Italien und Spanien trotzen Rating-Herabstufungen

Anleihe

Madrid – Die beiden grossen Euro-Krisenländer Italien und Spanien haben am Dienstag zu günstigeren Bedingungen Geld bei Investoren einsammeln können als zuletzt. In der vorherigen Nacht hatte die Ratingagentur Moody’s die Bonitätsnoten der dritt- und viertgrössten Euro-Volkswirtschaften weiter herabgestuft.

Spanien konnte mit einer Auktion von Geldmarktpapieren insgesamt 5,446 Milliarden Euro bei Anlegern aufnehmen, wie das Finanzministerium mitteilte. Das Maximalziel von 5,5 Milliarden Euro wurde damit annähernd erreicht. Die Nachfrage nach den neuen Papieren mit Laufzeiten über 12 und 18 Monate hätte ausgereicht, um mehr als das doppelte Volumen am Markt zu platzieren. Die Renditen gingen gegenüber den letzten vergleichbaren Versteigerungen im Januar spürbar zurück.

Italien: Durchschnittszins von 3,41 % für neue Zweijahresanleihen
Auch Italien konnte am Vormittag einen überzeugenden Auftritt am Anleihemarkt liefern: Insgesamt nahm die drittgrösste Euro-Volkswirtschaft bei einer Versteigerung von Titeln mit Laufzeiten bis 2014, 2015 und 2017 wie maximal angestrebt sechs Milliarden Euro auf. Der Durchschnittszins für die neuen Zweijahresanleihen lag bei 3,41 Prozent – dem niedrigsten Stand seit März 2011.

Die heutigen Auktionsergebnisse machen deutlich, dass Investoren sich von den jüngsten Entscheidungen der Ratingagentur Moody’s wenig beeindruckt zeigen. Montagnacht hatten die Bonitätsprüfer den Daumen über sechs Ländern der Eurozone gesenkt, darunter Italien, Spanien. Besonders hart traf es Spanien mit einer Abstufung der Kreditwürdigkeit gleich um zwei Stufen.

Spanien nennt Herabstufung durch Moody’s ‹paradox›
Die Regierung in Madrid hatte zuvor mit Unverständnis auf die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens um zwei Stufen reagiert. Die Entscheidung sei «paradox» sagte Finanzminister Cristóbal Montoro. Montoro beklagte, dass Agenturen wie Moody’s die von der spanischen Regierung angeschobenen Reformen einerseits als positiv bewerteten, sich andererseits jedoch für eine Abstufung entschieden.

Montoro versicherte, Spanien sei auf dem Weg, das Problem des fehlenden Wirtschaftswachstums zu lösen. Der Kampf gegen das Haushaltsdefizit sei von wesentlicher Bedeutung, betonte der Finanzminister. Demnächst werde in Spanien ein Gesetz verabschiedet, das alle öffentlichen Verwaltungen dazu verpflichte, ihre Budgets ohne Defizite vorzulegen.

Britische Regierung reagiert gelassen
Die britische Regierung reagierte gelassen auf die Warnung vor vor einem Verlust der Top-Bonität des EU-Landes reagiert. Schatzkanzler George Osborne, der für seine Sparpolitik kämpft, sieht sich in seinem Kurs bestätigt. Moody’s Drohung, das Königreich könne seine «AAA»-Spitzenwertung verlieren, sei ein «Realitäts-Check für alle, die denken, Grossbritannien könne sich vor der Konfrontation mit seinen Schulden drücken», sagte Osborne am Dienstag.

Frankreich: Moody’s-Entscheidung unverständlich
Auch aus Frankreich kam Kritik:  Frankreich Wirtschafts- und Finanzminister François Baroin bewertete die Moody’s-Entscheidung zur Abstufung von sechs Euro-Ländern als unverständlich. In einer Stellungnahme wies er am Dienstag ausführlich auf die jüngsten Fortschritte bei der Bekämpfung der Schuldenkrise hin. Neben den Massnahmen auf europäischer Ebene hätten auch die betroffenen Staaten erhebliche Anstrengungen unternommen, um ihre Haushaltslage in den Griff zu bekommen. Bei Moody’s behalten die Franzosen zwar ihr Spitzen-Rating, doch ist der Ausblick nun negativ. (awp/mc/pg)

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