EY: Flaute auf dem weltweiten IPO-Markt hält an

Jolanda Delente
Jolanda Dolente, Leiterin Financial Accounting Advisory Services bei EY in der Schweiz. (Foto: EY)

Zürich – Angesichts politischer Unsicherheiten und einer sich abschwächenden Konjunktur sind Unternehmen derzeit mit Börsengängen zurückhaltend: Im –traditionell sowieso wenig aktiven – dritten Quartal wurden weltweit 256 Börsengänge erzielt, 24 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das Emissionsvolumen sank um 22 Prozent auf 40 Milliarden US-Dollar.

In China lagen die Emissionserlöse mit 19 Milliarden US-Dollar deutlich – um 32 Prozent – unter dem Niveau des starken Vorjahresquartals. Die Zahl der IPOs stieg hingegen von 83 auf 88, auch dank der erfolgreich neu eingeführten Technologiebörse STAR. Der US-Markt entwickelte sich mit 39 IPOs (minus 30 Prozent) und einem Emissionsvolumen von zwölf Milliarden US-Dollar (minus sechs Prozent) ebenfalls schwach.

Dagegen lagen in Europa die Einnahmen aus Börsengängen mit 3,5 Milliarden US-Dollar auf Vorjahresniveau. Allein der IPO des deutschen Software-Unternehmens Teamviewer hatte dabei ein Volumen von rund 2,2 Milliarden US-Dollar – damit fand der weltweit zweitgrösste Börsengang dieses Quartals in Europa statt. Insgesamt ging die Zahl der IPOs an europäischen Börsen jedoch um 42 Prozent von 38 auf 22 zurück – vor allem aufgrund der sehr schwachen Entwicklung an den britischen Börsen, wo nur noch ein Börsengang stattfand. In der Schweiz fanden zwischen Juli und September 2019 keine Börsengänge statt.

Technologie-Aktien im Fokus des Investoreninteresses
Von den weltweit zehn grössten Börsengängen des gesamten laufenden Jahres entstammten sechs dem Technologie-Sektor; 36 Prozent des gesamten Emissionsvolumens entfielen auf Technologie-IPOs. Die grösste Transaktion des Jahres war der Börsengang des US-Fahrdienstvermittlers Uber mit einem Volumen von 8,1 Milliarden US-Dollar. Die Teamviewer-Transaktion belegt im bisherigen Jahresverlauf den fünften Rang in der Top-10-Liste. Traton (Volumen: 1,6 Milliarden US-Dollar) ist das bisher einzige Industrieunternehmen unter den Top-IPOs des Jahres 2019.

Das sind Ergebnisse des aktuellen weltweiten IPO-Barometers des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY.

«Der weltweite IPO-Markt befindet sich im Wartemodus», analysiert Jolanda Dolente, Leiterin Financial Accounting Advisory Services bei EY in der Schweiz. «Derzeit wagen sich vor allem Technologie- oder Gesundheitsunternehmen aus der Deckung – für IPO-Kandidaten aus anderen Branchen ist die Situation hingegen schwierig. Die Investoren sind wählerisch und sehr vorsichtig.»

Die Aussichten für das traditionell besonders aktive vierte Quartal seien gemischt, ergänzt Dolente. «Einerseits sorgt in Europa der Brexit weiterhin für Unsicherheit, weltweit dämpft der chinesisch-amerikanische Handelskonflikt das Vertrauen der Investoren, und schwache Wirtschaftsdaten führen immer wieder zu Konjunktursorgen. Andererseits führt die nun länger als erwartet andauernde Niedrigzins-Politik grosser Notenbanken für weiteren Anlagendruck auf Seite der Investoren.» Vor diesem Hintergrund wachse die Pipeline hochwertiger IPO in Wartestellung weiter an – auch in der Schweiz, wo seit Jahresbeginn vier IPOs stattfanden: Aluflexpack, Stadler Rail, Alcon und Medacta Group.

Kräftige Kursgewinne vor allem in Asien
Immerhin konnten sich Investoren im dritten Quartal insgesamt erneut über zum Teil kräftige Kursgewinne freuen: Vor allem in Asien, wo Kursplus der Börsenneulinge am ersten Handelstag bei 51 Prozent lag, auf den amerikanischen Märkten immerhin noch bei 16 Prozent und in Europa von drei Prozent. Bei Investoren, welche die neuen Aktien seit dem Ausgabetag halten, beläuft sich das Plus derzeit auf 71 Prozent in Asien, elf Prozent an den amerikanischen Märkten und zehn Prozent in Europa. «Die Kursentwicklung der Börsenneulinge war mehrheitlich gut und in vielen Märkten deutlich besser als die allgemeine Entwicklung der grossen Aktienindizes», betont Jolanda Dolente von EY Switzerland. «Anleger haben also insgesamt gute Erfahrungen bei ihren Investments gemacht. Hinzu kommt der hohe Anlagedruck, es ist viel Geld im Markt, dass nach Anlagechancen sucht. Alles in allem erwarten wir daher weltweit eine steigende IPO-Aktivität im anstehenden vierten Quartal.» (EY/mc/ps)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.