Fed lässt Zeitpunkt für Zinswende offen

Janet Yellen
Janet Yellen, scheidende Fed-Chefin. (Foto: © United States Government Work)

Janet Yellen, Chefin US-Notenbank Federal Reserve. (© US Government Work)

Washington – Die amerikanische Notenbank Fed hält den Zeitpunkt der lang erwarteten Zinswende weiter offen. Konkrete Hinweise,wann die Leitzinsen in den USA erstmals seit 2006 wieder steigen, gab die Notenbank in der Erklärung zu ihrer zweitägigen Sitzung am Mittwoch nicht. Der geldpolitische Ausschuss FOMC gehe davon aus, dass Zinsanhebungen erst dann angemessen seien, wenn sich die Arbeitsmarktlage weiter bessere und man sicher sein könne, dass sich die Inflation wieder dem Fed-Zielwert von zwei Prozent nähere, heisst es in der Erklärung.

Ihre lockere Geldpolitik behielt die Fed vorerst bei. Der Leitzins liegt damit weiterhin in einer Spanne zwischen 0 und 0,25 Prozent. Bankvolkswirte hatten damit gerechnet. Auf diesem Rekordtief liegt die „Fed Funds Rate“ bereits seit Ende 2008, also seit etwa sechseinhalb Jahren. Allerdings steuert die Notenbank auf eine erste Zinsanhebung nach der Finanzkrise zu. Fachleute rechnen mit einem ersten Schritt frühestens im September.

Wachstum dürfte sich fortsetzen
Nach dem witterungs- und streikbedingten Schrumpfen der Wirtschaft im ersten Quartal gibt sich die Fed wieder etwas zuversichtlicher für die Konjunktur. Die Wirtschaft sei zuletzt moderat gewachsen, heisst es in der Erklärung. Auch der Beschäftigungszuwachs habe an Fahrt gewonnen, während die Arbeitslosigkeit konstant geblieben sei. Die Unterauslastung am Arbeitsmarkt habe sich unter dem Strich etwas verringert. Die Inflation liege nach wie vor unterhalb des längerfristigen Fed-Ziels von zwei Prozent.

Die Fed erwartet, dass sich das gemässigte Wachstum fortsetzen wird. Die Wachstumsrisiken seien in etwa ausgewogen. Die Inflation dürfte zunächst schwach bleiben, aber nach und nach in Richtung des zweiprozentigen Fed-Ziels steigen. Alle Entscheidungen wurden im FOMC einstimmig getroffen, es gab also keine Abweichler.

Zinspfad für 2016 und 2017 gesenkt
Die Mitglieder der Notenbank erwarten ein geringeres Tempo bei den Leitzinserhöhungen im kommenden Jahr. Die Erwartungen für das laufende Jahr wurden aber nicht angetastet. Für Ende 2015 rechnen sie weiterhin im Mittel (Median) mit einem Leitzins von 0,625 Prozent. Dies spricht für zwei Zinsanhebungen in diesem Jahr. Ende 2016 dürfte der Leitzins (Fed Funds Rate) aber nur noch auf 1,625 Prozent (zuvor 1,875 Prozent) steigen. Für Ende 2017 wird ein Zinsniveau von 2,875 Prozent prognostiziert (zuvor 3,125 Prozent). Bereits im März hatten die Notenbanker ihre Erwartungen an das Tempo der geldpolitischen Straffung gesenkt.

Die wirtschaftliche Entwicklung wird für das laufende Jahr etwas schwächer als zuletzt gesehen. Dies ist allerdings angesichts des schwachen ersten Quartals wenig überraschend. Man erwartet jetzt ein Wachstum von 1,8 bis 2,0 Prozent, nachdem man im März noch von 2,3 bis 2,7 Prozent ausgegangen war. Die Erwartungen für die beiden kommenden Jahre wurden hingegen kaum verändert. Auch die Inflationserwartungen änderten sich nur geringfügig. Die Inflationsrate wird demnach erst im Jahr 2017 das Ziel der Fed von 2,0 Prozent erreichen. Die Entwicklung am Arbeitsmarkt wird ein wenig skeptischer bewertet.

Yellen spielt Bedeutung von Zinswende herunter
Die Vorsitzende der amerikanischen Notenbank Fed, Janet Yellen, hat die Bedeutung des Zeitpunkts einer ersten Zinsanhebung nach der Finanzkrise heruntergespielt. Es sei weniger wichtig, wann die Leitzinsen erstmals stiegen, sagte Yellen mehrfach am Mittwoch nach der Zinssitzung der Notenbank in Washington. Entscheidender sei, in welchem Tempo die Zinsen nach einer ersten Zinsanhebung erhöht würden. Wahrscheinlich werde die Fed dieses Tempo moderat halten. Auch nach der lang erwarteten Zinswende bleibe die Geldpolitik locker, sagte Yellen.

Der genaue Zeitpunkt der Zinswende sei ausserdem nicht festgelegt, betonte die Notenbankchefin. Er sei datenabhängig, hänge also von der konjunkturellen Entwicklung ab. Deswegen werde auf jeder der kommenden Zinssitzungen besprochen, ob der richtige Zeitpunkt gekommen sei. Zurzeit sei es noch nicht so weit. Bei späteren Zinsanhebungen werde man keinem „mechanistischen Ansatz“ folgen oder nach einem „Fahrplan“ vorgehen, die Zinsen also nicht nach einem festen Muster anheben. (awp/mc/upd/ps)

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