Euler Hermes: Weltwirtschaft – Robustes Wachstum in 2012

Euler Hermes: Weltwirtschaft – Robustes Wachstum in 2012

Wilfried Verstraete, CEO der Euler Hermes Gruppe.

Zürich – Das globale BIP stieg im Jahr 2011 um 2,9% und somit mit deutlich schwächer als im Vorjahr (2010: 4,3%). Mit Ausnahme der Länder Japan, Grossbritannien sowie der Euroländer Griechenland, Portugal, Spanien und Italien kehrten die meisten Regionen, die das globale Wirtschaftswachstum trieben, auf den vor Ausbruch der Krise herrschenden Wachstumspfad zurück.

Das globale Wirtschaftswachstum dürfte sich 2012 leicht auf 2,6% verlangsamen, wobei positive Impulse in allen Regionen mit Ausnahme des Euroraums zu erwarten sind, bevor in 2013 eine Beschleunigung auf 3,1% eintritt, getrieben durch den verbesserten Ausblick für Südeuropa. Drei Faktoren könnten diesen Trend jedoch negativ beeinflussen: die Entwicklung der internationalen finanziellen Spannungen, die Unsicherheiten bezüglich des Ergebnisses der europäischen Sparprogramme sowie die volatilen Öl- und Rohstoffpreise.

2012 dürfte eher ein Jahr der Stabilisierung werden
„Das Jahr 2012 dürfte eher ein Jahr der Stabilisierung werden und weniger ein Jahr der Erholung“,sagt Wilfried Verstraete, Vorsitzender des Euler Hermes Management Boards. „Wir wissen, dass die aufstrebenden Märkte aufgrund der Abschwächung der globalen Nachfrage und somit auch der Exporttätigkeit nicht mehr in der Lage sind, das globale Wirtschaftswachstum so anzutreiben, wie dies im Jahr 2010 noch der Fall war. Darüber hinaus haben die entwickelten Volkswirtschaften noch lange nicht alle Schwierigkeiten überwunden. Dies gilt für die USA, wo sich die konjunkturelle Erholung noch zögerlich gestaltet, und natürlich auch für den Euroraum, der noch mit der Überwindung der Staatsschuldenkrise und den daraus entstehenden politischen Unsicherheiten sowie den Folgen für die Stabilität der Weltwirtschaft kämpft.“

Europa: Rezession im Euroraum, fragiles Wachstum in der übrigen Welt
Im Euroraum dürfte das BIP im Jahr 2012 um ca. -0,3% schrumpfen. Grund dafür sind die Rezession, unter der zwei der bedeutendsten Euroraummitglieder (-1,2% in Italien und -1,3% in Spanien) zu leiden haben, und eine konjunkturelle Verlangsamung in zwei weiteren Euroländern (0,4% in Frankreich und 0,9% in Deutschland). Euler Hermes erwartet, dass der Euroraum im Jahr 2013 die Wende schafft und ein positives Wachstum von ca. 1% erreicht. „Die Länder Südeuropas koppeln sich vom übrigen Europa ab. Wegen der dort eingeführten Sparprogramme besteht ohne Wachstum die Gefahr, und zwar nicht nur für die betroffenen Länder selbst, sondern auch für die anderen Euroländer, dass diese in einen Teufelskreis geraten. Bezüglich der Verschuldung dreht sich heute alles um die Frage, ob die Mitgliedsländer eine griechische Lösung für Länder wie beispielsweise Spanien und Italien bevorzugen, und vor allem ob die Finanzmärkte bereit sind, zur Lösung der Schuldenkrise dieser Länder einen Schuldenschnitt hinzunehmen,“ erklärt Ludovic Subran, Chefvolkswirt bei Euler Hermes.

Grossbritannien ist von Unsicherheiten geprägt
Die Lage in Grossbritannien ist von Unsicherheiten geprägt, da die Wachstumstreiber sowohl intern (schwache Inlandsnachfrage) als auch extern (nur geringer Beitrag des Aussenhandels) sehr fragil sind. Daher bleibt der konjunkturelle Ausblick bei 0,5% im Jahr 2012 (gegenüber 0,7% im Jahr 2011) und 1,3% im Jahr 2013 eher bescheiden. Die Länder Mittel- und Osteuropas, besonders diejenigen, die Mitglieder der Europäischen Union sind, müssen mit einer Abschwächung der wirtschaftlichen Leistung rechnen, so dass das durchschnittliche Wachstum in dieser Region im Jahr 2012 um fast 1,5 Prozentpunkte auf 3% fallen wird, worauf eine Beschleunigung auf 3,5% für das Jahr 2013 folgen dürfte. Polen und Russland dürften stabil bleiben, ersteres aufgrund der robusten Inlandsnachfrage und letzteres wegen der Rohstoffausfuhren.

Amerika: Reale Verbesserungen trotz andauernder Schwächen
Die Erholung der US-Wirtschaft dürfte sich bei einer Wachstumsprognose von 2,0% im Jahr 2012 und 2,1% im Jahr 2013 aufgrund der vergleichsweise robusten Inlandsnachfrage fortsetzen. Die Risiken dieser Entwicklung bleiben jedoch aufgrund des Ausmasses der öffentlichen und der privaten Verschuldung sowie der geldpolitischen Sachzwänge im Inland hoch (Risiko einer Liquiditätsblase und eines neu entfachten Inflationsdrucks). In Lateinamerika dürfte sich das regionale Wirtschaftswachstum wegen der Schwäche der internationalen Märkte, der Rohstoffpreise und der vorangegangenen geldpolitischen Straffung auf 3,3% im Jahr 2012 (gegenüber 4,1% im Jahr 2011) verlangsamen, um sich anschliessend im Jahr 2013 auf 3,7% zu beschleunigen. Brasiliens Wirtschaft dürfte im Jahr 2012 um 3% und im Jahr 2013 um 3,5% wachsen.

Asien: Erholung in Japan durch Wiederaufbau, Abschwächung in China und Indien
Das BIP Japans, das nach den Katastrophen im März 2011 durch den Wiederaufbauprozess beflügelt wird, könnte im Jahr 2012 eine starke Erholung von 1,6% (2011: -0,7%) verzeichnen, um im Folgejahr 2013 eine moderatere Wachstumsrate von 1,1% zu erzielen. Auch wenn das wirtschaftliche Wachstum Indiens und Chinas das der westlichen Länder beträchtlich übersteigt, wird es gegenüber 2011 schwächer ausfallen. Solange die geldpolitische Lockerung anhält, dürfte die chinesische Volkswirtschaft im Jahr 2012 um ca. 8% (gegenüber 9,2% im Jahr 2011) und im Jahr 2012 um 8,5% wachsen, während in Indien eine Steigerung des BIPs von 7% im Jahr 2012 (gegenüber 7,5% im Vorjahr) und von 8% im Jahr 2013 zu erwarten ist. „Chinesische Exporte verlangsamen sich, dürften sich aber in der zweiten Jahreshälfte 2012 wieder beschleunigen, so dass Befürchtungen einer „harten Landung“ der chinesischen Konjunktur wohl unbegründet sind. China verfügt dank seiner Reserven über solide Finanzierungsmöglichkeiten und einen beträchtlichen wirtschaftspolitischen Spielraum. Insbesondere kann das Land die fiskalischen Ventile wieder lockern, um öffentliche Investitionen zu finanzieren und den Inlandsverbrauch zu steigern, “ sagt Ludovic Subran.

Die wesentlichen Risiken
Drei wesentliche Risiken: Übermässige und unkoordinierte Sparmassnahmen, ein Wiederaufflammen der finanziellen Spannungen und steigende Ölpreise. Durch die fehlende fiskalpolitische Abstimmung sowie den Umfang der geplanten Anpassungen vergrössert sich – trotz schwacher inländischer Fundamentaldaten (durchschnittliche Arbeitslosigkeit von 10% im Euroraum sowie hohe, über dem EZB-Ziel liegende Inflation) – das Risiko einer Rezessionsspirale in den europäischen Volkswirtschaften sowie einer Abschwächung der globalen Nachfrage. Eine Rückkehr der finanziellen Spannungen könnte die Wachstumsdynamik beeinträchtigen, da hierdurch eine nachfragegetriebene Erholung verhindert werden würde. Neue, durch die Staatsverschuldung entfachte Spannungen würden durch die Verschlechterung des Ausblicks für die Inlandsnachfrage insbesondere aufgrund der dann folgenden Kreditverknappung die bereits umgesetzten Konsolidierungsbemühungen gefährden. „Sorgen um eine mögliche Kreditverknappung im Euroraum liessen am Jahresanfang nach. Durch die steigenden Renditen auf spanische Staatsanleihen im April sind unsere Bedenken jedoch zurückgekehrt, da die Banken die eingeschränkte Kreditvergabe Ende 2011 auf die steigenden Risiken zurückführten, die sich aus der Staatsverschuldung ergaben,“ erklärt Mahamoud Islam, Ökonom für die Eurozone von Euler Hermes.

Gefährdete Nachhaltigkeit
Die Nachhaltigkeit der Nachfrage ist besonders in den USA sowie in den europäischen Ländern, die Sparmassnahmen umsetzen, durch eine weitere Steigerung des Ölpreises stark gefährdet. Trotz der momentan schwachen Nachfrage ist der Ölpreis seit Jahresanfang stetig gestiegen. Nachdem er im März die Schwelle von USD 120 überschritt, nähert er sich jetzt dem im Jahr 2008 erreichten Hoch (USD 133). Ein weiterer Anstieg des Ölpreises würde sich auf die Nachfrage negativ auswirken, da die ohnehin schwache Lohn- und Gehaltsentwicklung noch mehr unter Druck geraten würde, so dass die Zentralbanken früher als geplant eine geldpolitische Straffung einleiten müssten. Dieser Schritt würde sich wiederum angesichts der schwachen Verfassung der Kreditmärkte nachteilig auswirken. „Die meisten Länder sind netto gesehen Ölimporteure. Sie müssten öffentliche und private Mittel auftreiben, um auf einen starken Preisanstieg zu reagieren. In einigen Ländern wie beispielsweise Frankreich werden Überlegungen angestellt, die Benzinpreise für Endverbraucher zu subventionieren. Es würde sich aber für schwache Volkswirtschaften hierbei um eine problematische und sehr kostspielige Massnahme handeln, “ resümiert Ludovic Subran. (EH/mc/hfu)

Die Euler Hermes Gruppe
ist Weltmarktführer im Kreditversicherungsgeschäft und eine der führenden Gesellschaften in den Bereichen Inkasso und Kautionsversicherung. Mit mehr als 6000 Mitarbeitern in über 50 Ländern bietet Euler Hermes ein komplettes Spektrum an Dienstleistungen für das Forderungs- management an. Der Umsatz 2011 betrug 2,27 Mrd. Euro. Die Euler Hermes Gruppe analysiert die Bonität von über 40 Millionen Unternehmen und versicherte Ende Dezember 2011 weltweit Transaktionen im Wert von 702 Mrd. Euro. Euler Hermes, Tochtergesellschaft der Allianz, ist an Euronext Paris notiert. Die Gruppe und ihre wichtigsten Tochtergesellschaften im Bereich Kreditversicherung erhielten von Standard & Poor’s das Rating AA-.

Euler Hermes Schweiz beschäftigt rund 50 Mitarbeitende an ihrem Hauptsitz in Zürich und den weiteren Standorten in Lausanne und Lugano.

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