Argentinien schafft Rückkehr an die Finanzmärkte

Argentinien

Buenos Aires – Argentinien hat nach der Staatspleite und einer 15-jährigen Abstinenz vom Kapitalmarkt die Rückkehr an die Finanzmärkte geschafft. Die ausgegebenen Staatsanleihen brachten bei Laufzeiten von drei bis dreissig Jahren insgesamt 16,5 Milliarden US-Dollar in die Kasse, sagte Finanzminister Alfonso Prat-Gay in Buenos Aires. Der durchschnittliche Zinssatz lag mit 7,2 Prozent allerdings vergleichsweise hoch.

Das Interesse der Investoren sei riesig gewesen. «Es war die grösste Nachfrage (für Anleihen) in der Geschichte Argentiniens und möglicherweise eine der 20 grössten überhaupt», sagte der Minister. Das sei ein «unglaubliches» Ergebnis für ein Land, das aus der Staatspleite komme. Zwei Drittel der Anleihekäufer kämen aus den USA, 25 Prozent aus Europa, und je 5 Prozent aus Asien und Lateinamerika.

9,3 Mrd Dollar für Alt-Gläubiger
Am Freitag sollen aus dem Erlös 9,3 Milliarden Dollar an Alt-Gläubiger ausgezahlt werden, die nicht in die Umschuldungen von 2005 und 2010 eingewilligt und vor einem US-Gericht die volle Auszahlung ihrer Anleihen gefordert hatten. Nach der Zahlung will Richter Thomas Griesa das Zahlungsverbot an andere Gläubiger Argentiniens aufheben, das das Land nach der Staatspleite von 2001 im Sommer 2014 wieder in eine technische Zahlungsunfähigkeit gestürzt hatte.

Ein Teil der verbleibenden Erlöse aus den jetzt ausgegebenen Anleihen soll zur Finanzierung des Infrastrukturprogramms der Regierung dienen, sagte Prat-Gay.

220 Abkommen mit Hedgefonds
Argentinien war 2001 in die Pleite gerutscht. Die meisten Gläubiger hatten einem Schuldenerlass zugestimmt. Mehrere Hedgefonds bestanden aber auf der vollen Auszahlung ihrer nach US-Recht ausgegebenen Anleihen und klagten in den USA. Die neue argentinische Regierung unter Präsident Mauricio Macri hatte nach der Amtsübernahme vor vier Monaten eine rasche Lösung in dem zähen Schuldenstreit angekündigt. Schliesslich einigte sich die Regierung auf einen Vergleich.

Nach Angaben von Prat-Gay wurden seit Ende Februar insgesamt 220 Abkommen mit Hedgefonds abgeschlossen. Die vereinbarten Zahlungen entsprächen einem Abschlag von rund 40 Prozent der vom Gericht den Alt-Gläubigern zugesprochenen Beträge. Nach Medienangaben haben Investoren mit Forderungen über rund zwei Milliarden Dollar den Deal bislang nicht angenommen. Das Angebot Argentiniens bleibt jedoch weiter bestehen.

Diesmal wurden die Anleihen mit einer Umschuldungsklausel versehen, nach der im Fall einer Umstrukturierung eine Vereinbarung mit mindestens 75 Prozent der Gläubiger auch für den Rest verbindlich ist. So soll ein Prozess wie der der Hedgefonds in New York im Fall einer Staatspleite verhindert werden. (awp/mc/pg)

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