EZB unter Druck: Preise und Inflationserwartungen im Sinkflug

Inflation Eurozone
(Bild: © fotomek / fotolia.com)

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Luxemburg – Die Europäische Zentralbank (EZB) gerät immer stärker unter Druck. Trotz zweier grosser Lockerungsrunden seit vergangenem Sommer wollen Konjunktur und Inflation nicht anspringen. Im Gegenteil: Die wirtschaftliche Dynamik schwächt sich ab, während die Preisentwicklung ebenso nach unten zeigt wie die erwartete Inflation. Immer mehr Analysten gehen deswegen davon aus, dass die EZB früher oder später ihr schärfstes Schwert im Kampf gegen Wachstumsschwäche und Niedriginflation ziehen wird: Massive Käufe privater und öffentlicher Wertpapiere, im Fachjargon «Quantitative Lockerung» genannt.

Im September fiel die jährliche Inflationsrate nach Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat vom Donnerstag weiter zurück. Mit 0,3 Prozent liegt die Teuerungsrate so tief wie seit fast fünf Jahren nicht mehr. Nennenswerter Preisauftrieb kommt derzeit nur aus dem Dienstleistungsbereich, wo sich die Preise zum Vorjahresmonat um etwas mehr als ein Prozent erhöhten. Die Energiepreise fielen dagegen abermals deutlich um mehr als zwei Prozent zurück. Nahrungsmittel und Industriewaren verteuerten sich mit 0,3 und 0,2 Prozent nur unwesentlich.

Inflationsgefälle weiterhin steil
Das Inflationsgefälle im Währungsraum ist dabei nach wie vor steil: In Ländern wie Griechenland, Spanien und Italien fallen die Preise. In Finnland, Österreich und Lettland liegt die Inflationsrate dagegen über ein Prozent, in Deutschland nur leicht darunter. Unter dem Strich ist der Preisauftrieb aber auch in wirtschaftlich robusteren Ländern ungewöhnlich schwach.

Einziger Lichtblick für die EZB: Die Kernrate, die schwankungsanfällige Komponenten ausklammert und den grundlegenden Preistrend wiedergibt, lag etwas höher als befürchtet. Mit 0,8 Prozent schwächte sie sich im Vergleich zum August zwar ab. Allerdings hatte Eurostat in einer ersten Schätzung von Ende September noch eine Kernrate von 0,7 Prozent ermittelt. Dennoch liegt auch die bereinigte Inflation im längeren Vergleich sehr niedrig.

Druck von mehreren Seiten
Der Druck auf die EZB ist gleich von mehreren Seiten hoch: Einerseits schwächt sich die Konjunktur besonders in grossen Euroländern wie Deutschland, Frankreich oder Italien ab. Das dämpft den ohnehin schwachen Preisauftrieb zusätzlich. Andererseits wachsen an den Finanzmärkten die Zweifel, dass die Notenbank ihr selbst gesetztes Preisziel von knapp zwei Prozent Inflation auf längere Sicht erreicht. Die an den Märkten erwartete Inflation, die aus speziellen Finanzprodukten errechnet werden kann, ist in dieser Woche erstmals unter die Marke von 1,8 Prozent gefallen.

«Der Markt verliert zunehmend das Vertrauen in die Fähigkeit der EZB, die Inflationsrate positiv zu beeinflussen», heisst es in einem Kommentar von Volkswirten der Commerzbank. Ohnehin steht die EZB unter Zugzwang, da sie ihr Preisziel schon seit Anfang 2013 verfehlt. Deswegen hat sie ihre Geldpolitik massiv gelockert, seit vergangenem Sommer sogar gleich zweimal. Dennoch könnte die Notenbank nach Meinung von Beobachtern zu drastischen Mitteln greifen. Bankvolkswirte halten es für gut möglich, dass die EZB im kommenden Jahr in den breitangelegten Kauf von Wertpapieren wie Staatsanleihen einsteigt. (awp/mc/upd/ps)

 

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