Credit Suisse bleibt in roten Zahlen und leidet unter Abflüssen – Aktie verliert über 6%

Credit Suisse bleibt in roten Zahlen und leidet unter Abflüssen – Aktie verliert über 6%

Zürich – Die Credit Suisse erwartet einen weiteren Milliardenverlust für das vierte Quartal. Die angeschlagene Grossbank leidet unter schwierigen Marktbedingungen und muss starke Geldabflüsse vor allem im Vermögensverwaltungsgeschäft hinnehmen.

Für das Schlussquartal 2022 erwartet die Credit Suisse, die mitten in einem radikalen Umbau steckt, einen weiteren Vorsteuerverlust von bis zu 1,5 Milliarden Franken, wie sie am Mittwoch im Vorfeld der ausserordentlichen Generalversammlung mitteilten, an der die Aktionäre einer Kapitalerhöhung über rund 4 Milliarden Franken zustimmten und den Weg für den Einstieg der Saudi National Bank als neue Grossaktionärin ebneten.

Betroffen von den schwierigen Marktbedingungen sei vor allem die Investment Bank, aber auch die Vermögensverwaltung und das Schweizer Geschäft bekämen die schwachen Kundenaktivitäten zu spüren.

Einschliesslich des geschätzten Q4-Verlusts könnte damit für 2022 ein Verlust vor Steuern in Höhe von rund 3,4 Milliarden Franken resultieren. Die Credit Suisse hatte bereits das Gesamtjahr 2021 mit einem Vorsteuerverlust von 522 Millionen abgeschlossen.

Abflüsse von 6 Prozent
Die Bank bestätigt zudem die bereits für die ersten Wochen des Oktober 2022 vermeldeten hohen Kapitalabflüsse. Gruppenweit hätten sich diese Abflüsse nun bis zum 11. November auf rund 6 Prozent der verwalteten Vermögen belaufen, heisst es in der Mitteilung.

In der Vermögensverwaltung hätten die Abflüsse vom Oktober zwar reduziert werden können, sie hätten aber noch nicht gedreht. Derzeit lägen die verwalteten Vermögen rund 10 Prozent unter dem Niveau vom Ende des dritten Quartals, heisst es. In der Schweizer Bank habe sich die Situation deweil stabilisiert, die Kundenvermögen lägen noch 1 Prozent tiefer.

Rote Zahlen in Vermögensverwaltung
Wegen der deutlich reduzierten Kundenvermögen dürfte auch das Vermögensverwaltungsgeschäft rote Zahlen schreiben. Auf den Resultaten lastet auch der Ende Oktober angekündigte strategische Umbau der Gruppe. So resultiert aus dem Verkauf des Allfunds-Anteils ein Verlust von 75 Millionen Franken. Insgesamt dürften die Restrukturierungskosten im laufenden Quartal rund 250 Millionen Franken betragen.

Trotz der Abflüsse seien die vorgeschriebenen Liquiditätskennzahlen auf Gruppenebene jederzeit eingehalten worden, betont die Credit Suisse. So betrug die durchschnittliche «Liquidity Coverage Ratio» im laufenden Quartal bisher 140 Prozent.

Die Finanzgruppe bekräftigt zudem ihre Ziele für die Kapitalquote. So wolle sie weiterhin bis 2025 eine Kernkapitalquote (CET1 vor Basel III-Reformen) von über 13,5 Prozent erreichen, wobei sie diese von 2023 bis 2025 mindestens bei 13 Prozent halten wolle.

Aktien sacken nach Gewinnwarnung stark ab
Die Aktien der Credit Suisse setzen ihren Sinkflug nach der Mitteilung vom Morgen fort. Bis Börsenschluss gaben sie 6,1 Prozent auf 3,2 Franken nach.

Der CS sei offensichtlich die Stabilisierung ihrer Geschäfte noch nicht geglückt, schreiben die Experten von JPMorgan in einem Kommentar. So müsse die Grossbank Vermögensabflüsse innert eines Quartals auf Niveaus vermelden, wie sie etwa die UBS in einem ganzen Jahr erlebe. Die Abflüsse von rund 6 Prozent auf Gruppenebene entsprächen ungefähr 84 Milliarden Franken, rechnet Analyst Kian Abouhossein vor. Alleine im Vermögensverwaltungsgeschäft dürften fast 64 Milliarden abgeflossen sein.

«Perplex» sei er aber auch über den massiven Vorsteuerverlust in der Investment Bank, die nicht mit dem Marktumfeld erklärt werden könne, so der JPMorgan-Experte weiter. Die Restrukturierung der Investment Bank erweise sich als sehr komplex und lasse an Klarheit in wichtigen Kenngrössen vermissen, kritisiert er.

Auch für Vontobel-Experte Andreas Venditti sind die massiven Abflüsse im Vermögensverwaltungsgeschäft, einem erklärten Kerngeschäft der CS, äusserst besorgniserregend. Wegen dem klaren Rückgang der verwalteten Vermögen werde er seine Ertragsaussichten nach unten korrigieren müssen: Die CS müsse das Vertrauen so schnell wie möglich wiederherstellen, so der Analyst: «Aber das ist leichter gesagt als getan.»

Mit dem angekündigten Quartalsverlust wie auch den Geldabflüsse liegen auch für die UBS-Analysten deutlich über den Erwartungen. So dürften sich die Marktteilnehmer nun auch Fragen über die weiteren Geschäftsbereiche der CS neben der verlustreichen Investment Bank stellen. (awp/mc/pg)

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