Descartes Finance: Zins- und Rezessionsängste schlagen Anleger in die Flucht

Descartes Finance: Zins- und Rezessionsängste schlagen Anleger in die Flucht
Adriano Lucatelli, Gründer & CEO Descartes Finance AG. (Foto: Descartes Finance AG)

Während die US-Währungshüter die Zinsen unerwartet um 0,75% erhöhten, hat die SNB die Leitzinsen von ­-0,75 auf -0,25 Prozent angehoben. Als direkte Folge dieser aggressiven Zinsnormalisierung der Notenbanken fand ein Ausverkauf an den Börsen statt: Aktien, Obligationen und Kryptowährungen mussten zum Teil herbe Verluste hinnehmen, während Rohstoffe die positive Ausnahme bildeten.

Kommentar von Adriano Lucatelli

1. Aktien
Über den Aktienmärkten hängen weiterhin dunkle Wolken. Besonders werden die europäischen und die US-Börsen unter Druck zu leiden haben. Die US-Aktien dürften sich lediglich erholen, wenn sich die Inflation etwas abkühlte und die Fed im Fall einer Rezession den Fuss vom Gas nehmen würde.


2. Obligationen
Die US-Währungshüter werden im Rahmen der Inflationsbekämpfung weitere Zinserhöhungen verkünden und ab Sommer mit der Bilanzverkürzung («Quantitative Tightening») beginnen. Die US-Treasuries dürften diese Straffungsmassnahmen weitgehend eingepreist haben. Dafür spricht, dass die Zinskurve von drei bis zehn Jahren recht flach ist.

3. US-Dollar
Die Fed ist gezwungen, die Zinssätze rasch zu erhöhen, damit die Inflation gesenkt werden kann, die weit über die Zielwerte gestiegen ist. Das hilft zwar dem Greenback kurzfristig, doch die Devisenhändler gehen davon aus, dass die Zinserhöhungen die US-Wirtschaft in eine Rezession treiben könnte. Dies wiederum dürfte dem US-Dollar schaden. Und die SNB wird ihrerseits die Schweiz vor einer hohen Inflation im Euroland schützen, was einen schwächeren Euro zum Franken impliziert.

4. Gold
Trotz steigender Zinsen und eines starken US- Dollars ist der Goldpreis nicht eingebrochen. Das gelbe Edelmetall wird auch in den kommenden Wochen stabil und robust bleiben und seinem Ruf als Krisenanlage gerecht werden.

5. Erdöl
Beim Öl existiert weiterhin ein strukturell knappes Angebot. Aus diesem Grund rechnen wir mit einem Preis von rund 110 Dollar je Fass Brent.


Dies ist eine Einschätzung von Adriano Lucatelli, Finanzexperte und Mitgründer sowie Geschäftsführer von Descartes. Die Prognosen und Aussagen über die Finanzmärkte widerspiegeln die persönliche Meinung von Adriano Lucatelli zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich jederzeit verändern. Verweise auf bestimmte Wertpapiere, Vermögensklassen oder Finanzmärkte dienen nur zu Illustrationszwecken und sollten nicht als Beratung oder Empfehlung in Bezug auf den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren verstanden werden.


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