Blockchain-Technologie im Wertpapiermarkt

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(Bild: lassedesignen - Fotolia.com)

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London – Blockchain bietet zwar das Potenzial für eine grundlegende Erneuerung der Branche, die volle Nutzung ihrer Vorteile verlangt jedoch Unterstützung auf höchster Führungsebene, ebenso wie eine umfassende Bereitstellung von Zeit und Ressourcen. Zudem ist eine aktive regulatorische Unterstützung zur Neugestaltung der Geschäftsabwicklung notwendig, die kaum einen kurzfristigen Erfolg erwarten lässt. Zu diesem Ergebnis einer aktuellen Studie des SWIFT Institute.

Das Papier mit dem Titel „ The Impact and Potential of Blockchain on the Securities Transaction Lifecycle” (Die Auswirkungen und Möglichkeiten der Blockchain in der Laufzeit der Wertpapier-Abwicklung) untersucht die praktische Anwendung der Blockchain-Technologie (beziehungsweise der wechselseitigen Distributed-Ledger-Technologie) in den Wertpapiermärkten und stützt sich auf Interviews und Gruppendiskussionen mit Experten aus 75 Organisationen, die in der Blockchain-Technologie sowie in der Post-Trade-Abwicklung tätig sind. Sie wurde von Alistair Milne, School of Business and Economics der Loughborough University, und von Michael Mainelli, Z/Yen Group, erstellt.

Kosten- und Risikominderung
Wechselseitige Distributed Ledgers ermöglichen den Austausch vereinbarter und validierter Daten mit einer kryptographischen Kontrolle der Zugriffs- und Änderungsrechte. Mit deren Anwendung könnten die globalen Post-Trade-Kosten bei der Abwicklung des Wertpapierhandels in Höhe von 40 Milliarden US-Dollar im Jahr erheblich reduziert und wesentliche Kosten- sowie Risikominderungen auch bei anderen Finanzdienstleistungs-Aktivitäten erreicht werden. Allerdings besteht die Gefahr, dass unrealistische Erwartungen entstehen über das Ausmass, in dem allein die Technologie den eigentlichen Bedarf an einer koordinierten Veränderung der Geschäftsabläufe sowohl innerhalb eines Unternehmens als auch zwischen Unternehmen erfüllen kann. Das wichtigste Ergebnis der Untersuchung ist daher, dass die umfassende Anwendung der Blockchain eine tiefgreifende Neuorganisation der Geschäftsabläufe in vielen Unternehmen des Wertpapiermarktes verlangt.

„Unter Finanzdienstleistern und in den Medien kursieren derzeit hohe Erwartungshaltungen hinsichtlich der Potenziale von Distributed Ledgers; das reicht von der Behauptung, sie könnten Kosten und Risiken drastisch vermindern, bis hin zu der Erwartung, diese Technologie werde die operativen Tätigkeiten im Finanzmarkt vollständig verändern», erläutert Co-Autor Mainelli. «Das umfassende Verständnis für die Technologie liegt bislang jedoch noch weit hinter dem Hype zurück, der unter manchen Fachleuten, Entscheidungsträgern und Branchenbeobachtern festzustellen ist. Die Blockchain-Technologie scheint der Branche grosse Chancen zu bieten, aber kaum einer kann genau sagen, wieso und warum.”

Alternativen zu Blockchain 
Im Rahmen der Studie haben die Wissenschaftler drei Fragen untersucht:

  • Welches sind die angemessenen Zugriffs-Ebenen, die für einen wechselseitigen Distributed Ledger beim Einsatz im globalen Wertpapiermarkt erforderlich sind?
  • Soll der Wandel allmählich vollzogen werden oder gleich branchenweit erfolgen?
  • Inwiefern erfordert der zu erwartende Nutzen dieser Technologie tiefgreifende Veränderungen der bestehenden Geschäftsabläufe?

In der Praxis können einige der Vorteile von wechselseitigen Distributed Ledgers auch über vergleichsweise einfachere Ansätze erreicht werden – beispielsweise über die Senkung der hohen Kontenabstimmungs-Kosten auf beiden Seiten einer Transaktion durch Erfassen der Daten zum Zeitpunkt der Handelsabwicklung in einem gemeinsamen bilateralen Register (Ledger). Für das Erreichen weiterer Ziele im Zusammenhang mit der Blockchain – die Verkürzung des Settlement-Ablaufs auf nahezu Echtzeit oder der Einsatz sogenannter Smart Contracts zur Abschaffung der manuellen Verarbeitung – wird die Distributed Ledger-Technologie gar nicht gebraucht.

„Die Herausforderung für den Einsatz von wechselseitigen Distributed Ledgers in den Wertpapiermärkten besteht nicht allein im Nachweis der technologischen Machbarkeit, sondern in der Durchsetzung der erforderlichen branchenweiten Koordination bei der Neugestaltung der Geschäftsabwicklung über alle Wertpapierunternehmen hinweg», ergänzt Co-Autor Milne. «Der Übergang zu einem Blockchain-Modell bietet der Branche die Chance zur Harmonisierung ihrer Geschäftsabläufe und könnte zudem die lange vernachlässigten Ineffizienzen in der Post-Trade-Abwicklung beseitigen helfen. Allerdings erfordert die Realisierung aller Vorteile der Blockchain das volle Engagement der Buy-Side, der Sell-Side und der Regulatoren.” (Banken+Partner/mc/hfu)

Banken+Partner

The impact and potential of blockchain on the securities transaction lifecycle (Swift Institute Working Paper)

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