Bâloise reorganisiert Deutschland-Geschäft – Kosten sollen gesenkt werden

Martin Strobel

Bâloise-CEO Martin Strobel. (Bild: Bâloise)

Basel – Die Bâloise-Versicherung schickt ihren Auslandchef als Geschäftsführer nach Deutschland. Jan De Meulder übernimmt den dortigen Chefsessel Anfang Januar von Frank Grund. De Meulder soll das Deutschlandgeschäft optimieren und ankurbeln. Die beiden Deutscher-Ring-Gesellschaften DR Leben und DR Sach seien erfolgreich zusammengeführt und in die Basler Versicherungen integriert worden, teilte Bâloise am Donnerstagabend mit. Nun müsse das Deutschlandgeschäft optimiert werden, damit es weiter wachse.

Ab dem 21. Dezember läuft das gesamte Deutschlandgeschäft unter dem Namen Basler Versicherungen. Dies sei nicht zuletzt dem abtretenden Frank Grund zu verdanken, schrieb die Bâloise. Grund orientiere sich nach neun Jahren im Konzern neu.

Der neue Chef De Meulder soll nun das Wachstum stärker auf die ertragreichen Segmente ausrichten und die Effizienz steigern. De Meulder gibt seinen Posten als Auslandchef und Mitglied der Bâloise-Geschäftsleitung an Martin Strobel ab. Strobel übernimmt von De Meulder auch das Verwaltungsratspräsidium der Basler Versicherungen in Deutschland.

So wolle man das margenstarke Geschäft mit Transport-, fondsgebundenen und technischen Versicherungen ausbauen, sagte Bâloise-Pressesprecher Müller auf Anfrage von AWP. Aber auch die Effizienz der betrieblichen Abläufe soll gesteigert werden. «Personalkosten sind dabei sicherlich ein Thema», so Müller. Dazu könne er aber derzeit noch nichts genaueres sagen. Im März seien diesbezüglich detailliertere Angaben zu erwarten.

Lange Geschichte
Die Deutscher-Ring-Gesellschaften hatten der Bâloise in ihrem grössten Auslandsmarkt einiges Ungemach bereitet. Die konfliktreiche Zwangsgemeinschaft der beiden Töchter Sach und Leben mit der Versicherungsgenossenschaft Signal Iduna konnte erst im vergangenen Juni beendet werden und kostete die Basler einige Millionen Euro.

Die Verbindung der drei deutschen Traditionsunternehmen hatte die Bâloise dazu gezwungen. Die Basler hatten Deutsche Ring Leben und Sach in den 1980er-Jahren erworben. Im Zuge von Streitigkeiten zwischen den Deutscher-Ring-Gesellschaften schloss sich die Deutscher Ring Kranken, die ihren Versicherten gehört, Signal Iduna an.

Signal Iduna besteht aus rechtlich selbständigen Einheiten in einem Verbund. Vor allem beim Verkauf der Versicherungsprodukte standen sich die Bâloise und Deutscher Ring Kranken auf die Füsse. Der Vertrieb wurde schon 2010 getrennt, als sich die Bâloise und Signal Iduna auf die Entflechtung geeinigt hatten.

Beträchtliches Sparpotenzial
Vontobel-Analyst Stefan Schürmann begrüsst den Schritt, die kürzlich fusionierte Deutschlandsparte zu verschlanken und die Kosten zu senken. Die Bâloise scheine nun endlich bereit, als nächsten Schritt einen klaren strategischen Fokus vorzugeben und die Effizienz zu steigern. Im Deutschlandgeschäft stünden die Lebensversicherungsmargen unter Druck und die Schaden/Kosten-Quote in der Sachversicherung sei im ersten Halbjahr 2012 mit 100,7% «zu hoch» gewesen.

Die Sparte trage 19% zum gesamten Geschäftsvolumen des Konzerns bei, verursache aber 24% der Betriebskosten und beschäftige ein Drittel des Personals, heisst es von anderer Seite. Die Bâloise habe zwar keine Sparziele bekanntgegeben – sie dürften aber «beträchtlich» sein, heisst es mit Blick auf diese Zahlen.

Die Aktien des Erstversicherers reagieren nur wenig auf die Ankündigung. Bis gegen 10.35 Uhr verliert der Titel um 0,2% auf 79,95 CHF. Der Gesamtmarkt, gemessen am SPI, sinkt derweil um 0,16%. (awp/mc/upd/ps)

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