Bank of America streicht 30’000 Jobs

Brian Moynihan

Brian Moynihan, CEO Bank of America.

Charlotte – Nun ist es Gewissheit: Die Bank of America streicht in den kommenden Jahren voraussichtlich rund 30.000 Jobs. Mit den Einschnitten will Bankchef Brian Moynihan die Kosten drastisch senken. Die Bank muss sich mit säumigen Schuldnern und Milliardenklagen wegen angeblicher Hypotheken-Betrügereien herumschlagen. Im ersten Halbjahr türmten sich die Verluste auf 7,4 Milliarden Dollar auf .

Ein guter Teil der Streichungen solle dadurch erreicht werden, dass freigewordene Stellen nicht wieder besetzt würden, erklärte die Bank am Montag in einer Mitteilung. Bis zum Jahr 2014 will das Management jährliche Einsparungen von 5 Milliarden Dollar erreichen. Zuletzt arbeiteten rund 288.000 Menschen bei dem nach Vermögenswerten grösstem Kreditinstitut der USA, das jedoch gegenüber seinen Rivalen immer mehr ins Hintertreffen gerät. Vor allem die hochprofitable JPMorgan Chase droht vorbeizuziehen. Bankchef Moynihan hat deshalb einen Umbau angestossen, genannt «Project New BAC» nach dem Börsenkürzel.

Kahlschlag überrascht nicht
Der Kahlschlag, dem etwa jede zehnte Stelle zum Opfer fällt, kommt aber nicht überraschend. Bereits in der Vorwoche hatten sich die Berichte in US-Medien gehäuft, die sogar Stellenstreichungen in der Grössenordnung von 40.000 für möglich hielten. Allerdings könnten tatsächlich noch weitere Einschnitte folgen: Die Bank of America steckt im ersten Teil des Umbaus, in Teil zwei sollen weitere Bereiche unter die Lupe genommen werden. Im Oktober beginnt die Überprüfung, die dann bis zum März 2012 dauern soll. Erklärtes Ziel der Bemühungen ist es, schlanker und schlagkräftiger zu werden. Die Bank of America hatte sich in der Finanzkrise mit der Übernahme der Investmentbank Merrill Lynch und des Immobilienfinanzierers Countrywide verhoben und musste vom Staat mit 45 Milliarden Dollar gestützt werden. Seitdem ist die Bank of America nie wieder richtig auf die Beine gekommen.

Countrywide-Übernahme kapitaler Fehler

Vor allem die Übernahme von Countrywide hat sich im Nachhinein als fataler Fehler erwiesen. Der einst grösste Hausfinanzierer der USA hatte selbst jenen noch Geld geliehen, die eigentlich viel zu wenig Einkommen hatten, um sich die eigenen vier Wände leisten zu können. Als die US-Wirtschaft in die Krise geriet und Hunderttausende ihren Job verloren, waren diese Schuldner die ersten, die nicht mehr zahlen konnten. Erschwerend kam hinzu, dass Countrywide diese Kredite zu Hypothekenpapieren gebündelt und an Investoren weiterverkauft hatte – diese fühlen sich übers Ohr gehauen und klagen heute reihenweise.

Investmentbanking läuft schleppend
All diese Lasten muss nun die Bank of America schultern. Hinzu kommt, dass wegen der Schuldenkrise in Europa das eigentlich so ertragreiche Investmentbanking schleppend läuft, dass die US-Wirtschaft seit Krisenzeiten vor sich hindümpelt und dass die Banken höhere gesetzliche Auflagen schultern müssen. Die Bank hat sich bereits 5 Milliarden Dollar von der Finanzlegende Warren Buffett geliehen und Anteile an der China Construction Bank versilbert, um die Kasse aufzufüllen.  (awp/mc/upd/ps)

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