Europäische Versicherungen verfolgen klimafreundliche Anlagepolitik

Nachhaltigkeit
(Photo by Casey Horner on Unsplash)

St. Gallen – Eine Studie der Universität St.Gallen (HSG) zeigt, dass die Mehrzahl der europäischen Versicherungsunternehmen nicht mehr in CO2-emittierende Branchen investiert. Auch die Schweizer Anstalten haben gesamthaft ihr Anlage-Portfolio in den letzten Jahren deutlich grüner ausgestaltet. Die Autoren der Studie plädieren für mehr Transparenz bezüglich klimaschädlichen Versicherungsportfolios und für die Berücksichtigung von Klimarisiken in Finanzkennzahlen.

Anfangs dieser Woche blockierten mehrere Klimaaktivisten und -Aktivistinnen die Eingänge von Grossbanken in Zürich und Basel. Ihr Vorwurf an die Finanzhäuser: Zu viele Investitionen in klimaschädliche Unternehmen. Und auch die Umweltkommission des Ständerates diskutiert aktuell im Rahmen des CO2-Gesetzes über künftige Klima-Massnahmen für die Finanzbranche.

Schweizer Versicherer stellen auf grüne Investitionen um
Neben den Banken stellt auch das Anlagevermögen von Versicherungen einen grossen Hebel für die Energiewende dar. Dieser Hebel hat weltweit eine finanzielle Schlagkraft von 25 Billionen Dollar. Entsprechend dem gesellschaftlichen Trend zu mehr Nachhaltigkeit investiert die Mehrzahl der europäischen Versicherer kaum noch in klimaschädliche Branchen. Dies ist einer der Befunde der Studie, welche von Alexander Braun vom Institut für Versicherungswirtschaft (HSG), Sebastian Utz vom Institut für Operations Research und Computational Finance (HSG) sowie Jiahua Xu von der EPFL durchgeführt wurde. Die Forschungsarbeit untersuchte das Anlagevermögen von 35 europäischen Versicherungen zwischen 2008 und 2018. Über diesen Zeitraum betrachtet, hat die Mehrzahl dieser Unternehmen ihre Aktiven deutlich grüner ausgerichtet. «Man sieht, dass gerade gegen Ende dieser Periode deutlich mehr Versicherer auf den Klima-Zug aufgesprungen sind. Im letzten Jahr hat sich etwa die Hälfte dahingehend merklich verbessert», erklärt Sebastian Utz, einer der Studienautoren von der HSG. Auch die dabei untersuchten fünf Schweizer Versicherungsunternehmen haben über den gesamten Zeitraum ihr Portfolio spürbar klimaneutraler ausgestaltet.

Preis von CO2 wirkt sich auf Aktienkurse aus
Für die Überprüfung der Anlagevermögen untersuchten die Forscher, wie sich Wertsteigerungen bei den gehandelten CO2-Zertifikaten auf den Aktienkurs einer Versicherung ausgewirkt hat. Hat ein Unternehmen viele Aktiven in klimaschädlichen Branchen, sollte sich eine Steigerung des CO2-Preises entsprechend negativ auf den Aktienkurs auswirken und umgekehrt. Aus diesem Zusammenhang entwickelten die Wissenschaftler eine Kennzahl, welche Auskunft darüber geben kann, wie stark das Portfolio einer Versicherung von klimaschädlichen Investitionen geprägt ist.

Massnahmen notwendig, um den CO2-Ausstieg zu beschleunigen
«Man sieht zwar, dass bei europäischen Versicherern gerade im letzten Jahr betreffend CO2-Ausstieg etwas vorangegangen ist, dennoch wäre eine Beschleunigung auch auf globaler Ebene wünschenswert», sagt Sebastian Utz von der HSG. Das Forscherteam schlägt darum drei mögliche Massnahmen vor, um den Übergang zu einer klimaneutralen Versicherungsbranche zu beschleunigen.

Zum einen könnte ein Label geschaffen werden, das nachhaltige Versicherer auszeichnet, ähnlich wie es sie heute bereits für Anlagefonds gibt. Zum anderen müssten auch die Regulationsbehörden aktiv werden. Denkbar wäre etwa, dass Versicherungen neben den bisherigen veröffentlichungspflichtigen Informationen die vom Forscherteam entwickelte Kennzahl publizieren müssen. «Die Transparenz für Stakeholder ist aktuell dürftig und könnte mit diesen Massnahmen gesteigert werden», so Sebastian Utz. Als dritte Massnahme bringt das Forscherteam eine potenzielle Erhöhung der vorgeschriebenen Eigenkapitalanforderungen für klimaschädliches Anlagevermögen ins Gespräch.

Wissenschaftler gewinnen zwei Awards
Für ihre Arbeit gewannen die drei Wissenschaftler den Impact Award der LIFE Klimastiftung Liechtenstein und den Shin Research Excellence Award. Die Studie wird im Oktober 2019 veröffentlicht. (Universtität St. Gallen/mc/pg)

Universtität St. Gallen

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