Britische Notenbank bestätigt Politik und denkt über Negativzinsen nach

Britische Notenbank bestätigt Politik und denkt über Negativzinsen nach
Grossbritanniens Notenbankgouverneur Andrew Bailey. (Foto: Bank of England)

London – Die britische Notenbank sieht sich in ihrer Krisenpolitik bestätigt und hat gleichzeitig weitere Lockerungen in Aussicht gestellt. Das Gesamtvolumen der Wertpapierkäufe bleibe unverändert bei 745 Milliarden Pfund, wie die Bank of England (BoE) am Donnerstag nach ihrer Zinssitzung mitteilte. Der Leitzins verharrt auf dem Rekordtief von 0,10 Prozent. Volkswirte hatten mit den Entscheidungen gerechnet. Die Notenbank machte aber deutlich, dass sie angesichts der Corona-Krise auch über negative Zinsen nachdenkt.

Zuletzt hatte die Bank of England angesichts der Corona-Krise im Juni nachgelegt und das Volumen des Anleihekaufprogramms um 100 Milliarden Pfund auf das aktuelle Niveau erhöht. Der Leitzins war bereits im März in schnellen Schritten auf das aktuelle Rekordtief gesenkt worden. Die Entscheidung am Donnerstag seien einstimmig getroffen worden.

Negativzinsen werden zum Thema
Der Konjunkturausblick sei unsicher, schreibt die BoE. Die jüngsten Konjunkturdaten seien zwar ein wenig stärker als erwartet ausgefallen. Die Phase einer hohen Arbeitslosigkeit könne aber länger andauern als bisher erwartet. Man werde daher die wirtschaftliche Entwicklung genau beobachten und sei bereit, alle Instrumente anzupassen.

So denkt die Notenbank offenbar verstärkt über die Einführung negativer Zinsen nach. Der geldpolitische Ausschuss sei darüber informiert worden, wie negative Zinsen wirkungsvoll umgesetzt werden könnten, falls die wirtschaftliche Entwicklung es erfordere. Man werde jetzt mit der Aufsichtsbehörde über das Thema sprechen.

Infektionszahlen steigen wieder an
Grossbritannien leidet derzeit unter einem Anstieg der Infektionen mit dem Coronavirus. Kurzfristig befürchten Beobachter zudem wirtschaftliche Probleme, falls das Kurzarbeitprogramm wie geplant Ende nächsten Monats ausläuft. Die Arbeitslosigkeit könnte steigen.

Brexit ohne Deal?
Zudem haben sich die Fronten bei den Verhandlungen zwischen der EU und der britischen Regierung in Bezug auf die künftigen Beziehungen verhärtet. Es droht ein Ausscheiden Grossbritanniens aus dem europäischen Binnenmarkt ohne ein Abkommen. Der geldpolitische Ausschuss der BoE bezeichnete dies als eine Hauptgefahr. Es wäre auch ein Risiko für die Finanzmärkte.

Die Finanzmärkte reagierten merklich auf die Entscheidungen. Das britische Pfund fiel zu Euro und US-Dollar auf ein Tagestief. Die Kurse britischer Staatsanleihen legten zu. Der britische Aktienmarkt machte einen kleinen Teil seiner vorherigen Verluste wett. (awp/mc/pg)

Bank of England

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