Allianz sieht sich nach Gewinnsprung auf Kurs

Michael Diekmann

Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann.

München – Europas grösster Versicherer Allianz ist überraschend gut durch das zweite Quartal gekommen. Ein Jahr nach den Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen verdiente der Konzern wieder deutlich mehr. «Unser operatives Geschäft ist stabil und bleibt auf Kurs», sagte Vorstandschef Michael Diekmann. Für 2012 zeigte sich der Manager zuversichtlich, wie geplant einen operativen Gewinn von 7,7 bis 8,7 Milliarden Euro zu erzielen. Er warnte jedoch vor zu viel Optimismus: «Wir wissen nicht, was im zweiten Halbjahr auf uns zukommt.»

Zwischen April und Juni verdiente die Allianz unter dem Strich gut 1,2 Milliarden Euro, rund 23 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Erdbeben in Norditalien, schwere Unwetter in Deutschland und ein Tornado in den USA warfen den Konzern nicht aus der Bahn. Trotz Katastrophenschäden in Höhe von 174 Millionen Euro legte der operative Gewinn um drei Prozent auf knapp 2,4 Milliarden Euro zu. Der Umsatz verbesserte sich um 2,5 Prozent auf 25,2 Milliarden Euro.

Überschwemmungen in Thailand belasten
Während die Lebens- und Krankenversicherung und die Vermögensverwaltung ihre Ergebnisse um gut ein Fünftel steigern konnten, ging es in der Schaden- und Unfallversicherung um 16 Prozent abwärts. So musste die Allianz für die Überschwemmungen in Thailand aus dem vergangenen Jahr weitere 120 Millionen Euro zur Seite legen.

Absehbare Schäden im 3. Quartal
Auch für das dritte Quartal sind die ersten Schäden bereits absehbar. Von den schweren Unwettern und Überschwemmungen, die seit Anfang Juli unter anderem Deutschland, die Schweiz, Russland und China trafen, erwartet die Allianz eine Belastung von bis zu 100 Millionen Euro. Die anhaltende Dürre in den USA könnte den Versicherer noch einmal die gleiche Summe kosten, wie Diekmann sagte.

Aktien sind weniger wert
Politikern und Notenbanken warf der Manager unterdessen vor, die Staaten mithilfe von Inflation und Niedrigzinsen auf Kosten der Sparer zu entschulden: «Das wird sich rächen in einer alternden Gesellschaft, die zunehmend auf Erspartes angewiesen ist.» Die Niedrigzinsphase dürfte nach Einschätzung der Allianz noch lange anhalten, für Lebensversicherer wird es daher auf lange Sicht schwerer, für ihre Kunden Renditen über der Inflationsrate zu erzielen. Trotzdem versuchte Diekmann Befürchtungen unter den Versicherten zu zerstreuen: «Kein Kunde muss sich wegen der Finanzmarktkrise Sorgen um seine Lebensversicherung bei der Allianz machen.»

Trotz der wieder aufgeflammten Staatsschuldenkrise blieben dem Versicherer grössere Wertberichtigungen auf Rentenpapiere erspart. Allerdings schlug die Entwicklung der Banken ins Kontor: Die Abschreibungen auf Aktien vervierfachten sich auf 200 Millionen Euro. Laut Controlling-Vorstand Oliver Bäte hat die Allianz ihr Engagement in der Branche bereits zurückgefahren. Diekmann zufolge hatte sie zuletzt noch rund 40 Milliarden Euro bei den Banken im Feuer.

Italien-Engagement
In Staatsanleihen der Euro-Schuldenstaaten steckt mit 35 Milliarden Euro eine fast ebenso hohe Summe – und damit rund acht Prozent der festverzinslichen Kapitalanlagen des Konzerns. Der Grossteil davon entfällt mit 31 Milliarden Euro auf Italien, kleinere Anteile auf Spanien, Portugal und Irland. Griechenland spielt fast keine Rolle mehr. Um das grosse Italien-Engagement zeigte sich Diekmann kaum besorgt: «Dass Italien seine Schuldenkrise selbst bewältigen kann, steht nicht in Frage», sagte er. «Das liegt schon an den sehr, sehr hohen Privatvermögen.» Die Allianz ist im italienischen Lebensversicherungsgeschäft wegen der dortigen Lebensversicherungskunden besonders stark engagiert.

Unterdessen schaut sich der Vorstand nach möglichen Übernahmekandidaten um – vor allem im Schaden- und Unfallgeschäft, sowohl in Europa als auch in Schwellenländern. Gerade erst haben sich die Münchner den entsprechenden Bereich der französischen Gan Eurocourtage gesichert. Laut Diekmann soll die Übernahme bis Jahresende abgeschlossen sein. (awp/mc/pg)

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