie der geldpolitische Kurs. Caroline Hilb Paraskevopoulos, Leiterin Anlagestrategie und Analyse St.Galler Kantonalbank, sagt zur geldpolitischen Situation: «Weil die Notenbanker die höhere Inflation nicht als dauerhaft einstufen, blieben sie der expansiven Geldpolitik treu.» Die ausserordentlichen Massnahmen der Notenbanken haben dagegen an Bedeutung gewonnen. Die SNB musste weiterhin mit Interventionen den Franken schwächen, die Fed hat erst im November begonnen, ihr Anleihenkaufprogramm zu reduzieren und die EZB trat ebenfalls nur sachte auf die Bremse.

Fünf Thesen für das Anlagejahr 2022

These 1: Die Zinswende ist da
Die Wiederbelebung nach Corona verursachte eine höhere Inflation. Dabei wirkten verschiedene Faktoren inflationstreibend – der Stress bei den Lieferketten, höhere Preise für Energie und höhere Transportkosten – gegen die die Notenbanken nichts direkt ausrichten können. Dennoch müssen sie reagieren, um die Inflationserwartungen unter Kontrolle zu behalten. Dazu sagt Thomas Stucki: «Die US-Notenbank wird als erste der grossen Zentralbanken ihren Leitzins Ende 2022 erhöhen.» Die langen Zinsen werden die restriktivere Ausrichtung vorwegnehmen und bereits im Laufe des Jahres 2022 ansteigen.

These 2: Schweizer Wirtschaft mit rosigen Aussichten
Die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft sind auch im kommenden Jahr gut. Neben einer starken Exportnachfrage wird auch die Binnenwirtschaft gut laufen. Der Franken wird gleichzeitig zur Stärke neigen, weshalb die SNB auch weiterhin am Devisenmarkt intervenieren wird, um den Franken zu schwächen. Sie wird eine geordnete Aufwertung des Frankens zulassen, aber Schocks versuchen zu verhindern.

These 3: Energiekrise wird abgesagt
Die Opec steigert die Ölförderung nach dem Corona-Einbruch nur zögerlich und nach dem Wirbelsturm Ida sind noch nicht alle Förderkapazitäten im Golf von Mexiko wieder in Betrieb. Wenn die Energiepreise weiter steigen, dann steigt auch der politische Druck, gegen diesen Engpass etwas zu unternehmen. Dazu sagt Thomas Stucki: «2022 wird der Angebotsengpass behoben sein und die Preise werden tendenziell wieder sinken. Das wird sich auch dämpfend auf die Inflationsentwicklung auswirken.»

These 4: Robuster Immobilienmarkt
Die Preise für Immobilien sind hoch und trotzdem ist die Nachfrage ungebrochen. «Wir erwarten weiterhin eine positive Entwicklung am Immobilienmarkt», kommentiert Caroline Hilb die aktuelle Situation. Selbstbewohntes Wohneigentum wird stark nachgefragt, was die Preise stützen wird. Auch bei den Renditeliegenschaften wird die Nachfrage hoch bleiben, vor allem bei den institutionellen Anlegern. Die Leerstände in älteren Liegenschaften werden weiter steigen, weil mehr Leute in Neubauten – auch zur Miete – umziehen.

These 5: Gewinnwachstum bestimmt Aktienmarkt
Zum Ausblick für den Aktienmarkt sagt Caroline Hilb: «Das Gewinnwachstum der Unternehmen wird ein positiver Treiber bleiben, auch wenn im Vergleich zum Vorjahr der Zenit überschritten ist und es sich spürbar abflacht.» Die höheren Betriebskosten der Unternehmen werden die Gewinne der nächsten Quartale belasten. Die Fortsetzung der wirtschaftlichen Erholung gibt den Aktienkursen jedoch eine gute Basis. Doch werden die anhaltende Inflationsdiskussion und die nahende Änderung der Geldpolitik die Anlegerinnen und Anleger beunruhigen. «Insgesamt setzt sich die Seitwärtsbewegung der zweiten Jahreshälfte 2021 mit einem leicht steigenden Trend fort», fasst Caroline Hilb zusammen.

Anlagestrategie für den Start ins Jahr 2022
Obligationen: Die St.Galler Kantonalbank investiert nach wie vor in Obligationen, weil sie bei sinkenden Aktienmärkten ihrer Rolle als Stabilisator gerecht werden. Die Obligationen werden aber untergewichtet, da die Renditeaussichten im Negativzinsumfeld wenig attraktiv sind. Um negative Renditen zu vermeiden, müssen gezielt etwas höhere Kreditrisiken eingegangen werden.

Aktien: Die St.Galler Kantonalbank hält ein Übergewicht bei den Aktien. Dabei bevorzugt sie die Aktienmärkte der Industrieländer, während sie jene der Schwellenländer untergewichtet behält. Bei den Schwellenländern ist Chinas Politik zusammen mit der Erwartung steigender US-Zinsen ein Unsicherheitsfaktor. Die Aktienmärkte in den USA profitieren von einer positiven Konjunkturentwicklung und steigenden Unternehmensgewinnen, ebenso wie die Aktienmärkte Europas und der Schweiz.

Rohwaren: Die St.Galler Kantonalbank hält in der Strategie Ausgewogen eine Goldallokation von 5%. Hauptgrund hierfür ist der Versicherungscharakter von Gold, weniger die Erwartung eines steigenden Preises. (SGKB/mc/ps)

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