Allianz Trade: Unternehmensinsolvenzen steigen durch Nahostkonflikt deutlich stärker

Allianz Trade: Unternehmensinsolvenzen steigen durch Nahostkonflikt deutlich stärker
Jan Möllmann, CEO Allianz Trade in der Schweiz. (Foto: Allianz Trade)

Wallisellen – Mit dem Nahostkonflikt steigen die weltweiten Zahlungsausfälle und Insolvenzen. Der Kreditversicherer Allianz Trade hat in seiner aktuellen globalen Insolvenzstudie die Prognosen für die Jahre 2026 und 2027 im Zuge des Konflikts deutlich nach oben korrigiert. So dürften Pleiten im Jahr 2026 mit einem Zuwachs von 6 % (2025: +6 %) zum fünften Mal in Folge steigen. Vor dem Konflikt lag die Prognose noch bei einem Anstieg der Fallzahlen um 3 %. 2027 dürften sich die globalen Unternehmensinsolvenzen auf einem hohen Niveau einpendeln (vor Nahostkonflikt: leichter Rückgang). Ein anhaltender Konflikt könnte das Insolvenzrisiko jedoch noch weiter verschärfen, sowohl weltweit als auch in der Schweiz.

Historischer Negativ-Rekord für die Schweiz
Für 2026 wird in der Schweiz ein neuer historischer Rekord an Unternehmensinsolvenzen prognostiziert. Dies ist bereits der sechste Anstieg in Folge. Es dürften rund 14’000 Fälle sein, also doppelt so viele wie 2022 und fast dreimal so viele wie vor der Pandemie im Durchschnitt. Der entscheidende Faktor für diesen massiven Anstieg ist das neue Insolvenzsystem, das 2025 eingeführt wurde. «Neben dem neuen Insolvenzsystem* tragen aber auch der unterdurchschnittliche Wirtschaftsausblick und die Wachstumsprognosen, die aufgrund höherer Energiepreise und globaler Unsicherheiten nach unten korrigiert wurden, zum Negativtrend bei. Aktuell erwarten wir, dass der Anstieg der Insolvenzen im Jahr 2026 bei +20 % liegen wird – nach +38 % im Jahr 2024 und +17 % im Jahr 2023 –, bevor ab 2027 eine Normalisierung einsetzt (−3 %)», prognostiziert Jan Möllmann, CEO von Allianz Trade in der Schweiz.

Der Nahostkonflikt treibt die weltweiten Unternehmensinsolvenzen in die Höhe
Die Krise im Nahen Osten hat die Volatilität und Unsicherheit auf den Energiemärkten, bei den Transportkosten und den globalen Lieferketten verstärkt. Über die unmittelbaren Störungen hinaus deuten die Folgewirkungen auf eine beschleunigte Inflation, schwierigere finanzielle Rahmenbedingungen und eine Verschlechterung des Geschäftsklimas hin.

«Diese Situation treibt die Kosten entlang globaler Wertschöpfungsketten in die Höhe, von der Agrar- und Lebensmittelindustrie über das verarbeitende Gewerbe bis hin zum Gesundheitswesen und zur Technologiebranche. Zudem verschärft sie den Druck auf energieintensive Sektoren wie Transport, Chemie und Metall. Die Kombination aus schwächerer Nachfrage, steigenden Inputkosten und angespannten Finanzbedingungen belastet Unternehmen mit schwacher Preissetzungsmacht, geringen Margen, hoher Verschuldung oder strukturell erhöhtem Betriebskapitalbedarf. Im Vergleich zu unserer Prognose vor der Krise wird der direkte Schaden des Nahostkonflikts weltweit 7000 zusätzliche Unternehmensinsolvenzen für 2026 und 7900 für 2027 bedeuten», sagt Aylin Somersan Coqui, CEO von Allianz Trade.

Worst Case: bei länger anhaltenden geopolitischen Konflikten und wirtschaftlichen Schocks steigen Insolvenzen noch stärker
Sollte die Strasse von Hormus länger blockiert bleiben, könnten sich die Folgewirkungen durch eine anhaltende Unterbrechung der weltweiten Öl- und Gasversorgung sowie durch weitere Versorgungsengpässe bei Rohstoffen (Düngemittel, Helium) verstärken. In Verbindung mit steigender Inflation, sinkendem Vertrauen und geringerem Wachstum würde dies das Insolvenzrisiko noch weiter verschärfen.

«Eine anhaltende und weitreichende Eskalation würde dazu führen, dass die weltweiten Insolvenzen im Jahr 2026 um 10 % und im Jahr 2027 um 3 % steigen. Dies würde im Zeitraum 2026–2027 rund 4100 zusätzliche Insolvenzfälle in den USA und 10‘500 in Westeuropa bedeuten», sagt Maxime Lemerle, leitender Analyst für Insolvenzforschung bei Allianz Trade.

Jobs in Gefahr: 2026 sind 94‘000 Arbeitsplätze mehr gefährdet als im Vorjahr
Angesichts eines Anstiegs der weltweiten Unternehmensinsolvenzen um 6 % im Jahr 2026 schätzt Allianz Trade, dass 2,2 Millionen Arbeitsplätze direkt gefährdet wären. Dies entspricht einem Anstieg um 94‘000 im Vergleich zu 2025.

«Bauwesen, Einzelhandel und Dienstleistungen wären die am stärksten gefährdeten Sektoren», sagt Lemerle. «Europa führt mit 1,3 Millionen potenziell betroffenen Jobs die weltweite Statistik an. Westeuropa (~960‘000) und Nordamerika (~460‘000) verzeichnen voraussichtlich beide ein 12-Jahres-Hoch. Insgesamt dürften die durch Unternehmensinsolvenzen gefährdeten Arbeitsplätze 6 % der Gesamtzahl der Arbeitslosen in den USA und Europa ausmachen.» (pd/mc/pg)

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