EZB-Vize Constancio: Juni-Entscheidung hängt von Inflationsprognosen ab

Vítor Constâncio

EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio.

Wien –  Ob die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik im Juni weiter lockern wird, hängt nach Worten von Notenbankvize Vitor Constancio von den dann vorliegenden Inflationsprojektionen des EZB-Mitarbeiterstabs ab. Das sagte der Portugiese am Montag auf einer Konferenz in Wien. Die mittelfristigen Inflationserwartungen seien zwar weiter «fest verankert». «Blickt man jedoch auf die nächsten vier Jahre, dann sind sie gesunken – und das ist Ausdruck des Risikos eines zu langen Zeitraums geringer Inflation.»

EZB-Chef Draghi hatte vergangenen Donnerstag durchblicken lassen, dass die Notenbank ihre Geldpolitik bereits im Juni weiter lockern könnte. Konkrete Schritte liess er offen. Draghi verwies mehrfach auf den starken Euro und bezeichnete ihn als «Grund zu ernsthafter Sorge». Ein hoher Wechselkurs verbilligt Einfuhren und übt damit Druck auf das Preisniveau aus. Zum anderen sagte Draghi, der Zentralbankrat sei «unzufrieden» mit dem Inflationsausblick. Die EZB erwartet eine längere Phase niedriger Inflation. Erst Ende 2016 dürfte sich die Teuerung wieder ihrem Zielwert annähern.

Inflationserwartungen im Rahmen von 2 Prozent halten
Constancio sagte nun, es sei sehr wichtig, dass die EZB die Inflationserwartungen stabil und in der Nähe ihres Zielwerts von knapp zwei Prozent halte. Die laufende Teuerung im Euroraum liegt zurzeit mit 0,7 Prozent deutlich unter dem Zielwert der EZB. Die Inflationserwartungen professioneller Beobachter bewegen sich zwar noch in der Nähe des Notenbankziels. Die an Finanzinstrumenten messbaren Erwartungen sind in den letzten Monaten aber spürbar gesunken. Einige Analysten sehen deshalb die Gefahr, dass der Euroraum in eine Phase mit auf breiter Front fallenden Preisen (Deflation) abgleiten könnte. (awp/mc/cs)

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