Fed-Chef Bernanke enttäuscht Investoren

Ben Bernanke

US-Notenbankchef Ben Bernanke.

Washington – US-Notenbankchef Ben Bernanke hält sich bedeckt, was eine weitere geldpolitische Lockerung angeht. In seiner halbjährlichen Rede vor dem amerikanischen Kongress betonte Bernanke am Dienstag zwar abermals die grundsätzliche Handlungsbereitschaft der Fed, nannte jedoch keine Details zu möglichen Massnahmen, mit denen die schwächelnde US-Wirtschaft angeschoben werden könnten. Anleger hatten sich deutlichere Ansagen erhofft.

Das Wirtschaftswachstum habe im ersten Halbjahr 2012 deutlich an Tempo verloren, sagte der Top-Notenbanker. Für das zweite Halbjahr 2012 müsse mit einer weiteren Abschwächung gerechnet werden. Die Situation in Europa stelle ebenso ein Risiko für das Finanzsystem und die Wirtschaft dar wie die haushaltspolitischen Herausforderungen in den USA, so Bernanke weiter.

Euro und DAX fallen auf Tagestiefs
Der Fed-Chef bezeichnete die Fortschritte am US-Arbeitsmarkt als «frustrierend langsam» und das Vertrauen der amerikanischen Haushalte als «relativ schwach». Die Industrieproduktion in den Staaten habe sich in den vergangenen Monaten verlangsamt und das Wachstum der Verbraucherausgaben dürfte sich im zweiten Quartal abgeschwächt haben. Lediglich dem Häusermarkt attestierte der Bernanke «bescheidene Zeichen» für eine Erholung.

Am Devisenmarkt geriet der Euro nach den Aussagen stark unter Druck und fiel unter die Marke von 1,22 US-Dollar auf ein Tagestief von 1,2189 Dollar. Vor der Rede hatte die Gemeinschaftswährung noch fast einen Cent höher notiert. Die heftige Reaktion der Anleger reflektiert die gesunkene Hoffnung auf ein neues Anleihekaufprogramm der US-Notenbank, das den Dollar tendenziell belasten würde. Die US-Börsen drehten ins Minus. Auch der deutsche Leitindex Dax geriet in den roten Bereich.

Keine Anzeichen für Anleihekaufprogramm
«Bernanke hat lediglich seine in der vorletzten Woche gemachten Aussagen wiederholt», sagte Ulrich Wortberg, Devisenexperte bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). «Viele Markteilnehmer haben hier offensichtlich mehr erwartet.» Laut Wortberg dürfte die US-Notenbank auf ihrer nächsten Sitzung auf ein Anleihekaufprogramm verzichten und abwarten.

«Kurz gesagt – Bernanke hat keine Hinweise geliefert, dass die Fed sich in Richtung einer nennenswerten zusätzlichen Lockerung bewegen könnte, die bei der nächsten Sitzung am 1. August bekanntgegeben werden könnte», kommentierte Joseph LaVorgna, Anleihe-Experte der Deutschen Bank. (awp/mc/pg)

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