European Wealth Report – Privatvermögen trotz Pandemie gestiegen

Vermögen
(Adobe Stock)

Zürich – Das Privatvermögen der Europäer ist im Jahr 2020 um 3,9 % gestiegen und hat mit 69 Billionen Euro einen neuen Höchststand erreicht – und das trotz des pandemiebedingten Rückgangs der Wirtschaftsleistung um 6,4 %. Dies verdeutlicht, dass das Vermögen der Europäer schneller wächst als die Wirtschaftsleistung, was zu einer zunehmenden Ungleichheit führt.

Redesigning Financial Services (RFS), ein unabhängiger Think Tank, hat seinen ersten European Wealth Report veröffentlicht. Der von der Privatbank LGT unterstützte Bericht bietet Einblicke in die komplexe Beziehung zwischen dem Wachstum des Vermögens und der Wirtschaftsleistung in den europäischen Ländern, mit besonderem Augenmerk auf die hochgradig disruptiven Auswirkungen der Pandemie im Jahr 2020.

Das Privatvermögen in Europa hat mit 69 Billionen Euro ein Allzeithoch erreicht. Dieser Anstieg des Privatvermögens ist besonders bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass das europäische Wirtschaftswachstum im Jahr 2020 erheblich beeinträchtigt wurde. Die prekären wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie im Jahr 2020 lassen sich vielleicht am besten veranschaulichen, wenn man den Rückgang des realen BIP in Europa um 6,4 % dem Anstieg des Privatvermögens um 3,9 % im selben Jahr gegenüberstellt.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Im Pandemiejahr 2020 erreichte das Vermögen in Europa ein Allzeithoch von 69 Billionen Euro, was einem Anstieg von 3,9% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Auf die Kernländer, Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich und Italien, entfallen mehr als 70% des gesamten Nettovermögens in Europa.
  • Spanien, die Schweiz und Deutschland wiesen mit 94%, 83% bzw. 51% die höchsten prozentualen Zuwächse beim durchschnittlichen Vermögen im letzten Jahrzehnt auf. 14 % der Schweizer Haushalte verfügen über ein Nettovermögen von über 1 Mio. EUR.
  • Der Reichtum ist zunehmend konzentriert. Die reichsten 10% der europäischen Haushalte verfügen über 51% des gesamten europäischen Nettovermögens, während die reichsten 1% der Europäer 19% des gesamten europäischen Vermögens besitzen.
  • Die Vermögenskonzentration ist in den reichen Ländern am höchsten. Die reichsten 10% in der Schweiz, den Niederlanden und Österreich besitzen 64%, 63% und 57% des gesamten Privatvermögens ihres jeweiligen Landes.

Ausblick 2022
Angesichts der noch anhaltenden Auswirkungen der Pandemie und der tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen, vor denen die europäischen Volkswirtschaften stehen, sind die Aussichten für das europäische Wirtschaftswachstum weiterhin wenig ermutigend. Zwar wird für die Jahre 2021 und 2022 eine kräftige wirtschaftliche Erholung erwartet, doch hat die Pandemie in den meisten Ländern zu einem Anstieg der Ungleichheit beigetragen, und es ist unwahrscheinlich, dass sich diese Kluft verringern wird.

Dr. Robert Ruttmann, Vorsitzender von RFS, erklärt: «Wenn man davon ausgeht, dass die Kapitalrendite in der Nähe ihres 200-jährigen Durchschnitts von 4 bis 5 % pro Jahr bleibt, liegt es auf der Hand, dass die Konzentration des europäischen Reichtums in den kommenden Jahren wahrscheinlich noch weiter zunehmen wird. Mit anderen Worten: Die Vermögenden werden wahrscheinlich ein noch grösseres Stück vom wachsenden privaten Vermögenskuchen abbekommen.» Mit Blick auf das Jahr 2022 stellt Zaniyar Sharifi, Geschäftsführer von RFS, fest: „Es wird entscheidend sein, dass Wirtschaftsführer, politische Entscheidungsträger, Investoren und Unternehmer zusammenarbeiten, um ein Umfeld zu schaffen, in dem der aktive Austausch von Ideen die Grundlage für den sozialen Fortschritt in Europa bildet.“ (RFS/mc/pg)

European Wealth Report

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