Banking APIs läuten die Revolution in der Finanzbranche ein

Banking APIs läuten die Revolution in der Finanzbranche ein
Adriano Lucatelli, Gründer & CEO Descartes Finance AG. (Foto: Descartes Finance AG)

Zürich – Banking APIs ermöglichen es neuen Playern, Finanzdienstleistungen anzubieten. APIs führen zu einer stillen Revolution in der Finanzwelt und ebnen den Weg für spannende neue Geschäftsmodelle.

Von Adriano Lucatelli, Descartes

Wie kommt es, dass der Detailhändler Migros neuerdings Autoversicherungen anbietet?

Das ist möglich dank APIs: Application Programming Interfaces sind Programmierschnittstellen. Sie vermitteln zwischen zwei digitalen Plattformen und ermöglichen die Kommunikation von verschiedenen Softwares. Im Beispiel von Migros und Autoversicherungen ermöglicht eine API die Kommunikation zwischen Migros und ToniDigital, einer Versicherungsgesellschaft. So kann Migros Versicherung anbieten, ohne selber die regulatorischen Hürden bewältigen zu müssen.  

Wie Banking APIs die Finanzindustrie grundlegend verändern

Gegenwärtig erleben wir also, wie der Finanzsektor mit API-Technologien radikal umgepflügt wird. Dank API können heute bankfremde Unternehmen in die Reihen der etablierten Banken und Finanzdienstleister eindringen, die bisher von regulatorischen Schutzwällen profitieren. Das ist revolutionär! 

Sowohl innovative Fintech-Unternehmen als auch Unternehmen ausserhalb des Finanzsektors, wie eben Detailhändler oder aber auch Fluggesellschaften, können die bisherigen Schutzwälle der Bankbranche mittels APIs überwinden. Als Resultat entstehen innovative Geschäftsmodelle, die den Kundennutzen erhöhen und das Kundenerlebnis erheblich verbessern.

Verschiedene Anwendungsmodelle von Banking APIs

Banking APIs bieten mehrere Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Die wichtigsten API-gesteuerten Modelle sind: 

  1. Banking-as-a-Service (BaaS)
  2. Plattform Banking
  3. Embedded Finance bzw. Contextual Banking 
  4. Open Banking

Sie werden fälschlicherweise oft als Synonyme verwendet. 

1. Banking-as-a-Service (BaaS)

Eine Bank kann sich dazu entscheiden, Banking-as-a-Service anzubieten. Damit öffnet sie quasi den Kanal für Unternehmen ausserhalb des regulierten Finanzumfeldes. BaaS ist die Basis für Embedded Finance.

Beispiel:

  • Die Hypothekarbank Lenzburg hat sich dazu entschieden, BaaS als Business-Modell zu nutzen: Sie hat die technischen Voraussetzungen geschaffen, dass Nicht-Banken ihre digitalen Produkte bei sich integrieren können.
  • In Spanien hat die BBVA 2020 eine eigene BaaS-Dienstleistung lanciert und arbeitet in der USA mit Google Pay im Bereich digitale Bankkonten zusammen.

2. Plattform Banking

Die umgekehrte Integration von BaaS nennt man Plattform Banking. Das ist, wenn Banken die digitalen Produkte von Fintechs via APIs bei sich einbinden und somit ihren Bankkunden zusätzliche Dienstleistungen anbieten. Die Bank ist und bleibt Eigentümerin der Kunden und integriert lediglich weitere Funktionen von Fintech-Unternehmen zur Nutzung.

Beispiel: Die deutsche DKB hat für die Vermögensverwaltung den Robo-Advisor Solidvest integriert.

3. Embedded Finance

Embedded Finance entsteht auf der Basis von BaaS: Wenn ein Finanzinstitut sich entscheidet, BaaS anzubieten, kann dessen digitales Angebot auch ausserhalb der regulierten  Bank-Umgebung genutzt werden. Wenn bankfremde Unternehmen also digitale Finanzdienstleistungen bei sich integrieren und ihren Kunden anbieten – ohne hierfür eine eigene Banklizenz erwerben zu müssen – spricht man von Embedded Finance. Oberstes Ziel einer solchen Kooperation ist es, den Kunden mehr Komfort zu bieten. Als Faustregel gilt: Je einfacher es für die Konsumenten wird, Geld auszugeben, desto mehr Geld wird ausgegeben.  

Beispiele:

  • In der IKEA kann man mit der IKEA Family Kreditkarte (Mastercard), die von der Cembra Money Bank herausgegeben wird, Produkte auch auf Raten einkaufen.
  • Die Konto-App Neon, die keine eigene Banklizenz hat, bietet seinen Kunden über die Hypothekarbank Lenzburg Zahlungsdienstleistungen (zum Beispiel Debitkarten) an.

4. Open Banking

Hier geht es um die Nutzung von Bankkundendaten. Im Open Banking verwenden bankfremde Unternehmen Daten von Bankkunden in ihren eigenen Produkten. Konkret ermöglicht Open Banking den Bankkunden, ihre Finanzdaten mit vertrauenswürdigen Anbietern via APIs auszutauschen. Dies kann erhebliche Mehrwerte für die Konsumenten schaffen. 

Beispiel: Revolut ermöglicht es den britischen Kunden, ihre Konten von anderen Banken mit Revolut zu verbinden, so dass sie alle Saldi und Transaktionen in einer einzigen App sehen.

Warum die Finanzwelt von einer Revolution spricht

Durch die Nutzung von Schnittstellen (APIs) zum Datenaustausch entstehen völlig neue Marktplätze. Das Monopol der etablierten Banken wird durchbrochen, neue Player kommen zum Zug und es gibt Raum für völlig neue, innovative Geschäftsmodelle, die den Konsumenten einen Mehrwert bringen. Es ist also nicht übertrieben, von einer Revolution zu sprechen. Den Kundinnen und Kunden soll es recht sein, denn sie profitieren von diesen Fortschritten. (Descartes/mc/hfu)


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