EZB dämpft Deflationssorgen – doch Ökonomen senken Prognosen deutlich

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EZB-Eurotower in Frankfurt. (© VRD – Fotolia.com)

Frankfurt am Main – Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Sorgen vor einem drastischen Preisverfall im Euroraum gedämpft. Von der Notenbank befragte Experten kürzten ihre Inflationsprognosen jedoch deutlich. Das geht aus dem am Donnerstag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht der Währungshüter hervor. Einige Ökonomen erwarten bereits im nächsten Monat eine erneute Zinssenkung.

Die EZB gibt sich in der Debatte um Deflationsgefahr im Euroraum gelassen: Der überraschende Rückgang der Inflationsrate sei in erster Linie auf die Entwicklung der Energiepreise zurückzuführen gewesen, heisst es im Monatsbericht. Im Januar lag die Teuerungsrate bei ungewöhnlich niedrigen 0,7 Prozent. Das hatte neue Sorgen vor einer Deflation entfacht, also einer Spirale sinkender Preise, bei der Verbraucher und Unternehmen in Erwartung weiterer Rückgänge in einen Käufer- und Investitionsstreik treten.

«Inflationserwartungen mit Stabilitätsziel im Einklang»
Die EZB verfolgt ein Inflationsziel von knapp zwei Prozent. Der Preisauftrieb dürfte jedoch nach Einschätzung der Notenbank auf mittlere Sicht niedrig bleiben. Die EZB betont aber, dass die Inflationserwartungen nach wie vor fest auf einem Niveau verankert seien, das mit dem Stabilitätsziel im Einklang stehe.

Laut von der EZB befragten Ökonomen dürfte der Preisauftrieb im Euroraum allerdings deutlich niedriger bleiben als bislang angenommen. Die Experten rechnen damit, dass die Inflationsrate 2014 im Schnitt bei lediglich 1,1 Prozent liegen wird. Auch 2015 dürfte sie mit 1,4 Prozent auf geringem Niveau verharren. Im Vergleich zum November korrigierten die Ökonomen ihre Vorhersagen um 0,4 beziehungsweise 0,2 Prozentpunkte nach unten. Die erstmals abgefragten Erwartungen für 2016 liegen bei 1,7 Prozent und damit immer noch unter dem Zielwert der EZB.

Tür für weitere geldpolitische Lockerung bleibt offen
Obwohl die Notenbank keine ernsthafte Gefahr einer deflationären Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und schwachem Wachstum sieht, hält sie sich die Tür für eine weitere geldpolitische Lockerung offen. «Zu den mittelfristigen Inflations- und Wachstumsaussichten werden Anfang März weitere Informationen und Analysen vorliegen», heisst es im Monatsbericht. Dieses Datenmaterial könnte nach Einschätzung von Volkswirten die Grundlage für weitere Massnahmen schaffen.

Die Analysten der Commerzbank rechnen damit, dass die Währungshüter sich auf ihrer nächsten Sitzung mit einer weiteren Zinssenkung gegen die schwache Teuerung stemmen. Seit November liegt der Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent. Bereits damals hatte die EZB auf die niedrige Inflation reagiert.

EZB: Risiken bleiben abwärtsgerichtet
Als Zünglein an der Waage, das die EZB von weiteren Lockerungen abhalten könnte, gilt der Wachstumsausblick. «Die überraschend positive Entwicklung der Stimmungsindikatoren stellt bisher das grösste Risiko für unsere Prognose einer Zinssenkung im März dar», sagt Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert. Die EZB bekräftigt aber im Monatsbericht, die Risiken für den Wirtschaftsausblick im Eurogebiet blieben abwärtsgerichtet. (awp/mc/ps)

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