Atomkraftdebatte erhöht Flussiggas-Nachfrage

Richard Robinson
Fondsmanager bei Nordea

Richard Robinson, Fondsmanager bei Nordea

Zürich – Professionelle Investoren reagieren auf den Reaktorunfall und die Krise in Nordafrika und schichten ihre Portfolios um. Gewinner dieser Entwicklung sind russische und europäische Energiekonzerne, die Öl und Flüssiggas verkaufen.

„Die jüngsten Ereignisse in Japan und in den arabischen Staaten haben die bestehenden langfristigen Trends – das Ende des billigen Öls – nicht verändert, sondern beschleunigt“, erklärt Fondsmanager Richard Robinson, der für Nordea den European Alpha Fund verwaltet. Als Beispiel nennt Robinson den bisher durch ein Überangebot geprägten europäischen Gasmarkt. Dort hätten das Abschalten deutscher Atomkraftwerke sowie die steigende Nachfrage aus Japan infolge der Reaktorkatastrophe dazu geführt, dass der ursprünglich für 2015 erwartete Versorgungsengpass schon zwei Jahre früher eintreten werde. Robinson erwartet, dass Japan – schon heute mit einem 40-Prozent-Anteil grösster Importeur von Flüssigerdgas – seine Nachfrage um weitere 3 bis 8 Prozent steigern wird. Den Bedarf dürfte Katar decken, bislang Hauptgaslieferant Europas.

Nachfrageverschiebung verändert Energiemarkt
„Diese Nachfrageverschiebung wird den europäischen Energiemarkt stark verändern“, sagt Robinson. Er rechnet damit, dass in der Folge vor allem Energieunternehmen wie Gazprom, Royal Dutch Shell, Repsol und BG Group zu den Gewinnern zählen werden. Allein diese vier Aktien machen momentan etwa acht Prozent des Fondsinvestments des von Robinson verwalteten Nordea 1 – European Alpha Fund aus.

Vorsicht bei Öl-Services-Aktien der MENA-Region
Aber auch die Krise in Nordafrika führt nach Ansicht von Robinson zu Umwälzungen im Markt für Öl-Services. Als Investor hat Robinson das Engagement in Öl-Service-Aktien in der MENA-Region (Middle East, North Africa) reduziert und investiert nun in europäische Unternehmen, die im Golf von Mexiko, Westafrika und Australien aktiv sind.

Krise drängt Produktion japanischer Firmen ins Ausland
Eine unmittelbare Wirkung der Nuklear-Katastrophe in Japan auf Unternehmen und Wirtschaftszweige in Europa sei nur schwer abzuschätzen. Allerdings dürften die Hauptbetroffenen die Automobilindustrie und der Technologiesektor sein, wie sich anhand der Produktionsengpässe der vergangenen Tage gezeigt habe. „Im Zweifel werden die japanischen Produzenten ihre Nummer-Eins-Grosskunden bei Lieferungen bevorzugen, und die kleineren Abnehmer schauen in die Röhre“, sagt Robinson. Langfristig könne aber die Krise die japanischen Unternehmen dazu zwingen, verstärkt auch im Ausland zu produzieren, und Unternehmen zur Optimierung ihrer Lieferkette veranlassen. Davon wiederum würden Lösungsanbieter wie SAP profitieren können, so Robinson. (nor/at/ah)

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