Commerzbank weiter im Aufwärtstrend

Martin Blessing

Bankchef Martin Blessing. (Foto: Commerzbank AG)

Frankfurt am Main – Die Commerzbank arbeitet sich weiter nach oben. Im zweiten Quartal erwirtschaftete das seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Institut nach 40 Millionen Euro vor einem Jahr nun einen Überschuss von 100 Millionen Euro, wie es am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Der operative Gewinn stieg von 74 Millionen auf 257 Millionen Euro. Das war besser als von Analysten erwartet.

Fortschritte machte die zweitgrösste deutsche Bank beim Abbau von Risiken und bei der Stärkung ihrer Kapitalpuffer. «Insgesamt haben wir damit ein gutes Ergebnis erzielt», erklärte Vorstandschef Martin Blessing. Vorbörslich legte die Aktie des Bank gut 3 Prozent zu.

Weniger Risikovorsorge aber höhere Kosten
Das Institut profitierte vor allem davon, dass es weniger Geld für faule Kredite zurücklegen musste: Die Risikovorsorge hat sich binnen Jahresfrist von 537 Millionen Euro auf 257 Millionen Euro im zweiten Quartal 2014 mehr als halbiert. Zudem zahlte sich die Offensive im Privatkundengeschäft aus: Der operative Gewinn der lange schwächelnden Sparte stieg von 54 Millionen auf 115 Millionen Euro. Netto gewann das Institut im zweiten Vierteljahr 95 000 Kunden hinzu. Dabei machte sich auch die fast 25 Millionen Euro schwere Werbekampagne mit der deutschen Fussball-Nationalmannschaft rund um die Weltmeisterschaft bezahlt. Bereits im ersten Quartal hatte die Bank 43 000 zusätzliche Kunden gewonnen.

Zuwächse verbuchten auch die Mittelstandsbank und die Osteuropasparte. Dagegen musste das Investmentbanking angesichts der allgemeinen Flaute im Anleihenhandel Federn lassen. Zugleich stiegen die Kosten trotz des laufenden Sparprogramms um 1,6 Prozent auf 1,73 Milliarden Euro an. Das lag neben den hohen Investitionen in die Werbung auch an steigenden Belastungen durch neue Anforderungen der Aufsichtsbehörden. Unter anderem schlugen sich darin die Ausgaben für die laufende Überprüfung der Grossbanken in der Eurozone durch die Europäische Zentralbank (EZB) nieder. Auch im Gesamtjahr rechnet die Commerzbank mit einem Anstieg der Kosten. Sie sollen aber nicht über die Marke von 7 Milliarden Euro steigen. 2013 lagen die Ausgaben bei knapp 6,8 Milliarden Euro.

Abbauziel erhöht
Beim Abbau ihrer Problemgeschäfte kommt die Commerzbank schneller voran als erwartet. Das Institut erhöhte daher das Ziel für die konzerneigene Bad Bank. Die Sparte, in der die Bank nicht mehr zum Kerngeschäft zählende Anlagen wie Schiffsfinanzierungen, Staatsanleihen und gewerbliche Immobilienkredite abwickelt, soll nun ihren Bestand bis 2016 auf rund 67 Milliarden Euro reduzieren. Bislang war ein Wert von 75 Milliarden Euro angestrebt.

Ende Juni lagerten in der Bad Bank noch Papiere im Umfang von 92 Milliarden Euro, Anfang 2013 waren es noch 143 Milliarden. In diesem Juni gelang etwa der Verkauf von Immobilienfinanzierungen in Spanien, Portugal und Japan mit einem Volumen von 5,1 Milliarden Euro. Der Abbau lässt die Einnahmen der Bank zwar deutlich schmelzen, zugleich sinkt dadurch aber die Risikovorsorge. Der Abbau kommt auch den Kapitalpuffern der Bank zugute. Die harte Kernkapitalquote, die das Eigenkapital ins Verhältnis zu den Risikopositionen setzt, stieg von Ende März bis Ende Juni um 0,4 Prozentpunkte auf 9,4 Prozent. (awp/mc/ps)

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