Ed Gordon, Blackrock, August-Kommentar: Minimum-Volatility- und Quality-Aktien herabgestuft

Ed Gordon, Blackrock, August-Kommentar: Minimum-Volatility- und Quality-Aktien herabgestuft
Ed Gordon, Leiter iShares und Wealth bei BlackRock Schweiz

Zürich – Faktoren bilden gewissermassen die Grundlage von Anlageportfolios. Es sind breite, dauerhafte Kräfte, welche die Renditen von Aktien, Obligationen und anderen Vermögenswerten bestimmen. Faktorbasierte Anlagestrategien nutzen die Fortschritte der Datenverarbeitung und moderne Technologie, um diese historisch nachweisbaren Renditetreiber gezielt in Portfolios einzusetzen. Investoren, die die Funktionsweise von Faktoren verstehen, können damit Überrenditen erzielen und Risiken reduzieren.

Als Renditetreiber lassen sich zwei Haupttypen von Faktoren unterscheiden: zum einen makroökonomische Faktoren, die über Anlageklassen hinweg funktionieren. Zum anderen Stil-Faktoren, die Renditen und Risiken innerhalb von Anlageklassen erklären können. Die akademische Forschung zeigt, dass in Bezug auf Aktien fünf Stil-Faktoren im Vergleich zum breiten Markt langfristige Mehrrenditen erzielen können: geringere Unternehmensgrösse (Size) und hohe Unternehmensqualität (Quality) sowie niedrige Bewertung (Value), geringe Schwankungsbreite (Minimum Volatility) und positive Kursdynamik (Momentum) von Aktien. Diese Faktoren wirken abhängig vom Marktzyklus nicht immer in gleichem Masse. Insofern ist die optimale Gewichtung auf Basis regelmässiger, umfassender Analysen für den Anlageerfolg entscheidend.

Ed Gordon: «Unsere Einschätzung zu Minimum-Volatility-Aktien mit relativ geringer Schwankungsbreite haben wir von einem geringen Übergewicht auf ein leichtes Untergewicht heruntergefahren. Ausschlaggebend dafür war vor allem das veränderte Konjunkturumfeld, in dem die Zeichen nun wieder auf Wachstum stehen. Denn in einem solchen Umfeld entwickeln sich Minimum-Volatility-Aktien in der Regel unterdurchschnittlich. Zudem hat die relative Stärke im Vergleich zu anderen Stil-Faktoren nachgelassen. Die attraktivere Bewertung kann dies nicht aufwiegen.

Auch bei Quality-Aktien, sprich Papieren qualitativ hochwertiger Unternehmen mit besonders gesunden Bilanzen, sind wir nun zurückhaltender. Daher haben wir unser leichtes Übergewicht bis auf eine neutrale Position abgebaut. Einerseits hat die relative Stärke zugenommen, andererseits ist die Bewertung gestiegen. Darüber hinaus besitzen Qualitätsaktien eher defensive Eigenschaften, was im aktuellen Umfeld nicht allzu vorteilhaft ist.

Für Momentum-Aktien, also Werte im Aufwärtstrend, sind wir nun wieder etwas zuversichtlicher. Daher gewichten wir sie jetzt neutral, nachdem wir zuvor leicht untergewichtet waren. Ein Grund dafür ist, dass der Momentum-Faktor sich bei anziehendem Wirtschaftswachstum erfahrungsgemäss besonders gut entwickelt. Ausserdem zieht seine relative Stärke aktuell weiter an. Auf der anderen Seite steigen die Bewertungen, so dass Momentum-Aktien vergleichsweise teuer sind.

Unsere Positionierung im Faktor Size, also in Aktien kleinerer Unternehmen, bleibt neutral. Zwar hat die relative Stärke nachgelassen. Aber gleichzeitig ist die Bewertung interessanter geworden, und das aktuelle Konjunkturumfeld spricht für solche Werte.

Auch bei Value-Aktien, das heisst zum Beispiel bei Titeln mit niedrigen Kurs-Gewinn- oder Kurs-Buchwert-Verhältnissen, halten wir an unserer neutralen Gewichtung fest. Denn einerseits hat die relative Stärke sich verschlechtert, andererseits ist die Bewertung nun günstiger. Darüber hinaus entwickelt dieser Faktor sich am besten bei anziehendem Wirtschaftswachstum, wie wir es derzeit vorfinden.»


Vollständiger Kommentar von Ed Gordon…

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