BCV: „Ein Wachstumspotenzial sehen wir bei den Bankaktien“

BCV: „Ein Wachstumspotenzial sehen wir bei den Bankaktien“
BCV Portfoliomanager Sylvain Bornand und Eric Chassot (v.l.n.r.)

Der BCV Swiss Small & Mid Caps Equity wurde im Juni 2017 lanciert und verfügt aktuell über ein Fondsvermögen von rund CHF 130 Millionen. Welche Entwicklung kann man vom Fonds und im Allgemeinen von den Schweizer Aktien im derzeit volatileren Marktumfeld erwarten? Nachstehend finden Sie eine Einschätzung der Portfoliomanager Eric Chassot und Sylvain Bornand.

Von Markus Baumgartner, b-public

Warum hinken die Schweizer Indizes auch jetzt wieder ihren US- und europäischen Pendants hinterher?

Die Schweizer Aktien weisen im Vergleich zu den zyklischeren, sprich konjunktursensibleren europäischen Indizes insgesamt eher defensive Eigenschaften auf. Die Konjunktur befindet sich in einem soliden Aufschwung, der in Europa besonders dynamisch ist: 2017 legte das BIP fast 2,5% zu, die Arbeitsmarktlage hellt sich weiter auf und die EZB führt ihre lockere Geldpolitik fort. Auch die US-Wirtschaft wächst pro Jahr mehr als 2%, sie durchläuft allerdings bereits eine spätere Phase des Konjunkturzyklus. Vor diesem Hintergrund setzen die Anleger weiter auf zyklische Titel. In der Schweiz kam – und kommt immer noch – das Wechselkursproblem hinzu. Wir stellen jedoch fest, dass dennoch ein Interesse für Schweizer Aktien, vor allem für die Small und Mid Caps, besteht.

Besitzen die Small und Mid Caps immer noch ein grösseres Potenzial als die Blue Chips?

Viele der kotierten kleinen und mittelgrossen Schweizer Unternehmen sind in zyklischeren Sektoren beheimatet und auf den Export, vor allem in die EU, ausgerichtet. In den Geschäftsergebnissen dieser Unternehmen spiegeln sich daher die konjunkturelle Wiederbelebung ihrer wichtigsten Handelspartnerin und ganz allgemein die gute Verfassung der Weltwirtschaft wider. Positiv wirkte sich auch die ab der zweiten Jahreshälfte 2017 zu beobachtende Abwertung des Frankens gegenüber dem Euro aus. Die im SMI enthaltenen Unternehmen weisen dagegen eine viel grössere Abhängigkeit gegenüber dem Dollarraum, insbesondere gegenüber Asien und den USA, auf. Auch deshalb – und nicht nur wegen ihres insgesamt eher defensiven Charakters – bergen Sie ein geringeres Wachstumspotenzial. Die Small und Mid Caps versprechen folglich eine interessantere Entwicklung als die Large Caps.

Gilt dies auch noch für 2018?

Selbst wenn die Dynamik einiger Wachstumstreiber gegenüber 2017 etwas nachlässt, dürfte der Aufwärtstrend in Europa noch bis mindestens 2019 anhalten. Weltweit dürfte das BIP 2018 mindestens so stark zulegen wie im vergangenen Jahr. Für die Anleger ist das Marktumfeld jedoch nicht mehr ganz so optimal wie 2017: Zu Jahresbeginn machte den Märkten die Angst vor einer höheren Inflation und einer aus diesem Grund schnelleren geldpolitischen Straffung zu schaffen. Die Volatilität ist dementsprechend spürbar gestiegen. Da eine zyklische Ausrichtung aber nach wie vor angezeigt ist, gehen wir davon aus, dass die Schweizer Small und Mid Caps noch Luft nach oben haben.

Auf welche Sektoren setzen Sie?

Unter den rund 200 Valoren des SPI Extra, der den Schweizer Gesamtmarkt ohne die 20 Blue Chips des SMI abbildet, ziehen wir diejenigen Sektoren vor, denen steigende Zinsen zugutekommen, also vor allem Titel von Banken und Versicherern. Im Industriesektor sind wir dagegen untergewichtet, da die Konjunkturindikatoren ihren Zenit bereits überschritten haben. Abgesehen von diesen beiden Prinzipien entscheiden wir jeweils von Fall zu Fall. Dass der Konsum in der Schweiz wieder anzieht, könnte zum Beispiel den Valoren der auf den heimischen Markt ausgerichteten Unternehmen Auftrieb verleihen.

Haben Sie seit der Korrektur vom Jahresbeginn Veränderungen an der Asset Allocation vorgenommen?

Ja, wir haben uns für eine etwas weniger zyklische Ausrichtung entschieden. Bei den Industrieaktien lassen wir weiterhin Vorsicht walten, insbesondere wenn sich der Aufwärtstrend der Rohstoffpreise bestätigt oder protektionistische Massnahmen getroffen werden, die den Welthandel bremsen. Die Unternehmen haben praktisch keinen Spielraum mehr, um steigende Kosten an ihre Endkunden weiterzugeben. Eine signifikante Ausweitung der Margen ist demnach viel weniger wahrscheinlich als noch vor sechs Monaten. Ein Wachstumspotenzial sehen wir hingegen bei den Bankaktien, vor allem wenn es Anfang 2019 zum erwarteten geldpolitischen Kurswechsel kommt.

Würde eine grössere Nachfrage nach defensiven Valoren den Schweizer Aktien zugutekommen?

Durchaus, vor allem den Blue Chips, denen zurzeit jedoch noch die Dollarschwäche zusetzt.

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