Commerzbank schafft Befreiungsschlag

Martin Blessing

Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender Commerzbank.

Frankfurt am Main – Der staatlich gestützten Commerzbank ist der Befreiungsschlag gelungen. Im zweiten Schritt ihrer milliardenschweren Kapitalerhöhung wurde die deutsche Nummer zwei nach eigenen Angaben vom Dienstag alle Aktien am Markt los. Das Institut nahm so weitere vier Milliarden Euro ein.

Damit kann die Bank wie geplant den Grossteil ihrer Staatshilfen abbauen und sich wieder voll auf das operative Geschäft konzentrieren. Bei Analysten wächst bereits die Zuversicht für die lange gebeutelte Aktie. Sie hoffen, dass das Schlimmste nun vorüber ist. Im späten Handel reagierte das Papier kaum auf die Nachrichten und lag zuletzt mit 0,47 Prozent im Plus bei 3,237 Euro.

Annahmequote von 99,94 Prozent
Bei der Kapitalerhöhung liessen sich die Anleger von dem hohen Rabatt von 45 Prozent auf den Aktienkurs locken. Bei einer Annahmequote von 99,94 Prozent machten fast alle Altaktionäre von ihrem Bezugsrecht Gebrauch. Die Commerzbank hatte seit Ende Mai insgesamt gut 2,4 Milliarden neue Aktien zum Preis von 2,18 Euro das Stück angeboten. Die restlichen neuen Papiere und die Aktien, für die das Bezugsrecht ausgeschlossen war, wurden den Angaben zufolge am Markt verkauft. Dass die Bank alle Papiere los würde, war bereits bei der Ankündigung der Kapitalmassnahme sicher. Dafür hatten die Konsortialbanken garantiert.

Bank will Staatshilfe bis 2014 ganz begleichen
Mit den Einnahmen aus der zweistufigen Kapitalerhöhung und eigenen Mitteln zahlt die Commerzbank 14,3 Milliarden der insgesamt 16,2 Milliarden Euro als Stille Einlagen erhaltenen Staatshilfe zurück. Bis 2014 soll der Rest abgebaut werden. Den Staat ist die Commerzbank damit aber noch nicht los. Mit einer Beteiligung von 25 Prozent plus einer Aktie hat er weiter grossen Einfluss auf die Geschäftspolitik des Hauses. Wann der Staat seine Aktien loswerden will, ist noch völlig unklar.

Befreiung von diversen Schranken
Insgesamt sammelte die Commerzbank durch die Kapitalerhöhungen seit April elf Milliarden Euro ein. Rund 8,25 Milliarden Euro holte sie sich von institutionellen und privaten Anlegern. Der Staat selbst trug die Kapitalerhöhung voll mit und steuerte weitere 2,75 Milliarden Euro durch die Umwandlung eines Teils seien Stillen Einlagen in Aktien bei. Nun werden 5,1 Milliarden Commerzbank-Aktien gehandelt. Das ist fast viermal so viel wie Anfang April. Mit der Rückzahlung der Stillen Einlagen wird die Bank von diversen Schranken befreit – etwa bei der Vergütung ihrer Top-Manager. Zudem kann sie sich nun auf das eigentliche Bankgeschäft konzentrieren. In diesem Jahr hat sich Vorstandschef Martin Blessing vorgenommen, den operativen Gewinn «signifikant» über den Vorjahreswert von 1,4 Milliarden Euro zu steigern. 2012 soll das Ergebnis dann sogar über die Marke von vier Milliarden Euro klettern. Dazu soll vor allem die Integration der von der Allianz gekauften Dresdner Bank beitragen.

Analysten positiv gestimmt
Analysten hoffen nun auf einen Neuanfang und damit auf eine Erholung der Aktie. Für Cheuvreux-Analyst Cyril Meilland ist die Aktie etwa inzwischen eine der günstigsten in Europa. Equinet-Analyst Philipp Hässler sieht im Papier nun einen «Kauf». Endlich rückten wieder die wirtschaftlichen Fundamentaldaten in den Blick und diese sähen angesichts sinkender Kosten nicht schlecht für das Institut aus. In den vergangenen vier Jahren hat die Commerzbank-Aktie rund 90 Prozent von ihrem Wert verloren, seit Ankündigung der Kapitalmassnahmen ging es noch einmal von gut 5 auf zwischenzeitlich weniger als 3 Euro nach unten. (awp/mc/ps)

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