Vier Schweizer Banker in den USA belangt

Vier Schweizer Banker in den USA belangt
Credit Suisse

Zürich – Vier Schweizer Banker sind in den USA wegen möglicher Beihilfe zur Steuerflucht ins Visier der Justiz geraten. Eine Grand Jury im Bundesstaat Virginia habe Marco Parenti Adami, Emanuel Agustino, Michele Bergantino und Roger Schaerer angeklagt, teilte das US-Justizministerium am Mittwoch mit.

Ihnen werde vorgeworfen, gemeinsam mit anderen Schweizer Bankern amerikanischen Kunden dabei geholfen zu haben, US-Steuern zu unterschlagen, hiess es in der Mitteilung weiter. Die vier Betroffenen arbeiteten den Angaben zufolge bei einer internationalen Bank mit Hauptsitz in Zürich und Niederlassungen weltweit, darunter New York und Miami. Es gibt Hinweise, dass es sich um (ehemalige) Mitarbeitende der Credit Suisse handeln könnte. So wird Marco Parenti Adami im Internet auf einem Karriere-Portal noch als Head Department bei der Grossbank in der Region Genf bezeichnet. Gemäss DOJ war er bei einem nicht-genannten Finanzinstitut in Genf Teil des Senior Management. Dort sei er für „High Net Worth Individuals“ in Nord-Amerika zuständig gewesen.

Grossbank selber nicht in Ermittlungen involviert
Roger Schaerer soll in der New Yorker Niederlassung der Bank gearbeitet haben. Emanuel Agustino und Michele Bergantino wiederum sollen in die USA gereist sein, um den US-Kunden mittels geheimer Konten in der Schweiz bei der Steuerflucht geholfen zu haben. Agustino habe die Bank dann verlassen und anschliessend bei zwei hiesigen Privatbanken das gleiche System angewandt, so das Department of Justice (DOJ). Die Credit Suisse arbeitet nach eigenen Angaben mit der US-Justiz zusammen. „Wir kooperieren mit den Behörden bei ihrer Untersuchung gegen diese Personen“, sagte Unternehmenssprecher David Walker am Mittwochabend gegenüber AWP. Die Grossbank selbst sei aber nicht Gegenstand der Ermittlungen, betonte er. Die Privatbanken Maerki Baumann und Bank Frey sowie die israelische Bank Leumi könnten ebenfalls betroffen sein. Eine mit dem Vorgang vertraute Person habe diese Institute anhand der Anklageschrift identifiziert, schreibt etwa die „New York Times“ (NYT). Die drei Banken seien vorerst nicht für ein Statement erreichbar gewesen, heisst es weiter.

Weitere Schweizer Banken im Visier der US-Justiz

Gemäss Anklageschrift handelt es sich bei den weiteren involvierten Finanzinstituten um eine Privatbank im Familienbesitz mit Sitz in Zürich und Niederlassungen in Lugano und Locarno sowie um eine im Jahr 2000 gegründete Privatbank mit Hauptsitz in Zürich. Schliesslich wird noch die Tochter einer israelischen Bank mit Büros in Genf und Zürich genannt. Diese Angaben weisen ebenfalls auf die von der NYT genannten 3 Institute hin. Gemäss der Mitteilung des US-Justizministeriums sollen die Beschuldigten illegale grenzüberschreitende Bankgeschäfte getätigt und für ihre US-Kunden geheime Konten beim eigenen Institut und weiteren Banken eröffnet und betreut haben. Per Herbst 2008 hätten die verwalteten Vermögen auf diesen Konten rund 3 Mrd USD betragen.

„Verschwörung“ über ein halbes Jahrhundert alt
Die „Verschwörung“ gehe bis ins Jahr 1953 zurück und umfasse zwei Generationen von US-Bürgern, die ihrer Steuerpflicht nicht nachgekommen seien. Einige von ihnen hätten die geheimen Konten geerbt, so das DOJ. Nachdem die Bank geheime Konten von US-Bürgern schliessen wollte, hätten die Beschuldigten ihren Kunden vorgeschlagen, die Gelder zu anderen Banken in der Schweiz und nach Hongkong zu transferieren. Bei einer Verurteilung drohen den Bankern nach Angaben der US-Justiz jeweils bis zu fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe von bis zu 250’000 USD. Neben den nun Angeklagten Schweizer Bankern wurde Presseberichten vom Wochenende zufolge vor kurzem ausserdem ein Credit-Suisse-Banker in New York verhaftet. Es soll sich dabei um Christos Bagios handeln. Er sei nach Fort Lauderdale in Florida gebracht worden, die Anklage sei aber noch nicht formell eröffnet, war dazu zu vernehmen. (awp/mc/upd/ps)

US-Justizminierium

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