Dougan sieht hiesige Grossbanken genügend kapitalisiert

Brady Dougan
Blooberg & Bernhard Bauhofer Credit Suisse

CS-CEO Brady Dougan. (Foto: CS)

Zürich – Credit Suisse-CEO Brady Dougan ist nicht erfreut über die laufende Diskussion um eine weitere Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften für Schweizer Banken. «Die Wahrscheinlichkeit, dass die Steuerzahler noch einmal eine Grossbank retten müssen, liegt sehr nahe bei null», sagt er im Interview mit der «Basler Zeitung» sowie der deutschen «Börsen-Zeitung».

Vor knapp zehn Tagen hatte Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf erklärt, sie halte die Eigenkapitalquoten der beiden Grossbanken des Landes immer noch für zu niedrig. Angesprochen auf diese Bemerkung, sagt Dougan: «Wenn das Ziel darin besteht, dass die Steuerzahler nie mehr in die Lage kommen sollen, eine Bank retten zu müssen, dann finden wir bei der Credit Suisse, dass die Voraussetzungen dafür jetzt erfüllt sind. Es ist wichtig, dass auch die Politik dies anerkennt.»

Auch den Forderungen nach einem Ausstieg aus dem kapitalintensiven Investment Banking tritt der CS-Chef entgegen: «Es gibt Investoren und vor allem auch Konkurrenten, die uns am liebsten ganz aus dem Investment Banking aussteigen sehen würden. Aber wir glauben eben nicht, dass dies der beste Weg ist, um den Aktionärsnutzen der Bank zu optimieren.» Dass man an der Investmentbank festhalte, werde auch von einer Mehrheit der Aktionäre begrüsst, sagt Dougan unter Verweis auf die Entwicklung des Aktienkurses im laufenden Jahr.

Libor-Skandal: CS nicht «materiell betroffen»
Rechtliche Probleme, mit denen viele Schweizer Banken konfrontiert sind, versuche die CS primär zu vermeiden, sagte Dougan weiter. Im Skandal um die Manipulation des Interbanken-Zinssatzes Libor, in den die CS neben anderen Banken involviert ist, hat die Bank gemäss ihrem Chef weiterhin keine Hinweise, dass sie «materiell betroffen» ist.

Rechtsfälle beeinträchtigt Mitarbeiter-Stimmung
Bei den Klagen in den USA wegen des Geschäfts mit verbrieften Hypotheken ist Dougan zuversichtlich, dass die Bank nachweisen kann, 2006 verantwortungsbewusst gehandelt zu haben. Im Steuerstreit mit den USA tue die Bank, was sie könne. Das Abkommen zwischen den beiden Regierungen sei ein Schritt zur Beilegung.

Er räumte allerdings ein, dass die Rechtsfälle neben dem Kostensenkungsprogramm die Stimmung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beeinträchtigt. Eine Mitarbeiterbefragung habe jüngst aber gezeigt, dass die Stimmung über alles gesehen gar nicht so schlecht sei. Die Bank habe alle Mitarbeitenden informiert, über die sie Dokumente an die USA geliefert hätten. Dazu sei sie von den Schweizer Behörden angehalten worden.

Zu hoher Bonus
Zu seinem 70-Mio-CHF-Bonus 2010 erklärte Dougan, es sei klar, «dass man ein solches Entschädigungspaket heutzutage vermeiden sollte». Auch der frühere CS-Präsident Walter Kielholz hatte diese Zahlung jüngst – kurz vor der Abstimmung über die 1:12-Initiative – kritisiert. Dougan verteidigte das Paket aber insofern, als es auf 2004 zurückging und damals als gute Praxis gegolten habe – auch bei der Bankenaufsicht. Es sei langfristig ausgerichtet gewesen. Aus heutiger Sicht hätte die Bank aber den Maximalbetrag oder die finanzielle Hebelwirkung des Programms reduzieren sollen.

Dougan ist US-Bürger. Er kam 2007 als Nachfolger von Oswald Grübel an die Spitze der CS. Zuvor war er bereits seit 1990 bei der Bank tätig. (awp/mc/pg)

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