Credit Suisse wechselt nach Milliardenverlust den CEO aus

Credit Suisse wechselt nach Milliardenverlust den CEO aus
Ulrich Körner wird per Anfang August neuer CS-Konzernchef.

Zürich – Die Turbulenzen bei der Credit Suisse setzen sich fort. Mit der Bekanntgabe eines Milliardenverlusts für das zweite Quartal hat CS-Chef Thomas Gottstein am Mittwoch seinen Rücktritt bekanntgegeben. Er wird durch Ulrich Körner ersetzt, der nun weitere Kostensenkungen bei der zweitgrössten Schweizer Bank umsetzen muss.

Mit dem Quartalsverlust von 1,59 Milliarden Franken hat die Credit Suisse deutlich schlechter abgeschnitten als auch die pessimistischsten Beobachter erwartet hatten. Die nach zahlreichen Pannen und Debakeln geschwächte Bank, die mitten in einer Umstrukturierung steckt, war zusätzlich von den schwierigen Wirtschafts- und Marktbedingungen der letzten Monate getroffen worden.

Neuer Steuermann
Das Steuer der schlingernden Grossbank übernimmt nun per Anfang August Ulrich Körner, bisher Leiter der Asset Management-Division. Der Bankmanager ist erst seit 2021 wieder bei der Credit Suisse, wo er Ende der 90er Jahre seine Bankkarriere begonnen hatte. Der knapp 60-jährige deutsch-schweizerische Doppelbürger war zuvor über ein Jahrzehnt für die UBS in Führungspositionen tätig gewesen.

Für den abtretenden CEO Gottstein ist es dagegen ein unschöner Abschluss seiner 23-jährigen Karriere bei der Credit Suisse. Er hatte im Februar 2020 an der Spitze der Grossbank Tidjane Thiam abgelöst, der nach den Affären um die Beschattung von Bankmanagern zurückgetreten war.

Gottsteins Amtszeit wurde ab 2021 durch immer neue Pannen und Debakel überschattet: Dazu gehörten die Schliessung der Greensill-Fonds, bei denen Anlegern hohe Verluste drohen, sowie der Zusammenbruch des hoch verschuldeten US-Hedgefonds Archegos, der ein Loch von rund 5 Milliarden Dollar in die Kasse der Bank riss. Nach einem Jahresverlust für 2021 musste Gottstein nun auch in den ersten beiden Quartalen 2022 rote Zahlen bekanntgeben.

Sparprogramm
Die Bank reagiert auf die tiefroten Zahlen im zweiten Quartal nun mit einem weiteren Sparprogramm. Die Kostenbasis soll auf unter 15,5 Milliarden Franken gesenkt werden. Laut eigenen Angaben lag die Kostenbasis nach dem ersten Halbjahr auf das Gesamtjahr hochgerechnet bei 16,8 Milliarden Franken – entsprechend dürfte eine Kostensenkung um 1 bis 1,5 Milliarden Franken angepeilt werden.

Zur Umsetzung die CS-Verantwortlichen am Mittwoch äusserst vage – insbesondere machten sie keine Angaben über einen möglichen Abbau beim Personal. Während die schon früher angekündigten Einsparungen in den Bereich von Technologie und Beschaffung weiter im Zentrum stehen, habe man bereits Sparpotenziale über «die gesamte Bankengruppe» identifiziert, sagte Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann. Detaillierte Informationen will die Bank erst bei der Publikation der Zahlen zum dritten Quartal Ende Oktober bekanntgeben.

Gleichzeitig will die Bank den Fokus noch stärker auf die globale Vermögensverwaltung und das Schweizer Geschäft legen. Die zuletzt stark verlustträchtige Investment Bank soll dagegen in ein «kapitalschonendes, beratungsorientiertes Bankgeschäft» umgebaut werden, welche die Vermögensverwaltung und das Schweizer Geschäft ergänzt.

Investment Bank in roten Zahlen
Wann es die Bank wieder in die schwarzen Zahlen schaffen könnte, bleibt auch angesichts der schwierigen Umfelds fraglich. Zumindest für die weiterhin von der Marktschwäche betroffene Investment Bank warnt die CS bereits vor einem erneuten Verlust im dritten Quartal. Auch in der Vermögensverwaltung bleibe die Kundenaktivität verhalten, hiess es. Immerhin dürfte die Division von den höheren Zinssätzen vor allem im US-Raum profitieren. (awp/mc/ps)

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