Weltbank senkt Prognose für Weltwirtschaft

Jim Yong Kim

Weltbankchef Jim Yong Kim. (Dartmouth College)

Washington – Die Weltbank hat die Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft wegen der schleppenden Konjunkturerholung in den Industrienationen deutlich gesenkt. Für das laufende Jahr rechnet die Organisation nur noch mit einem globalen Wachstum von 2,4 Prozent, wie aus der halbjährlichen Wachstumsprognose hervorgeht. Im vergangenen Juni hatte die Weltbank für 2013 noch ein Wachstum von 3,0 Prozent in Aussicht gestellt. Die Fortschritte in der Eurozone beim Kampf gegen die Schuldenkrise lobte die Weltbank allerdings ausdrücklich.

Als Grund für die gesenkte Prognose nannte die Organisation die Sparmassnahmen einiger Industriestaaten im Kampf gegen die Schuldenkrise, eine hohe Arbeitslosigkeit und eine trübe Stimmung in den Unternehmen. «Insgesamt bleibt das Umfeld für die Weltwirtschaft unsicher und könnte zu weiteren Enttäuschungen führen», hiess es weiter in dem Bericht.

Japan trifft die neue Prognose besonders hart
Entgegen der «ermutigenden» Signale von den Finanzmärkten sei die tatsächliche Lage der globalen Konjunktur noch «sehr wackelig und unsicher», kommentierte Weltbankchef Jim Yong Kim laut einer Mitteilung die Lage. Vor allem die anhaltende Schwäche in den Industrienationen «trübt die Aussichten für eine schnelle Verbesserung und eine Rückkehr zu einem stabileren Wachstum.» Gefahren gingen auch von den politischen Wirren um den Schuldenabbau in den USA aus.

Besonders hart trifft die neue Prognose des Washingtoner Instituts aber Japan. Die Weltbank halbierte nahezu die Wachstumsaussichten für die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt von 1,5 Prozent im Juni auf nunmehr nur noch 0,8 Prozent. Aber auch für die USA senkte das Institut die Prognose um 0,5 Prozentpunkte und rechnet in der weltweit grössten Volkswirtschaft nur noch mit einem Wachstum von 1,9 Prozent. Ausserdem senkte die Organisation die Erwartungen für führende Schwellenländer wie Brasilien, Indien und Mexiko.

Lob für Krisenpolitik der Eurozone
Für die Eurozone wird nach der aktuellen Prognose 2013 ein leichtes Minus von 0,1 Prozent erwartet. Im Juni hatte die Weltbank noch ein Wachstum von 0,7 Prozent für den Euroraum in Aussicht gestellt. Immerhin sieht die Weltbank die Gefahr einer schweren Finanzkrise in der Eurozone als weitgehend gebannt an. Das Vertrauen der Märkte in Europa habe sich im vergangenen halben Jahr «dramatisch verbessert». Die Staaten und die Europäische Zentralbank hätten die richtigen Schritte zur Stützung der Gemeinschaftswährung unternommen, stellte die Organisation fest.

Keine Entwarnung
Mit Blick auf die Eurozone sei es aber noch zu früh für eine Entwarnung, hiess es weiter. Die schwächeren Euro-Staaten liefen bei nachlassendem Reformeifer weiterhin Gefahr, von den Kapitalmärkten abgeschnitten zu werden. Das bleibe ein starkes Abwärtsrisiko für die Weltwirtschaft.

Dagegen bleiben Schwellen- und Entwicklungsländer wie China oder Indien laut Weltbank die globalen Wachstumsmotoren. Hier erwartet die Organisation 2013 Wachstumsraten von jeweils um 5,5 Prozent. Diese aufstrebenden, meist exportabhängigen Nationen müssten allerdings Wege finden, sich von den Zyklen der Weltkonjunktur zu lösen. Dafür seien Investitionen in die heimische Infrastruktur und eine Stärkung der öffentlichen Haushalte wichtig, rät der Chefautor des Ausblickes, Andrew Burns. (awp/mc/pg)

Weltbank

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.