Britische Notenbank bestätigt Kurs – Wirtschaftseinbruch erwartet

Andrew Bailey
Grossbritanniens Notenbankgouverneur Andrew Bailey,

London – Die britische Zentralbank hat ihren Leitzins unverändert gelassen und gleichzeitig eine sehr düstere Konjunkturprognose abgegeben. Der Leitzins verharre bei 0,10 Prozent, teilte die Bank of England (BoE) am Donnerstag in London mit. Die Entscheidung war von Volkswirten erwartet worden. Sie fiel einstimmig. Zuletzt hatte die BoE ihren Leitzins wegen der Corona-Krise am 19. März gesenkt.

Die Notenbank stellte jedoch weitere Unterstützung in Aussicht. „Die Bank wird nach Bedarf handeln, um die Geld- und Finanzmaktstabilität, die für langfristigen Wohlstand unerlässlich ist, zu sichern“, sagte Gouverneur Andrew Bailey. „Dies ist unser uneingeschränktes und unerschütterliches Engagement.“

Ausserdem teilte die Notenbank mit, dass das Anleihekaufprogramm wie zuletzt beschlossen fortgesetzt werde. Das Programm hat einen Zielrahmen von 645 Milliarden britischen Pfund. Sieben Mitglieder stimmten im geldpolitischen Ausschuss dafür. Zwei Mitglieder forderten eine Ausweitung des Programms um weitere 100 Milliarden Pfund.

Sehr düstere Konjunkturprognose
Die Notenbank gab gleichzeitig eine sehr düstere Konjunkturprognose ab. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) könnte um 14 Prozent im laufenden Jahr schrumpfen. Bisher wurden noch für kein anderes Land in Europa eine so pessimistische Prognose abgegeben. Das BIP wird laut der Prognose der BoE im Juni um 30 Prozent niedriger liegen als noch zu Jahresbeginn. Die Arbeitslosenquote werde sich mehr als verdoppeln und auf neun Prozent ansteigen.

Zudem würden die Abwärtsrisiken für diese Prognose überwiegen. Es kann also noch schlimmer kommen. Im kommenden Jahr erwartet die Notenbank dann wieder eine rasche Erholung. Die Wirtschaft dürfte um 15 Prozent wachsen.

Grossbritannien wurde durch die Corona-Krise besonders hart getroffen. Inzwischen hat das Vereinigte Königreich mehr Todesfälle unter Covid-19-Patienten registriert als irgendein anderes Land in Europa. Die britische Regierung hatte zunächst nur sehr zögerlich auf die Pandemie reagiert.

Das britische Pfund legte nach der Entscheidung der Notenbank zu Dollar und Euro zunächst zu. Ein Teil der Kursgewinne wurde jedoch rasch wieder abgegeben. (awp/mc/ps)

Bank of England

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