Credit Suisse löst umstrittene Greensill-Fonds auf

Credit Suisse
(Photo by Jan Huber on Unsplash)

Zürich – Die Credit Suisse (CS) löst ein umstrittenes Fondsprodukt auf. Investoren in die vier «Supply-Chain-Finance-Fonds», für welche die CS mit der angeschlagenen australischen Finanzgesellschaft Greensill zusammengearbeitet hat, erhalten nun per Anfang kommender Woche erste Rückzahlungen.

Die Grossbank hatte bereits zu Wochenbeginn den Handel mit den in Schieflage geratenen Lieferketten-Fonds ausgesetzt. Das Volumen der nun aufzulösenden Fonds dürfte laut Insidern insgesamt rund 10 Milliarden Dollar betragen, betroffen sollen demnach «unter 1000» qualifizierte Investoren mehrheitlich ausserhalb der Schweiz sein.

Versicherer springen ab
Die CS begründet die Auflösung in einer Mitteilung vom Freitag mit «Bewertungsunsicherheiten» in Bezug auf bestimmte Vermögenswerte. Die Bank war aber auch zunehmend in Schwierigkeiten geraten, neue Investitionen in die Fonds zu versichern – offenbar sprangen Versicherungsgesellschaften ab. Dazu kämen «erhebliche Herausforderungen bei der Beschaffung geeigneter Vermögenswerte», hiess es.

Denselben Schritt wie die CS hatte diese Woche bereits der Asset Manager GAM getan. Der Zürcher Vermögensverwalter gab am Dienstag bekannt, seinen «GAM Greensill Supply Chain Finance Fonds» mit einem Gesamtvermögen von 842 Millionen US-Dollar aufzulösen.

Erste Auszahlung am Montag
Betroffen von der Auflösung sind bei der CS vier Fonds. Eine erste Auszahlung in Höhe von rund 80 Prozent der verfügbaren liquiden Mittel ist nun für den kommenden Montag für die drei in Luxemburg domizilierten Fonds und später in der gleichen Woche für den in Liechtenstein domizilierten Fonds vorgesehen.

Per Mittwoch betrugen die liquiden Mittel des grössten der vier Fonds – der CS (Lux) Supply Chain Finance Fund – knapp 39 Prozent der gesamten Anlagesumme. Die drei kleineren Fonds, in denen etwa zwei Drittel der gesamten Vermögen investiert sind, wiesen zu dem Zeitpunkt liquide Mittel von rund 18 Prozent, 55 Prozent und 70 Prozent der Anlagesumme aus.

Vorfinanzierung von Lieferantenrechnungen
Bei den Lieferketten-Fonds geht es darum, Forderungen von Lieferanten an Unternehmen vorzufinanzieren. Laut Kritikern können Unternehmen durch diese Methode aber ihre wahre Finanzlage verschleiern. Die vom Australier Lex Greensill gegründete Greensill Capital hat laut Medienberichten im vergangenen Jahr solche Finanzierungen im Wert von 143 Milliarden Dollar vermittelt.

Greensill Capital war allerdings bereits in den vergangenen Jahren verschiedentlich in die Schlagzeilen geraten. So waren die Greensill Fonds bereits 2018 im Zusammenhang mit der Suspendierung eines Investment Managers von GAM genannt worden, welche den Asset Manager in der Folge in eine tiefe Krise gestürzt hatte.

Fragen warfen auch Investitionen der japanischen Softbank oder enge Verbindungen zum britisch-indischen Stahlmagnaten Sanjeev Gupta auf. Das «Wall Street Journal» berichtete zudem, dass die CS bereits 2019 über Risiken der Greensill Fonds Bescheid wusste: So habe sie schon damals eine breitere Versicherungsdeckung für die Investitionen des Fonds verlangt.

Privatdarlehen
Gemäss Medienberichten hat die Credit Suisse Lex Greensill ein persönliches Darlehen von bis zu 160 Millionen Dollar gewährt. Wie gut dieses mit Sicherheiten gedeckt ist, ist nicht bekannt. Die CS wollte zu den Berichten zum Darlehen an Greensill mit Hinweis auf das Bankkundengeheimnis keine Stellung beziehen.

In den vergangenen Tagen war die CS-Aktie wegen der Berichterstattung rund um die Greensill-Fonds etwas unter Druck geraten. Am Freitag notierten die Aktien der zweitgrössten Schweizer Bank bis am Mittag allerdings kaum verändert. (awp/mc/pg)

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