EZB nimmt ab November 124 Banken unter die Lupe

Mario Draghi

EZB-Chef Mario Draghi. (Foto: EZB)

Frankfurt am Main – Vor dem Start der europäischen Bankenaufsicht will die Europäische Zentralbank (EZB) die Bilanzen von 124 der grössten Geldhäuser im Euro-Raum genau durchleuchten. In Deutschland wollen die Währungshüter 24 Institute genauer unter die Lupe nehmen, darunter die Deutsche Bank , die Commerzbank , die DZ Bank und Landesbanken, wie die EZB mitteilte. Die Überprüfung soll im November beginnen und einschliesslich Stresstest etwa ein Jahr dauern. Im November 2014 soll die EZB dann die Aufsicht über diese Institute übernehmen.

Eine einheitliche umfassende Bewertung aller bedeutenden Banken sei ein wichtiger Schritt nach vorn für Europa und die Zukunft der Wirtschaft der Eurozone, sagte EZB-Chef Mario Draghi. Transparenz sei oberstes Ziel. «Wir gehen davon aus, dass durch die Bewertung das Vertrauen des privaten Sektors in die Solidität der Banken des Eurogebiets und in die Qualität ihrer Bilanzen gestärkt wird.»

Mindestens 8 Prozent hartes Eigenkapital
Die EZB wird damit künftig die Oberhoheit über Banken haben, die gemessen an der Bilanzsumme rund 85 Prozent des Bankenbranche in der Eurozone ausmachen. Die Währungshüter verlangen bei der Überprüfung von den Instituten eine sogenannte harte Kernkapitalquote von acht Prozent als Puffer gegen Krisen. Das heisst, dass Banken ihre Risikopositionen mit mindestens 8 Prozent Eigenkapital untermauern müssen.

Drei Schritte
Die EZB-Prüfung der Banken unter dem englischen Namen Comprehensive Assement läuft in drei Schritten. Zunächst werden die Risiken bewertet. Dem folgt eine Bilanzprüfung, bei der es um die Qualität und die Bewertung der Anlagen der Institute geht.

Als dritter Punkt ist ein Stresstest vorgesehen. Dabei wird die EZB zusammen mit der europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA ein Krisenszenario entwickeln, um die Widerstandsfähigkeit der Banken zu prüfen. Wie mit Banken umgegangen werden soll, die in der Überprüfung schlecht abschneiden, ist noch unklar. Während Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem der Auffassung ist, dass der eigentlich nur für Staaten vorgesehene Schutzschirm ESM einspringen könnte, ist Deutschland dagegen.

Umstrittene Punkte
In der vergangenen Woche hatten die EU-Finanzminister den Weg für die Bankenaufsicht durch die EZB freigemacht. Diese ist die erste Säule der europäischen Bankenunion. Mit dem Riesenvorhaben soll verhindert werden, dass Banken in neue Schieflagen kommen und damit ganze Staaten gefährden. Umstritten ist weiter die zweite Säule der Bankenunion, ein gemeinsames System zur Sanierung oder Schliessung von maroden Banken. Ebenfalls in weiter Ferne liegt das dritte Standbein, eine gemeinsame Einlagensicherung. (awp/mc/pg)

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