Chef der Vatikanbank muss nach Misstrauensvotum gehen

Vatikan

Rom – Der Präsident der Vatikanbank IOR, Ettore Gotti Tedeschi, hat nach einem Misstrauensvotum des Aufsichtsrats seinen Hut genommen. Der Bankmanager, der mehr Transparenz in die Geschäfte der Vatikanbank bringen sollte, habe trotz wiederholter Mahnungen «bestimmte Aufgaben von vordringlicher Wichtigkeit nicht ausgeführt», teilte der Vatikan nach der Aufsichtsratssitzung mit. Der Vorstand habe ihm nahegelegt, seine Ämter niederzulegen. In italienischen Medien wurde auch über einen möglichen Zusammenhang mit dem «Vatileaks»-Skandal spekuliert.

«Aus Liebe zum Papst» wolle er sich nicht gegen den Vorwürfe verteidigen, sagte Tedeschi nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa. «Besser ich schweige, ich würde sonst böse Worte sagen.» Die Kardinäle wollten noch am Freitag über die weiteren Schritte beraten. Der derzeitige IOR-Vizepräsident, der deutsche Banker Ronaldo Hermann Schmitz, sollte laut Ansa zum Interimspräsidenten bestimmt werden.

Tedeschi in «Vatileaks» verwickelt?
Die Vatikanbank stand in der Vergangenheit bereits wegen intransparenten Finanzgebarens in der Kritik, unter anderem im Zusammenhang mit Geldwäsche. Der Vatikan hatte aber jede Verwicklung der Bankleitung in dunkle Machenschaften stets bestritten.

Spekuliert wird nun auch, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Misstrauensvotum und der für den Vatikan unangenehmen Veröffentlichungen vertraulicher Dokumente vor einigen Monaten geben könnte. Bei der Entscheidung habe auch die Annahme mitgespielt, Tedeschi könnte eine Rolle bei diesem «Vatileaks»-Skandal gehabt haben, berichtete Ansa unter Berufung auf hochrangige Quellen im Vatikan. Dabei geht es um die Weitergabe vertrauliche Dokumente aus dem Vatikan an die Medien. So wurden unter anderem interne Informationen über das Finanzgebaren der Vatikanbank bekannt.

Umfangreiche Beziehungen zur Finanzwelt wiederherstellen
In der offiziellen Mitteilung des Vatikan heisst es lediglich, die Ratsmitglieder seien betrübt über die Ereignisse, die zu dem Misstrauensvotum geführt hätten. Sie betrachteten den Schritt aber als wichtig, um die Bank lebensfähig zu halten. Der Rat blicke nun nach vorne. Es gehe nun um die Suche nach einem neuen Präsidenten. Dieser solle effiziente und umfangreiche Beziehungen mit der Finanzwelt wiederherstellen, die auf gegenseitigem Respekt der anerkannten Bankstandards basierten.

Der Bankmanager Tedeschi, der unter anderem bei der spanischen Santander-Bank für das Italien-Geschäft zuständig gewesen war, hatte 2009 Angelo Caloia als Präsident der Vatikanbank abgelöst.

Ermittlungen wegen Verstoss gegen Anti-Geldwäsche-Standards eingestellt
Vor zwei Jahren warfen die römischen Ermittler ihm und dem Generaldirektor des Istituto per le Opere di Religione (IOR), Paolo Cipriani, vor, gegen die im Land gültigen Anti-Geldwäsche-Standards verstossen zu haben. Die Ermittlungen wurden aber eingestellt. Papst Benedikt XVI. erliess ein Massnahmenpaket gegen Geldwäsche. Mit einem päpstlichen Schreiben (Motu Proprio) richtete das katholische Kirchenoberhaupt eine entsprechende neue Aufsichtsbehörde für das vatikanische Bankenwesen ein. (awp/mc/pg)

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