Barclays trotz Schuldenkrise mit Gewinnzuwachs

Robert Diamond

Barclays-CEO Robert Diamond.

London – Die britische Grossbank Barclays hat trotz der Finanzmarkt-Turbulenzen abermals einen Milliardengewinn eingefahren. Anders als viele europäische Konkurrenten verdienten die Briten im dritten Quartal mehr als vor einem Jahr. Geholfen haben dabei früh eingeleitete Sparmassnahmen des seit Anfang des Jahres amtierenden Vorstandschefs Robert Diamond.

Der um Sondereffekte wie die Bewertung der eigenen Schulden bereinigte Vorsteuergewinn legte um 5 Prozent auf 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro) zu, wie das Institut mitteilte. Das war etwas besser als von Analysten erwartet. Bis auf das Investmentbanking hätten alle Sparten zugelegt, sagte Diamond.

Inklusive der stets oft schwankenden Bewertung der eigenen Schulden, die diesmal einen positiven Beitrag leistete, lag der Vorsteuergewinn sogar bei 2,4 Milliarden Pfund, vor einem Jahr waren es 327 Millionen. Nach neun Monaten lag der Nettogewinn der Bank bei 2,65 Milliarden Pfund, sieben Prozent mehr als vor einem Jahr. Dazu trugen vor allem deutlich niedrigere Kosten für faule Kredite bei, die in diesem Jahr bislang um mehr als ein Drittel unter denen von 2010 liegen. Am Aktienmarkt kamen die Nachrichten gut an. Für die Aktie ging es in einem schwachen Marktumfeld nach oben.

Gewinn im Investmentbanking halbiert
Den von der Schuldenkrise in der Euro-Zone ausgelösten Verwerfungen an den Finanzmärkten konnten sich auch die Briten nicht ganz entziehen. Im Investmentbanking halbierte sich der bereinigte Vorsteuergewinn auf 388 Millionen Pfund. Auch die US-Konkurrenz sowie die Deutsche Bank mussten in dieser Sparte deutlich Federn lassen, weil sich die Anleger angesichts der Unsicherheit zurückhielten. Allerdings äusserte das Barclays-Management nun die Hoffnung, dass es nach den Ankündigungen des Euro-Gipfels der vergangenen Woche wieder aufwärts geht. Erste Verbesserungen hätte es an den Kapitalmärkten bereits gegeben, hiess es im Zwischenbericht der Bank.

Ihr Engagement in den Krisenstaaten der Euro-Zone baute Barclays im vergangenen Quartal nach eigenen Angaben um 31 Prozent auf 8 Milliarden Pfund ab. Damit liegt es aber weiter deutlich über dem anderer Banken – die Deutsche Bank etwa bezifferte es auf 3,7 Milliarden Euro. In Spanien hat Barclays noch 2,7 Milliarden Pfund im Feuer, in Italien 4,1 Milliarden und Portugal gut 800 Millionen Pfund. In Griechenland sind es nur 23 Millionen. Irische Staatsanleihen stehen mit rund 350 Millionen in den Büchern, hinzu kommen 4,4 Milliarden bei den irischen Banken und Versicherern.

Sparprogramm läuft besser
Besser als erwartet läuft aus Sicht des Managements das Sparprogramm. Der seit Jahresbeginn amtierende Vorstandschef Diamond kündigte an, dass die Bank wahrscheinlich die jährlichen Kosten um mehr als die geplante Milliarde drücken kann. Barclays hatte Anfang August angekündigt, in diesem Jahr 3.000 Stellen zu streichen. Zum Umbau gehört der Verkauf oder die Schliessung von nicht mehr passenden Sparten wie dem Finanzplanungsgeschäft für Privatkunden in Grossbritannien. Die Aktivitäten in Afrika sollen künftig nur noch von einem Standort aus geleitet werden.

Ausbau des Investmentbankings
Barclays geht seit der Finanzkrise einen anderen Weg als viele Konkurrenten. Während Deutsche Bank und BNP Paribas das Privatkundengeschäft ausbauen, um die Abhängigkeit vom schwankungsanfälligen Investmentbanking zu senken, baut Barclays dies aus. So hatte die Bank, die dank des milliardenschweren Verkaufs ihres Vermögensverwaltungsgeschäfts in der Krise ohne direkte staatliche Hilfen ausgekommen war, das US-Geschäft der Pleitebank Lehman Brothers gekauft. Erklärtes Ziel ist es, unter die Top drei in allen wichtigen Investmentbereichen zu kommen. (awp/mc/pg)

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