IWF: Positive Reaktionen auf Wahl Lagardes

Christine Lagarde
IWF-Direktorin Christine Lagarde.

Christine Lagarde, neue IWF-Chefin.

Washington – Die Wahl der französischen Finanzministerin Christine Lagarde zur neuen Präsidentin des Internationalen Währungsfonds IWF ist weltweit begrüsst worden. Auch in Paris wurde die Entscheidung des 24-köpfigen IWF-Verwaltungsrats gefeiert, der erstmals in seiner mehr als 60-jährigen Geschichte eine Frau an der Spitze erhält.

Die 55-Jährige folgt Dominique Strauss-Kahn nach, der eines Sexualverbrechens beschuldigt wird und Mitte Mai zurückgetreten war. Sie tritt ihr neues Amt am 5. Juli an und wird den IWF zunächst fünf Jahre führen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso äusserte sich positiv zu der Personalentscheidung des IWF. In einer Mitteilung lobte er am Dienstagabend die „Expertise, Erfahrung und das Talent“ Lagardes. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die EU-Kommission hätten in den vergangenen Monaten Tag für Tag zusammengearbeitet, um den Euro-Staaten mit Schwierigkeiten zu helfen. „Ich wünsche mir, diese engen Beziehungen und die Kooperation zu verstärken“, sagte Barroso.

„Ein Sieg für Frankreich“
Die Wahl von Christine Lagarde zur IWF-Chefin hat in Frankreich Begeisterung ausgelöst. Präsident Nicolas Sarkozy fällt es jedoch schwer, einen ebenso kompetenten Nachfolger für sie zu finden. „Die Entscheidung für Christine Lagarde ist ein Sieg für Frankreich“, betonte Premierminister François Fillon am Dienstagabend. Aussenminister Alain Juppé sprach Lagarde seine Unterstützung aus. „Frankreich ist glücklich und stolz auf ihren Erfolg“, betonte er. Der Elysée veröffentlichte bis Mittwochmorgen zunächst keine offizielle Stellungnahme.

Nachfolgekarussell dreht sich
Sarkozy und Fillon fiel es laut französischen Medienberichten nicht leicht, einen neuen Wirtschafts- und Finanzminister zu finden. Als Favorit gelte derzeit Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire, der zuvor als Europastaatssekretär auch für die Beziehungen zu Deutschland zuständig war, berichtete „Le Figaro“ (Mittwoch). Haushaltsminister François Baroin, der bislang als Favorit galt, sei ausgeschieden, weil er zu schlecht Englisch spreche, hiess es. Im Gespräch sei auch Forschungsministerin Valérie Pécresse. Die Nachfolge von Lagarde sollte am Mittwochnachmittag bekannt gegeben werden. Die künftige IWF-Chefin nimmt zuvor zum letzten Mal an der Kabinettssitzung teil.

Lagarde will eingeschlagenen Reformweg weitergehen
Lagarde hatte nur einen Mitbewerber, Mexikos Notenbankchef Agustín Carstens, und galt von vornherein wegen der Unterstützung durch die europäischen Länder als Favoritin. Nachdem sich am Dienstag ausserdem noch die USA öffentlich hinter die Französin gestellt hatten, war ihre Wahl ausgemachte Sache. So fiel die Entscheidung schon nach wenigen Stunden, zwei Tage vor der eigentlichen Frist. Die designierte IWF-Chefin bekräftigte nach ihrer Wahl, den eingeschlagenen Reformweg der Organisation weitergehen zu wollen. „Ich werde es zu meinem übergeordneten Ziel machen, dass unsere Institution weiter allen Mitgliedern mit der selben Aufmerksamkeit und in dem selben Geist dient“, sagte sie laut einer Mitteilung. Das Handeln des IWF müsse wirklichkeitsnah, vorausschauend, effizient und gerechtfertigt sein.

Sex-Affäre um DSK
Lagardes Vorgänger Strauss-Kahn war wegen des Verdachts der versuchten Vergewaltigung in New York festgenommen worden und muss sich vor Gericht verantworten. Der ehemalige französische Finanzminister soll laut Anklage ein Zimmermädchen in einem Hotel sexuell attackiert haben. Bis zum Prozess befindet er sich in New York unter Hausarrest. Der Währungsfonds ist in der weltweiten Finanzkrise zu einem der wichtigsten Krisenhelfer aufgestiegen. Bei der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise spielt er eine bedeutende Rolle. Mit den Europäern schnürte der Fonds Milliarden-Rettungspakete für die Schuldensünder Griechenland, Irland und Portugal. Ausserdem entsendet er Teams in Schuldnerländer, die deren Fortschritte überprüfen. (awp/mc/ps/upd/ss)

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