Schuldenkrise bremst Deutsche Bank kaum

Josef Ackermann

Josef Ackermann, CEO der Deutschen Bank.

Frankfurt am Main – Die Euro-Schuldenkrise bremst die Deutsche Bank auf ihrem Rekordkurs kaum. Zwar machten die Turbulenzen im Handelsgeschäft dem deutschen Branchenprimus zu schaffen. Doch das konnte die Deutsche Bank dank der zugekauften Postbank und eines stärkeren Privatkundengeschäfts ausgleichen.

Nach den am Dienstag vorgelegten Zahlen verdiente der Konzern im zweiten Quartal unter dem Strich rund 1,2 Milliarden Euro. Das waren entgegen den Markterwartungen nur magere drei Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Übergabe mit dem besten Resultat der Geschichte?
Dennoch ist Konzernchef Josef Ackermann auf dem Weg, sein ehrgeiziges Jahresziel eines operativen Vorsteuergewinns von zehn Milliarden Euro zu erreichen – und die Bank im kommenden Jahr mit dem besten Ergebnis der Unternehmensgeschichte an seine Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen zu übergeben. Das Unternehmen hatte am Montagabend mitgeteilt, dass Fitschen und Jain Ackermann gemeinsam als Vorstandschef beerben sollen. Der Schweizer soll der Bank wiederum als Aufsichtsratschef erhalten bleiben.

Aktie setzt sich an DAX-Spitze
Am Markt kamen die Nachrichten gut an – der Verbleib Ackermanns wurde goutiert. Eine Niederlage im Machtkampf gegen den aktuellen Aufsichtsratschef Clemens Börsig wäre bei Analysten sauer aufgestossen. «Wir begrüssen ganz klar die erwartete und notwendige Entscheidung zu der Doppelspitze und Josef Ackermann als potenziellen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden», hiess es in einer Studie der DZ Bank. Die Deutsche-Bank-Aktie stieg in der ersten Handelsstunde um mehr als ein Prozent und war damit der stärkste Dax-Wert .

Am Ende der ersten sechs Monate dieses Jahres waren mit 5,5 Milliarden Euro schon mehr als die Hälfte der angestrebten 10 Milliarden Euro erreicht. Ackermann wies jedoch auf zunehmende Schwierigkeiten hin: «Vieles hängt von einer reibungslosen und nachhaltigen Lösung der europäischen Schuldenkrise ab.» Voraussetzung sei zudem «ein deutlich verbessertes operatives Geschäftsumfeld in der zweiten Jahreshälfte 2011».

Risiko in Schuldenstaaten deutlich reduziert
Gegen mögliche Rückschläge aus den kriselnden Euro-Staaten wappnete sich Deutschlands grösste Bank bereits: Im ersten Halbjahr kappte die Bank ihr Engagement in den von der Schuldenkrise betroffenen Ländern Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien – den sogenannten PIIGS-Staaten – um 70 Prozent auf rund 3,7 Milliarden Euro.

Am deutlichsten reduziert wurde das Risiko in Italien: von 8,0 Milliarden Ende 2010 auf 997 Millionen Euro Ende Juni 2011. Die Bank hält zudem noch griechische Staatsanleihen im Wert von knapp 1,2 (Ende 2010: 1,6) Milliarden Euro. Der Bestand spanischer Anleihen sank auf rund 1,1 (2,3) Milliarden Euro. Für Portugal weist die Bank aktuell einen Wert von 153 (minus 12) Millionen Euro aus. Das irische Engagement weitete sich leicht auf 296 (237) Millionen Euro aus.

Auswirkungen von Teilnahme an neuem Hilfspaket noch unklar
Auf Anleihen des Pleitekandidaten Griechenland schreibt die Deutsche Bank nach Angaben vom Dienstag 155 Millionen Euro ab. Darin sind allerdings noch nicht die Auswirkungen des in der vergangenen Woche beschlossenen Rettungspakets enthalten, wie ein Sprecher erklärte. Die genauen Folgen einer freiwilligen Beteiligung an den Hilfen für Athen werde noch geprüft, heisst es im Quartalsbericht.

Nach den Brüsseler Beschlüssen vom vergangenen Donnerstag will die europäische Finanzbranche im ersten Schritt rund 50 Milliarden Euro zur Griechenland-Rettung beitragen, indem sie griechische Staatsanleihen in neue Papiere mit längeren Laufzeiten tauscht und Abschläge in Kauf nimmt. Dass die Deutsche Bank sich beteiligt, gilt als sicher, schliesslich hatte Ackermann an der Lösung mitgewirkt.

Privatkundengeschäft legt deutlich zu
Im zweiten Quartal musste die Bank wegen der Turbulenzen an den Märkten vor allem im Investmentbanking – der Sparte des künftigen Co-Vorstandsvorsitzenden Jain – Rückschläge hinnehmen. In dem Bereich, zu dem der Handel mit Devisen, Rohstoffen und Aktien zählt, führte die Schuldenkrise zu Unsicherheiten bei Anlegern und damit zu deutlich gesunkenen Umsätzen, wie Ackermann erklärte.

Die Investmentbanking-Sparte kam im zweiten Quartal auf einen Vorsteuergewinn von 1,275 (Vorjahresquartal: 1,257) Milliarden Euro. Dagegen legte das Privatkundengeschäft dank der Übernahme der Postbank kräftig zu. Der Vorsteuergewinn dieser Sparte kletterte auf 684 (299) Millionen Euro.

Insgesamt erhöhten sich die Erträge des Konzerns binnen Jahresfrist um 19 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro. Der Vorsteuergewinn stieg um 17 Prozent auf knapp 1,8 Milliarden Euro. Der Konzern beschäftigte Ende Juni 101.694 Vollzeitkräfte, davon knapp die Hälfte (48.866) in Deutschland.  (awp/mc/pg)

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