Diese Rohstoffe sind das Öl des 21. Jahrhunderts

Diese Rohstoffe sind das Öl des 21. Jahrhunderts
Matt Lodge, Investment Strategist – Global X ETFs. (Foto: zvg)

Die Welt redet über KI, Energiewende und Elektrifizierung. Hinter diesen Megatrends stehen Rohstoffe. Geopolitische Spannungen treiben heute Gold und Silber an, doch im Hintergrund läuft bereits der strategische Wettlauf um Kupfer, Lithium und Uran.

Matt Lodge, Investment Strategist, Global X ETFs

Der Nahe Osten erinnern die Märkte daran, wie stark Energie und Rohstoffe weiterhin die Weltwirtschaft prägen. Während Öl im 20. Jahrhundert als strategischer Rohstoff dominierte, rücken heute andere Materialien zunehmend ins Zentrum der globalen Energie- und Technologiepolitik: Kupfer, Lithium und Uran. Sie gelten als Schlüsselrohstoffe für Elektrifizierung, Digitalisierung und Energiesicherheit. Doch der Kampf um die strategischen Ressourcen der neuen Energie- und Technologieordnung hat potenziell massiven Folgen für Märkte, Preise und geopolitische Machtverhältnisse.

Geopolitische Unsicherheiten treiben Edelmetalle
In geopolitisch angespannten Phasen reagieren die Märkte zunächst klassisch: Kapital fliesst in sichere Häfen wie Gold und Silber. Steigende Unsicherheit sowie Veränderungen bei Realzinsen und Inflationserwartungen beeinflussen dabei häufig die Preisentwicklung von Edelmetallen. Silber folgt dabei häufig der Dynamik von Gold, besitzt aber zusätzlich eine starke industrielle Nachfrage. Besonders interessant aus Investorensicht: Silberminenaktien sind historisch betrachtet weiterhin vergleichsweise günstig bewertet. Ihr erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis für die kommenden zwölf Monate liegt nur im Bereich des 37. Perzentils der letzten sieben Jahre, was auf ein mögliches Bewertungsaufholpotenzial hinweisen könnte.

Kupfer: Der Engpass der Elektrifizierung
Kupfer wird in Stromnetzen, Transformatoren, Elektrofahrzeugen, Ladeinfrastruktur sowie Rechenzentren eingesetzt. Mit dem rasanten Ausbau von Datenzentren und künstlicher Intelligenz steigt der Strombedarf erheblich – und damit auch der Bedarf an kupferhaltiger Infrastruktur. Gleichzeitig ist das Angebot begrenzt: Neue Minen benötigen häufig bis zu zwei Jahrzehnte, um von der Entdeckung zur Produktion zu gelangen.

Nach aktuellen Projektionen könnten angekündigte Minenprojekte bis 2035 nur rund 70 % des erwarteten Bedarfs decken. Diese strukturelle Knappheit spiegelt sich bereits teilweise an den Kapitalmärkten wider. Kupferminenunternehmen haben zuletzt stärker zugelegt als der Kupferpreis selbst, da Investoren zunehmend auf die langfristige Angebotsknappheit setzen. Sollte sich der geopolitische Konflikt jedoch über längere Zeit ausweiten, könnte er die industrielle Nachfrage kurzfristig dämpfen und damit die Dynamik im Kupfermarkt temporär bremsen.

Lithium: Rückgrat der Batterien
Lithium ist ein weiterer Schlüsselrohstoff der Energiewende. Neben Elektrofahrzeugen gewinnt vor allem die stationäre Energiespeicherung an Bedeutung. Mit dem Ausbau von Solar- und Windenergie werden Batteriespeicher zunehmend zu einem festen Bestandteil moderner Stromnetze. Dadurch verschiebt sich die Nachfrage teilweise von zyklischen Konsummärkten – etwa dem Autosektor – hin zu langfristigen Infrastrukturinvestitionen in Energiesysteme. Diese strukturelle Nachfrage könnte dazu führen, dass der Lithium-Markt langfristig stabiler wächst, auch wenn kurzfristige Preisschwankungen weiterhin wahrscheinlich bleiben.

Uran sorgt : Energieversorgung für eine elektrifizierte Welt
Auch Uran rückt zunehmend in den Fokus der Energiepolitik. Der weltweite Strombedarf steigt durch künstliche Intelligenz, Industrieelektrifizierung und Digitalisierung deutlich an. Kernenergie gilt dabei als eine der wenigen CO₂-armen Technologien, die rund um die Uhr grosse Mengen Strom liefern kann. Da Uran überwiegend über langfristige Lieferverträge gehandelt wird und das Angebot relativ unflexibel ist, können Nachfrageanstiege besonders starke Preisbewegungen auslösen.

Wie hoch könnten die Preise steigen?
Eine präzise Prognose ist schwierig. Doch viele Marktbeobachter erwarten langfristig höhere Preise, falls Angebot und Nachfrage auseinanderdriften.

Kupfer: Strukturelle Engpässe könnten bei steigender Elektrifizierungsnachfrage zu deutlich höheren Preisen führen, besonders wenn neue Minenprojekte nicht rechtzeitig realisiert werden.
Lithium: Kurzfristig bleibt der Markt volatil. Langfristig hängt die Entwicklung stark vom Tempo der Energiewende und des Batteriemarktes ab.
Uran: Die zunehmende politische Unterstützung für Kernenergie könnte den Markt zusätzlich verknappen.

Rohstoffe als strategischer Faktor
Während Öl im 20. Jahrhundert die zentrale Ressource der Weltwirtschaft war, könnten Kupfer, Lithium und Uran im 21. Jahrhundert eine ähnliche Rolle übernehmen. Sie sind entscheidend für Stromnetze, Batterien, Rechenzentren und CO₂-arme Energieproduktion. Kurzfristige Marktschwankungen durch geopolitische Ereignisse bleiben unvermeidlich. Doch langfristig spricht vieles dafür, dass die strategische Bedeutung dieser Rohstoffe weiter zunimmt – und damit auch ihr Einfluss auf die globalen Märkte. (Global X ETFs/mc/pg)

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