CS-Chef Gottstein baut Bank um und will damit Kosten sparen

CS-Chef Gottstein baut Bank um und will damit Kosten sparen
CS-Hauptsitz am Zürcher Paradeplatz. (Foto: Credit Suisse)

Zürich – Der neue Credit-Suisse-CEO Thomas Gottstein setzt erste strategische Pflöcke. Er führt die von seinem Vorgänger geschaffenen verschiedenen Investment-Banking-Einheiten wieder zu einer einzigen „globalen Investment Bank“ zusammen und schafft eine integrierte Funktionen des Chief Risk Officer und des Compliance Officer. Zudem stärkt er das Thema Nachhaltigkeit.

Die verschiedenen, zusammen mit dem Halbjahresabschluss angekündigten Initiativen kommen allerdings nicht überraschend, ist im Vorfeld doch schon das meiste davon durchgesickert.

Mit den angekündigten Massnahmen sollen die Effektivität und die Effizienz der Bank gesteigert, die Widerstandsfähigkeit bei ungünstigen Marktbedingungen sichergestellt und das Wachstum beschleunigt werden, schreibt die CS am Donnerstag. Die grundsätzliche Strategie der Bank als führender Vermögensverwalter mit ausgeprägten weltweiten Kompetenzen im Investment Banking wird derweil vom Verwaltungsrat bekräftigt.

Kosteneinsparungen von jährlich 400 Millionen
Durch die verschiedenen Anpassungen sollen ab 2022 jährliche Kosteneinsparungen von rund 400 Millionen Franken erreicht werden. Diese könnten – entsprechende Markt- und Wirtschaftsbedingungen vorausgesetzt – vollständig in Wachstumsinitiativen der Gruppe reinvestiert werden, so die Mitteilung. Das gesamte Programm, das innerhalb eines Jahres umgesetzt werden soll, verursacht Restrukturierungskosten von insgesamt rund 300 bis 400 Millionen Franken.

„Die verschiedenen Initiativen sollen weitere Investitionen ermöglichen und das Wachstum beschleunigen“, wird CEO Thomas Gottstein zitiert.

Zusammenführung von Bereichen und Stärkung der Nachhaltigkeit
Die wohl gewichtigste Veränderung betrifft die Investment-Banking-Aktivitäten. Diese waren unter dem vormaligen CEO Tidjane Thiam auf mehrere Bereiche verteilt worden und sollen nun wieder zu einer einzigen global integrierten Investment Bank mit kritischer Grösse zusammengeführt werden. Geleitet wird die neue grössere Investment Bank von Brian Chin, dem bisherigen CEO des Bereichs Global Markets. Angestrebt wird mittelfristig eine Rendite auf dem regulatorischen Kapital von mindestens 10 Prozent.

Zusammengeführt werden sollen auch die bisher getrennten Funktionen Risk und Compliance. Lara Warner, bisherige Chief Risk Officer, wird als Group Chief Risk and Compliance Officer künftig alle Kontrollaufgaben aus einer Hand abstimmen und so signifikante Effizienzpotenziale realisieren.

Forcieren und Stärken will die CS zudem das Thema Nachhaltigkeit. Dazu wird die neue Funktion „Sustainability, Research & Investment Solutions“ geschaffen, welche in der Geschäftsleitung durch Lydie Hudson vertreten wird. Sie fungierte bislang als Chief Compliance and Regulatory Affairs Officer. Die CS setzt sich zum Ziel, ein führender Anbieter für Nachhaltigkeit in der Finanzbranche zu werden.

So will die Bank in den nächsten zehn Jahren mindestens 300 Milliarden an nachhaltiger Finanzierung unter anderem für erneuerbare Energien, Green/Blue/Transition Bonds sowie kohlenstoffarme Energielösungen bereitstellen. Das Engagement im Öl- und Gassektor soll hingegen reduziert werden. Zudem verzichtet die Bank auf Finanzierungstätigkeit oder Kapitalmarktemissionen für Unternehmen, die mehr als 25 Prozent ihrer Umsätze mit dem Abbau von Kraftwerkskohle erwirtschaften, die mehr als 25 Prozent ihrer Umsätze mit Kohlekraft erwirtschaften oder in Öl- und Gasprojekten in der Arktis involviert sind.

Vermögensverwaltung soll optimiert werden
Mit Blick auf die Vermögensverwaltung will die CS-Führung das Wachstum in den drei Divisionen Asia Pacific, International Wealth Management (IWM) und Swiss Universal Bank (SUB) mit verschiedenen Initiativen beschleunigen. Die Bankführung bekräftigt die Absicht, mittelfristig mindestens zwei Drittel des eingesetzten Kapitals diesen Divisionen zuzuteilen.

Die CS-Führung aktualisiert zudem verschieden Finanzziele. So strebt die Gruppe mittelfristig eine Rendite auf dem materiellen Eigenkapital von 10 bis 12 Prozent an. Bisher galt hier ein Wert von grösser 12 Prozent als Zielgrösse. Die Quote des harten Kernkapitals (CET1) soll künftig rund 12 Prozent und die Leverage Ratio des harten Kernkapitals (CET1) rund 4 Prozent betragen.

Mittelfristig will die Bank weiterhin jeweils mindestens 50 Prozent des Reingewinns ausschütten und die ordentliche Dividende nachhaltig um mindestens 5 Prozent pro Jahr erhöhen.

Darüber hinaus soll die vorgesehene zweite Tranche der Dividende für 2019 wie geplant ausgeschüttet werden. Nach der dafür notwendigen ausserordentlichen Generalversammlung am 27. November 2020 beabsichtigt der Verwaltungsrat zudem, das Aktienrückkaufprogramm zu überprüfen – entsprechende Markt- und Wirtschaftsbedingungen vorausgesetzt.

Der ursprünglich für 2020 geplante Aktienrückkauf im Umfang von bis zu 1,5 Milliarden Franken ist aktuell wegen Corona ausgesetzt. Zuvor waren eigene Titel im Wert von 325 Millionen erstanden. (awp/mc/pg)

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