Euro-Anleihemarkt auf Entspannungskurs

Anleihemarkt

Frankfurt am Main – Die Lage am europäischen Anleihemarkt entspannt sich zum Wochenausklang weiter. Die Renditen der grossen krisengeschüttelten Euro-Länder Italien und Spanien sind am Freitagvormittag deutlich gesunken. Nach Einschätzung von Experten greifen vor allem Banken beherzt im kurzen Laufzeitbereich zu, um die Titel zu Refinanzierungszwecken als Sicherheit bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zu hinterlegen.

Spaniens Zweijahresrenditen gaben um 44 Basispunkte auf 2,982 Prozent nach und erreichten damit den tiefsten Stand seit mehr neun Wochen. Bei zweijährigen Italienern fiel die Entspannung sogar noch deutlicher aus: Die Renditen sanken um 52 Basispunkte auf 4,852 Prozent. Am Nachmittag wird Premierminister Mario Monti sein Sparpaket im Parlament mit einem Vertrauensvotum verknüpfen – die Zustimmung gilt als sicher.

EZB-Refi treibt Banken auf Käuferseite
Spanien hatte sich am Donnerstag problemlos zu relativ günstigen Konditionen am Primärmarkt refinanzieren können. Drei Anleihen unterschiedlicher Laufzeit spülten insgesamt 6,03 Milliarden Euro in die Staatskasse – fast doppelt soviel wie anvisiert. «Die grosszügige und langfristig ausgerichtete Versorgung der Banken mit Liquidität durch die EZB zahlt sich hier aus», sagte Eugen Keller, Analyst beim Bankhaus Metzler, der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die EZB hatte auf ihrer Zinssitzung in der vergangenen Woche Refinanzierungsgeschäfte über den extrem langen Zeitraum von drei Jahren angekündigt, um die Lage im angeschlagenen Bankensektor zu entschärfen. In der kommenden Woche startet die Aktion. Händler halten es für möglich, dass sich die Institute nun in grossem Stil mit Anleihen eindecken, um diese als Pfand bei der Notenbank hinterlegen zu können.

Tiefere Renditen für Italien und Spanien
Auch in den mittel- und langfristigen Laufzeiten zeigten sich italienische und spanische Anleihen stark erholt. Bei richtungsweisenden Zehnjahrespapieren aus Spanien sanken die Renditen am Freitag um 27 Basispunkte und steuern nun in Richtung der psychologisch wichtigen Marke von 5,0 Prozent. Bei den Pendants aus Italien gaben die Renditen um 18 Basispunkte auf 6,331 Prozent nach. Im fünfjährigen Laufzeitbereich fielen die Rückgänge sogar noch kräftiger aus. Doch auch gegenüber den Stabiltätsankern der Eurozone steigt das Vertrauen der Investoren: Die Renditen für zweijährigen Staatsanleihen aus Deutschland und den Niederlanden fielen auf die tiefsten Stände seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Experten sind sich allerdings nicht einig, ob dies als Signal für erstarktes Vertrauen in den Währungsraum als Ganzes zu interpretieren ist, oder als Zeichen für weiterhin erhöhte Risikoaversion am Markt. (awp/mc/ps)

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