EZB will Kreditdaten von Banken veröffentlichen

Mario Draghi

EZB-Präsident Mario Draghi.

Frankfurt am Main – Die Europäische Zentralbank (EZB) will einem Pressebericht zufolge künftig mehr Angaben über die bei ihr von Geschäftsbanken hinterlegten Sicherheiten veröffentlichen. Wenn Banken forderungsbesicherte Anleihen (Asset-Backed Securities, ABS) als Pfand bei der Notenbank geben, um sich bei ihr Geld zu leihen, müssen sie die Daten der Kredite offenlegen, die in diesen Wertpapieren enthalten sind, wie die «Financial Times Deutschland» (FTD/Montag) schreibt. Damit will die EZB verhindern, dass ihr Schrottpapiere als Sicherheiten hinterlegt werden.

Von Sommer an müssen Geldinstitute laut «FTD» Details zu den von ihnen vergebenen Krediten an eine privatwirtschaftlich organisierte Sammelstelle melden. Betroffen seien eben jene Kredite, die die Banken als Sicherheit für Liquiditätshilfen an die EZB weitergeben. Gegen eine Gebühr solle jedermann Zugriff auf die Datenbank bekommen. Zunächst werden dem Blatt zufolge nur Kredite für Wohnimmobilien erfasst, später sollten Firmen- und Verbraucherkredite folgen. Mit den Daten wolle die EZB – ähnlich wie eine Ratingagentur – die Qualität der Wertpapiere einschätzen.

Banken sehen Geschäftsgeheimnis in Gefahr

Den Banken geht die EZB-Datensammlung laut «FTD» indes zu weit. Sie fürchteten, dass ihre Kreditmodelle öffentlich werden. Zudem sähen sie ihr Geschäftsgeheimnis in Gefahr. Zwar versichere die EZB, in der Datenbank keine personenbezogenen Angaben zu speichern. Es könne allerdings eingegrenzt werden, zu welchen Konditionen ein Geldinstitut in einem Grossraum beispielsweise Kredite für Einfamilienhäuser vergibt.

ABS-Anleihen von mehr als 500 Mrd Euro im Depot

ABS-Anleihen werden von Geschäftsbanken verstärkt als Sicherheit genutzt, um sich frisches Geld von der Notenbank zu leihen. Die EZB hat inzwischen verbriefte Forderungen über rund 500 Milliarden Euro im Depot. Viele der Papiere werden nicht gehandelt. Die EZB fürchtet daher, sie könne auf den Papieren sitzen bleiben, falls die einreichende Bank pleite geht. Diese Erfahrung hatte die Notenbank nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers im September 2008 gemacht. Es dauerte gut drei Jahre, bis die letzten Schrottpapiere wieder auf den Markt gebracht werden konnten, die mit US-Immobilien besichert waren. (awp/mc/ps)

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