EZB-Bankeinlagen steigen erstmals über 500 Mrd Euro

EZB

Frankfurt am Main -Die Banken des Euroraums nutzen die Europäische Zentralbank (EZB) immer stärker als «Tresor» für ihre überschüssige Liquidität. Am Dienstag stiegen die kurzfristigen «Übernacht-Einlagen» der Institute erstmals über die Schwelle von 500 Milliarden Euro, wie die EZB in Frankfurt mitteilte.

Zuletzt parkten die Banken für einen Tag die Rekordsumme von 501,93 Milliarden Euro bei der Notenbank, nach 493,27 Milliarden Euro zu Wochenbeginn. Damit liegt die «Vorsichtskasse» der Geldhäuser fast tausendmal so hoch wie im Durchschnitt des Jahres 2007 – also vor der ersten Finanzkrise 2008. Das ist ein Zeichen des hohen Misstrauens der Banken untereinander und zudem Ausfluss der aktuell hohen Liquidität im Bankensektor.

Höchststand 2007 bei 9,1 Mrd Dollar
Zum Vergleich: Im Jahr 2007 galt es schon als ungewöhnlich, wenn die eintägigen Einlagen im einstelligen Milliardenbereich lagen. Der Höchststand hatte in diesem Jahr lediglich 9,1 Milliarden Euro betragen. Im Durchschnitt lag der Wert jedoch deutlich niedriger bei 540 Millionen Euro – rund ein tausendstel des aktuellen Werts. Lange Zeit hatte der Höchststand 485 Milliarden Euro betragen. Er wurde im Sommer 2010 erreicht. Diesen Rekord hatten die Einlagen aber bereits Anfang 2012 überschritten.

Vorsichtskasse seit 2007 stark gestiegen
Dass die Krisenstimmung unter den Instituten massgeblich deren Vorsichtskasse bei der EZB beeinflusst, zeigt ein Vergleich der letzten Jahre: Ausgehend vom Jahr 2007 stieg die durchschnittliche Kassenhaltung von 540 Millionen auf knapp 50 Milliarden Euro ein Jahr später. Im Jahr 2009 lag der Wert schon bei knapp 110 Milliarden Euro. Im Jahr 2010 stiegen die eintägigen Einlagen im Durchschnitt dann auf 145 Milliarden Euro, bevor sie im vergangenen Jahr auf durchschnittlich 102 Milliarden Euro zurückgingen. Im noch jungen Jahr 2012 haben die Banken im Durchschnitt 467 Milliarden Euro bei der Notenbank geparkt.

Banken misstrauen sich
Die eintägigen Einlagen Banken bei der EZB gelten als Zeichen für das Misstrauen der Institute untereinander. Normalerweise greifen Banken kaum auf dieses sehr kurzfristige Geschäft zurück, da die Konditionen ungünstig sind. Der direkte Geldhandel zwischen den Banken funktioniert zurzeit aber nicht wie gewohnt. Grund ist das starke Engagement der Institute in Staatsanleihen angeschlagener Euro-Länder. Darüber hinaus ist die Liquidität im Bankensektor derzeit aussergewöhnlich hoch. Ende 2011 die EZB mit einem Dreijahreskredit fast 500 Milliarden Euro in das Bankensystem gepumpt. Ein Teil dieses Geldes scheinen die Banken über Nacht bei der EZB zu halten. (awp/mc/pg)

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