EY: Weltweiter IPO-Markt boomt im ersten Semester

Roger Müller
EY-Partner Roger Müller. (Foto: EY)

Zürich – Gute Konjunkturaussichten und Rekordstände an den internationalen Börsen haben trotz geopolitischen Unsicherheiten im ersten Halbjahr 2017 für einen Boom bei den Börsengängen gesorgt: Die Zahl der IPOs stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 70 Prozent auf 772. Und das Emissionsvolumen wuchs sogar um 90 Prozent auf 83,4 Milliarden US-Dollar, wie dem aktuellen IPO-Barometer des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY zu entnehmen ist. Gemessen an der Zahl der Börsengänge handelte es sich um das stärkste erste Halbjahr seit 2007 – damals waren in der ersten Jahreshälfte weltweit 948 IPOs gezählt worden.

Nach wie vor gibt China den Takt vor: Insgesamt verzeichneten die chinesischen Börsen (einschliesslich Hong Kong) 317 Neuzugänge – nach gerade mal 100 IPOs im Vorjahreszeitraum – damit fanden 41 Prozent aller weltweiten IPOs in China statt. Das Emissionsvolumen an den chinesischen Börsen stieg von 10,0 auf 25,4 Milliarden US-Dollar.

IPO-Märkte weltweit im Aufwind
Aber auch in den Vereinigten Staaten zeigt der Trend nach oben: Die Zahl der Börsengänge wuchs um 82 Prozent auf 80, das Emissionsvolumen hat sich sogar von 7,0 auf 22,0 Milliarden US-Dollar mehr als verdreifacht. In Europa lag das Emissionsvolumen mit 17,5 Milliarden US-Dollar leicht – um fünf Prozent – über dem Vorjahresniveau, die Zahl der IPOs stieg um acht Prozent auf 122, wobei sich der britische Markt relativ schwach zeigte: Hier gab es mit 33 Transaktionen genauso viele Börsengänge wie im Vorjahr, der Emissionserlös sank um 15 Prozent auf 3,2 Milliarden US-Dollar.

«Der weltweite IPO-Markt zeigt sich derzeit sehr stark», kommentiert Roger Müller, Partner und IPO Leader bei EY Schweiz. «Alle wichtigen Märkte verzeichnen Zuwächse, die allerdings in China besonders massiv ausfallen. Dort bemühen sich die Aufsichtsbehörden derzeit, die IPO-Pipeline zügiger abzuarbeiten und Zulassungen zu beschleunigen. Aber auch der US-Markt kommt nach einer längeren Durststrecke wieder in Fahrt.»

In Europa habe sich die Situation in den letzten Monaten aufgehellt, so Müller: «Zurzeit entwickeln sich sowohl die Börsen als auch die Konjunktur in Europa positiv. Die politischen Risiken sind spürbar gesunken und die Unsicherheiten durch die anstehenden Brexit-Verhandlungen werden realistischer eingeschätzt. Wir sehen hohes Konsumentenvertrauen, steigende Unternehmensgewinne und eine zunehmende Investitionsbereitschaft aufseiten der Unternehmen. Das sind gute Rahmenbedingungen für den IPO-Markt.»

Grösster europäischer IPO – Schweizer Gesamtmarkt zieht an
Im zweiten Quartal 2017 gab es die ersten IPOs an der Schweizer Börse in diesem Jahr: Unter anderem brachte die Gesundheitsgruppe Galenica Santé ihr Logistik- und Apothekengeschäft an die Schweizer Börse. Die in Bern ansässige Firma konnte mit dem Börsengang fast 1,9 Milliarden US-Dollar einnehmen. Galenica Santé ist damit in Europa der IPO mit dem grössten Volumen, deutlich vor dem französischen Autoleasing-Anbieter ALD, der 1,3 Milliarden US-Dollar einbrachte. Mitte Juni gab auch die in Allschwil ansässige Idorsia Ltd ihr Börsendebüt an der SIX, allerdings hat kein öffentliches Angebot zum Kauf der Namenaktien stattgefunden. Idorsia wurde im März 2017 als 100-prozentige Tochtergesellschaft von Actelion gegründet und hat einen Grossteil der Medikamenten-Pipeline von Actelion übernommen. Das Biotechunternehmen erreichte bei Börsenstart eine Marktkapitalisierung von knapp 1,1 Milliarden US-Dollar und ist damit der drittgrösste Börsengang in Europa.

Die weltweit grössten Börsengänge im ersten Halbjahr waren die Erstnotiz des Instant-Messaging-Dienstes Snap im Volumen von 3,9 Milliarden US-Dollar, gefolgt von Netmarble, einem südkoreanischen Entwickler von Online-Spielen, der 2,3 Milliarden US-Dollar einbrachte. An dritter Stelle steht der chinesische Broker Guotai Junan, der bei seinem Börsengang 2,2 Milliarden US-Dollar erlöste. Von den zehn grössten Börsengängen weltweit fanden drei in Nordamerika statt, fünf in Asien und zwei in Europa.

Roger Müller bewertet das Schweizer IPO-Halbjahr folgendermassen: «Nach einem ereignislosen erstem Quartal können wir sehr erfolgreiche Börsengänge verzeichnen, die auch im weltweiten Vergleich zu den Top 10 gehören. Erneut zeigte sich der Life Sciences Sektor am aktivsten.» Müller sieht auch für den weiteren Jahresverlauf gute Bedingungen für weitere Schweizer IPOs: «Für den Juli hat bereits ein Unternehmen einen IPO an der SIX angekündigt. Ausserdem zieht die Konjunktur auch in Europa wieder an und die grossen Unsicherheiten haben abgenommen. Es können durchaus einige Schweizer Börsengänge im zweiten Halbjahr folgen.» (EY/mc)

Über die globale EY-Organisation
Die globale EY-Organisation ist eine Marktführerin in der Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Transaktionsberatung und Rechtsberatung sowie in den Advisory Services. Wir fördern mit unserer Erfahrung, unserem Wissen und unseren Dienstleistungen weltweit die Zuversicht und die Vertrauensbildung in die Finanzmärkte und die Volkswirtschaften. Für diese Herausforderung sind wir dank gut ausgebildeter Mitarbeitender, starker Teams sowie ausgezeichneter Dienstleistungen und Kundenbeziehungen bestens gerüstet. Building a better working world: Unser globales Versprechen ist es, gewinnbringend den Fortschritt voranzutreiben – für unsere Mitarbeitenden, unsere Kunden und die Gesellschaft.

Die globale EY-Organisation besteht aus den Mitgliedsunternehmen von Ernst & Young Global Limited (EYG). Jedes EYG-Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen. Ernst & Young Global Limited ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht und erbringt keine Leistungen für Kunden.

Die EY-Organisation ist in der Schweiz durch die Ernst & Young AG, Basel, an zehn Standorten sowie in Liechtenstein durch die Ernst & Young AG, Vaduz, vertreten. «EY» und «wir» beziehen sich in dieser Publikation auf die Ernst & Young AG, Basel, ein Mitgliedsunternehmen von Ernst & Young Global Limited.

EY in der Schweiz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.