Corona-Krise hinterlässt noch keine tieferen Spuren am Obligationenmarkt

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(Foto: ZKB)

Zürich – Die Corona-Krise hat auch den Schweizer Obligationenmarkt erreicht. Doch bisher halten sich die negativen Auswirkungen auf die Schuldnerqualität in Grenzen. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat deswegen bisher kaum Ratingsenkungen vorgenommen. Dagegen dürften die kreditmässigen Aussichten stärker negativ tangiert werden. Am meisten davon betroffen dürfte der Industriebereich sein.

Die ZKB hat knapp 150 Schuldner aus dem Inland unter die Lupe genommen. Dies entspreche fast 100 Prozent des ausstehenden Anleihevolumens, hiess es am Donnerstag bei der Präsentation der 19. Ausgabe des „ZKB Rating Guides“.

Ungeachtet der Corona-Krise nehme das Emissionsvolumen stetig zu, sagte ZKB-Kredit Analyst Akkio Mettler. Die Bonität der Schuldner sei mit einem Anteil von mehr als 75 Prozent im Bereich „AA“ oder mehr erstklassig.

„AAA“ dominiert
Die grössten drei Schuldner, die Pfandbriefbank der schweizerischen Hypothekarinstitute, die Eidgenossenschaft und die Pfandbriefzentrale der schweizerischen Kantonalbanken, verfügen über das höchste Gütesiegel „AAA“ und machen mehr als die Hälfte des im Inland begebenen Volumen aus.

Insgesamt wächst der Obligationenmarkt damit stetig. Während aber das Segment der Topschuldner tendenziell abnimmt, steigt der Anteil der Emittenten aus dem „BBB“-Bereich. Dennoch weisen neben den Pfandbriefinstituten und der Eidgenossenschaft auch die ebenfalls mehrheitlich als sehr gut geltenden Kantone, Städte und Gemeinden nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie eine wachsende Tendenz auf.

Nur wenige Ratingsenkungen
Insgesamt stellt die ZKB dem Inland-Bondmarkt ein gutes Zeugnis aus. Seit Februar hat die Staatsbank lediglich 9 Ratings gesenkt und für 27 den kreditmässigen Ausblick nach unten revidiert.

Von einer Ratingsenkung betroffen waren die Industriefirmen ABB, Aryzta, Autoneum, Kudelski und Sulzer. Zudem erhielten der Genfer Flughafen, die MCH Group, das Kantonsspital Luzern und der Baukonzern Implenia eine schlechtere Note.

Trübere Aussichten bescheinigte die ZKB ebenfalls überwiegend zyklischen Industriefirmen, einzelnen Banken und Finanzgesellschaften, Grossstädten und Spitälern.

Kaum Handlungsbedarf
Bei den einzelnen Bereichen sieht die ZKB bei den Banken, den Immobiliengesellschaften, den Kantonen, Gemeinden, Städten, Strom- und Bahngesellschaften keinen unmittelbaren Handlungsbedarf weder bei den Ratings noch im Ausblick.

Dagegen sieht es im Industriesektor eher negativ aus, das viele Unternehmen im Zuge der Krise einen massiven Umsatz- und Gewinneinbruch verbucht hätten, den sie nicht oder nur teilweise wieder wettmachen könnten.

Die Bewältigung der Corona-Krise stelle für sämtliche Schuldner eine Herausforderung dar, so die ZKB. Damit hängt auch die Entwicklung der Schuldner-Bonität zu einem Grossteil vom Verlauf der Pandemie ab. (awp/mc/ps)

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