EY: Boom auf dem weltweiten IPO-Markt hält an

EY: Boom auf dem weltweiten IPO-Markt hält an
Tobias Meyer, Leiter Transaction Accounting und IPO Services bei EY Schweiz. (Foto: EY)

Zürich – Das aktuelle IPO-Barometer von EY Schweiz zeigt, dass sich der weltweite IPO-Markt auch im zweiten Quartal dieses Jahres in hervorragender Verfassung befindet: Insgesamt vollzogen zwischen April und Juni weltweit 589 Unternehmen den Börsengang – dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Das Emissionsvolumen kletterte um 152 Prozent auf 106 Milliarden US-Dollar.

Das stärkste Wachstum wurde in Europa registriert: Im Vergleich zum Vorjahresquartal hat sich die Zahl der Börsengänge von 27 auf 142 mehr als verfünffacht, das Emissionsvolumen stieg von 6,4 auf 21,1 Milliarden US-Dollar (plus 228 Prozent). „Die hohen Bewertungsniveaus und eine geringere Volatilität sorgen derzeit für eine positive Stimmung der Investoren und einen regelrechten Ansturm auf die Börsen“, sagt Tobias Meyer, Leiter Transaction Accounting und IPO Services bei EY Schweiz.

Die meisten Börsengänge wurden erneut in China (einschliesslich Hongkong) registriert: Dort gingen im zweiten Quartal 161 Unternehmen an die Börse, das sind 81 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Emissionsvolumen stieg um 66 Prozent auf 30,9 Milliarden US-Dollar. Auch in den USA entwickelte sich das IPO-Geschehen sehr dynamisch: Sowohl die Zahl der IPOs als auch das Emissionsvolumen haben sich mehr als verdoppelt: von 41 auf 114 IPOs bzw. von 15,2 auf 37,1 Milliarden US-Dollar.

Im ersten Halbjahr zogen vor allem Tech-Unternehmen das Interesse der Investoren auf sich: Gut jeder vierte Börsengang weltweit (27 Prozent) und sogar 39 Prozent des gesamten Emissionsvolumens entfielen auf Technologieunternehmen. „Der Digitalisierungstrend, der durch die Pandemie enorm verstärkt wurde, rückt digitale Geschäftsmodelle in den Fokus von Investoren“, beobachtet Meyer.

Zwei Börsengänge an der Schweizer Börse
Während im ersten Quartal dieses Jahres keine Börsengänge an der Schweizer Börse SIX verzeichnet werden konnten, waren es im zweiten Quartal zwei. Mit den Börsengängen von PolyPeptide Group AG und Montana Aerospace konnte ein Emissionsvolumen von 1,5 Milliarden US-Dollar erzielt werden. Die drei in der Schweiz ansässigen Unternehmen VectivBio Holding AG, Molecular Partners AG und NLS Pharmaceutics Ltd gingen in den USA an die Technologie-Börse Nasdaq und die Trifork Holding AG liess sich in Kopenhagen an der Nasdaq Copenhagen A/S kotieren.

Auch in der zweiten Jahreshälfte erwartet Meyer wieder IPO-Transaktionen: „Wir werden bis Ende Herbst 2021 weitere IPOs an der Schweizer Börse sehen, mehrere Unternehmen befinden sich in den letzten Vorbereitungen für einen Börsengang.“

Fast 370 SPAC-Emissionen weltweit im ersten Halbjahr
Nach wie vor geniessen sogenannte SPACs (Special Purpose Acquisition Companies) grosses Interesse: 305 dieser Mantelgesellschaften wurden im ersten Quartal erstmals gelistet und erzielten ein Emissionsvolumen von 98,6 Milliarden US-Dollar. Im zweiten Quartal gab es 63 derartige Transaktionen mit einem Volumen von 13,4 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2020 waren 255 Emissionen mit einem Gesamtvolumen von 81,5 Milliarden US-Dollar registriert worden. Von den 368 SPAC-Emissionen im ersten Halbjahr 2021 entfielen 350 auf US-Börsen. „Nach wie vor sind SPACs weitgehend ein US-Phänomen, aber das Interesse ist auch hierzulande gross“, sagt Meyer. In Europa wurden im Jahr 2020 insgesamt sechs SPAC-Emissionen gezählt, im ersten Halbjahr 2021 waren es schon 18 mit einem Emissionsvolumen von insgesamt 5,0 Milliarden US-Dollar. Davon fanden drei Transaktionen in Deutschland statt, die insgesamt 937 Millionen US-Dollar einbrachten. An der Schweizer Börse waren bisher noch keine SPAC-Transaktionen zu verzeichnen.

Der SPAC-Boom in den USA werde den Transaktionsmarkt weiter aufmischen, erwartet Meyer: „Diese gelisteten Mantelgesellschaften sind nun auf Akquisitionstour auch in Europa. Es kann mit mehr indirekten Börsengängen von europäischen Kandidaten über diesen Weg und überwiegend in den USA gerechnet werden.“

Die grössten Börsengänge im ersten Halbjahr
Der grösste Börsengang des bisherigen Jahresverlaufs fand in Hongkong statt: Die Kurzvideoplattform Kuaishou Technology löste im Februar 6,2 Milliarden US-Dollar. An zweiter Stelle rangiert die Erstnotiz des südkoreanischen Onlinehändlers Coupang mit einem Emissionsvolumen von 4,6 Milliarden US-Dollar, gefolgt vom Börsengang des polnischen Paketdienstleisters InPost (3,9 Milliarden US-Dollar) und dem IPO der Warenhaus- und Logistik-Sparte von JD.com (3,6 Milliarden US-Dollar). Nachdem im ersten Halbjahr 2020 weltweit nur 14 Transaktionen oberhalb der 1-Milliarde-Grenze gezählt worden waren, gab es in den ersten sechs Monaten dieses Jahre 42 derart grosse Transaktionen. (EY/mc)

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